Doug Aitken - Arles

DIE ZUKUNFT BEGINNT JETZT

Arles, die Touristenstadt am Rande der Camargue, will ein Zentrum der Medienkunst werden – daran arbeitet die Luma-Foundation der Kunst-Mäzenatin Maya Hoffmann. Erstes Highlight war die Präsentation von Doug Aitkens neuester Videoarbeit.

Sumpflandschaften, Mittelmeerstrand, Flamingos und wilde Pferde, aber auch Ruinen, Salztagebau, Bulldozzer und verlassene Bauernhäuser: Doug Aitkens "Altered Earth" ist ein filmisches Porträt der südfranzösischen Camargue.

Das Video hatte am vergangenen Wochenende in Arles Premiere, begleitet von einer musikalischen Live-Performance des amerikanischen Vaters der Minimal Musik, Terry Riley. So wurde spektakulär die zweite Runde im Kampf der Van-Gogh-Stadt Stadt Arles eingeläutet, mit Hilfe der reich dotierten Luma-Stiftung zu einem weltweit einzigartigen Zentrum für Fotografie und Medienkunst zu werden. Die Luma-Stiftung, hinter der die Schweizer Milliarden-Erbin Maya Hoffmann steht, stellt einen dreistelligen Millionenbetrag für einen futuristischen, 35 Meter hohen Turmbau von Stararchitekt Frank Gehry zur Verfügung, der auf dem Gelände der ehemaligen Eisenbahnreparaturhallen errichtet, Mediathek, Schule für Fotografie und Künstlerateliers beherbergen soll. Noch vor November wird die Baugenehmigung für das stark überarbeitete Projekt beantragt, nachdem eine erste Version 2010 von der staatlichen Denkmalbehörde abgelehnt worden war.

Auf zwölf je acht Meter breiten Leinwänden projizierte Aitken seinen schwelgerisch, manchmal zu schön fotografierten Bilderrausch, ein Geschenk der Luma-Stiftung an die Bevölkerung, denn die Arbeit kommt nicht auf den Kunstmarkt und darf auch nicht reisen. Das zahlreich erschienene Publikum – darunter auch viel Prominenz der Kunstszene aus Paris, Zürich und London – konnte zwischen den Leinwänden durchspazieren und so immer neue Perspektiven und Bildkombinationen erproben. Musik-Legende Terry Riley, Jahrgang 1935, mit langem weißem Haar und Bartzopf, hatte für einen seiner mehr als raren Auftritte ausnahmsweise sein Haus in den Bergen von New Mexiko verlassen. Er wanderte während der von Improvisationen geprägten Komposition, die nur ein einziges Mal aufgeführt werden darf, mit seinen beiden Musikern (elektrische Gitarre und Geige), vom Piano abwechselnd zu drei Bühnen in der großen Halle des Parc des Ateliers.

Just an dieser inzwischen unter Denkmalschutz gestellten Halle war die erste Baugenehmigung für das Gehry-Projekt gescheitert – das Engagement der Baslerin Maya Hoffmann, die sich seit Jahrzehnten für ihre Wahlheimat Arles und die Camargue einsetzt, hatte Begehrlichkeiten geweckt. Das weltberühmte Fotofestival, die Rencontres photographiques d’Arles, die jeden Sommer auf dem Gelände stattfinden, befürchtete eine feindliche Übernahme, der Architekt der großen Haupthalle sah sein Lebenswerk in Gehrys Bau verschwinden. Frankreichs Eisenbahngesellschaft SNCF, Besitzerin des von ihr nicht mehr genutzten Geländes am Stadtrand von Arles, begann, um den versprochenen Verkaufspreis zu pokern.

Gehrys überarbeitetes Projekt sieht nun einen Erhalt der Halle als zum Neubau gehörenden Ausstellungsort vor. Auch Höhe und Maße seines Entwurfs wurden verändert, mehr Ateliers geplant. Der Bürgermeister von Arles konnte sich bei seiner Begrüßung einen bewundernden Verweis auf die Stadtväter von Bilbao und den dortigen Gehry-Bau nicht verkneifen – dabei soll der Komplex in Arles keinesfalls ein Museum werden, sondern, so Maya Hoffmann, ein "weltweit einzigartiges Kreativzentrum für digitale Bilder". Sie hofft auf einen Baubeginn ihres "Kunstzentrums des 21. Jahrhunderts" noch vor Ende 2013.

Doug Aitkens Camargue-Video

gibt es als kostenlose App zum Download:
http://www.doug-aitken-arles.com