De Rijke / De Rooij - Kunstsammlung K21

Die Schönheit des Nachbilds

Seit einem guten Jahrzehnt liebäugelt die Kunstszene nun schon mit der Filmgeschichte, die auf den Monitoren von Museen und Galerien zahllose Nachbildeffekte hinterlässt. Oft genug wird dabei nur das Rad noch einmal neu erfunden, ganz anders liegt der Fall beim niederländischen Künstlerduo Jeroen de Rijke und Willem de Rooij.
Konflikte der Konsumgesellschaft:Werkschau der Videokünstler in Düsseldorf

Jeroen de Rijke/Willem de Rooij, "Mandarin Ducks" 2005. 16mm Film, Farbe, Lichtton, 36 Min.

Das niederländische Künstlerduo Jeroen de Rijke und Willem de Rooij zählte nicht nur zu den Filmfreunden der ersten Stunde, sondern setzten die Erforschung des Kinos auch mit suggestiven Mitteln fort.

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Strecken Teaser

Bereits in ihrer frühen Arbeit „For Ever and Ever“ (1995) nahmen sie sich des folgenreichsten Experiments der Filmgeschichte an: Der russische Regisseur Lew Kuleschow hatte gezeigt, dass identische Bilder für das Publikum verschiedene Bedeutungen annehmen können, wenn man sie nur mit entsprechenden Aufnahmen zusammenschneidet. In seinem berühmten Versuch setzte er ein und dieselbe Aufnahme eines Schauspielers gegen das Bild eines Suppentellers, eines Kindes und einer Frau im Sarg – die Zuschauer lobten anschließend des Schauspielers subtile Darstellung von einerseits Hunger, andererseits Freude und schließlich Trauer. De Rijke und de Rooij dagegen ermöglichen es dem Betrachter, das Montageprinzip zu durchschauen.

Auch in ihrem Film „Bantar Gebang“ (2000) gehen sie dem scheinbar Selbstverständlichen des Bildersehens auf den Grund, indem sie das Licht zum eigentlichen Akteur erheben: Allmählich taucht eine scheinbar romantische Anhöhe aus der Morgendämmerung auf, die sich – mit zunehmender Helligkeit – als eine auf einem Müllberg errichtete indonesische Armensiedlung erweist.

Zuletzt erweiterten de Rijke und de Rooij ihr Spektrum konsequent in Richtung politischer Themen: In ihrer auf der 51. Biennale von Venedig gezeigten Sitcom-Persiflage „Mandarin Ducks“ (2005) spielen die Darsteller klassische Konflikte der Konsumgesellschaft nach. Seit ihrem Film „Orange“ (2004) kristallisiert sich zudem die koloniale Vergangenheit der Niederlande als prägendes Motiv ihres Oeuvres heraus.

Die in Arbeitsteilung mit dem Museo d’ Arte Moderna di Bologna entstandene Werkschau ist leider zugleich ein Nachruf auf das Künstlerduo. Jeroen de Rijke starb letztes Jahr im Alter von nur 35 Jahren.

"Jeroen de Rijke – Willem de Rooij"

K21 Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, 8. Dezember bis 13. April 2008. Katalog: Snoeck Verlag.
http://www.kunstsammlung.de/