Peter Paul Rubens - Wuppertal

Vom Überfluss des Friedens

Eine Ausstellung im Von-der-Heydt-Museum beschäftigt sich mit der Rolle des Malers als angesehendsten Diplomaten des 17. Jahrhunderts. Das Museum zeigt knapp 100 Werke und konnte bedeutende Gemälde und grafische Arbeiten aus ganz Europa zusammentragen.
Reiche Ernte:Der Maler als Diplomat

Peter Paul Rubens: "Thetis empfängt die Waffen für Achill, um 1630, Öl auf Leinwand

Um ihren Sohn Achill vor den Speeren der Trojaner zu beschützen, bestellt Thetis Schild, Rüstung und Waffen beim Schmiedegott Hephaistos. Leicht geschürzt nimmt sie auf einem Gemälde von Peter Paul Rubens (1577 bis 1640) das Bestellte in Empfang, während im Hintergrund die Feuerstelle glüht.

Alles deutet auf einen eiligen Handel hin, die Zeichen der Gewalt sind überall im Bild verstreut. Alle Mühe ist am Ende vergebens: Thetis verliert den Sohn, weil der Krieg auf allen Seiten mehr Verlierer als Sieger kennt. Es ist genau diese Botschaft, die der bekannteste Maler seiner Zeit auf zahllosen Reisen an die Höfe Europas im Gepäck trug. Rubens, der flämische Maler sinnlicher Genüsse, war zugleich ein Diplomat der katholischen Reform.

Es erscheint nur angemessen, dass ein Maler, dessen Bilder vor Figuren und ­Motiven geradezu überquellen, der kunst­historischen Nachwelt ein schier unüberschaubares Forschungsfeld hinterlässt. Ein besonders interessantes Teilstück dieses Felds steckt nun das Von-der-Heydt-Museum in Wuppertal ab. Es widmet sich dem Diplomaten Rubens, der zunächst unter dem Deckmantel des reisenden Porträtisten, später aber auch in offizieller Mission hel­-fen sollte, Allianzen zwischen verfeindeten Mächten wie Spanien und England zu schmieden. Ob Rubens dabei vor allem Sprachrohr seiner Auftraggeber oder Politiker aus eigenem Antrieb war, ist unter den Gelehrten immer noch umstritten.
Gewiss ist jedoch, dass Rubens, dessen Lebensdaten annähernd mit dem Achtzigjährigen Krieg zwischen Spanien und den Niederlanden zusammenfallen, auf seinen Gemälden den Überfluss des Friedens feiert. Der wahre Glaube wird bei ihm nicht mit dem Schwert gebracht, sondern in Form reicher Ernten und befriedigter Gelüste. Die Ausstellung, die in Kooperation mit dem Königlichen Museum für Schöne Künste in Antwerpen entstand, ist in acht biografische Abteilungen gegliedert und umfasst neben 39 grafischen Arbeiten 58 Gemälde, von denen 41 von Rubens, elf aus seiner Werkstatt und sechs von ihm nacheifernden Künstlern stammen. Bedeutende Leihgaben kommen aus Caen, Marseille, Dresden und Antwerpen.

Peter Paul Rubens

Termin: bis 28.2. 2013, Wuppertal, Von-der-Heydt-Museum, der Katalog kostet 25 Euro
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