Eli Broad und der "Infinity Room" - Los Angeles

Selfie-Hit nach LA

Der große Kunstpatron Eli Broad eröffnet 2015 sein erstes Privatmuseum in Santa Monica. Für seine geplante Dauerausstellung versammeln sich die ganz großen Namen der Kunst, darunter Yayoi Kusama und Jeff Koons.
Besucherfreundliche Kunst:Erwerb von Selfie-Hit für Privatmuseum

Ein Meer aus Lichtern kreierte die Fotografin Yayoi Kusama mit ihrem Selfie-Hit: "Infinity Mirrored Room", 2013

Um die Menschen von Los Angeles in ein Museum zu bewegen, muss man mit schweren Geschützen auffahren.

Der LA-Patron Eli Broad versteht seine Stadt und hat das nötige Geld, um entsprechende Kunst einzukaufen. Der Groß-Sammler erwarb mit Yayoi Kusamas "Infinity Mirrored Room" einen absoluten Publikumsschlager für sein Privatmuseum, das er 2015 eröffnen wird.

Als Kusamas neuer Kunsthändler David Zwirner den Raum, den die Japanerin mit LED-Leuchten und Spiegeln in ein endlos erscheinendes Lichtermeer verwandelt, im Herbst in einer seiner New Yorker Galerien zeigte, standen die New Yorker bis zu acht Stunden Schlange, um den Lichter-Zauber zu erleben – und sich darin zu fotografieren. 45 Sekunden hatte jeder Besucher für sich allein in dem Spiegelraum, in dem 75 bunte LED-Leuchten flackern und mit dem die inzwischen 85-jährige Kusama ihre Gäste in ihren wundersamen Kosmos entführt. Tausende posteten ihr Selfie. Nach einem heftigen Flirt mit dem "Rain Room", der im Museum of Modern Art für Schlangen gesorgt hatte, hatte Instagram mit dem "Infinity Room" einen neuen Liebhaber, so das New Yorker Stadtmagazin Time Out damals.

Wieviel Eli und Edythe Broad für den Selfie-Hit ausgaben, wurde nicht öffentlich bekannt gegeben. Das Sammler-Paar kaufte weitere besucherfreundliche Kunst ein. Darunter der wundervoll melancholische Publikums-Schlager "The Visitors" von Ragnar Kjartansson. Eine Video-Installation, die acht von Kjartanssons Freunden in einer alten Villa beim Musikmachen zeigt. Und William Kentridges beliebte Sound- und Filmprojektion "The Refusal of Time", die sich ansonsten im gemeinsamen Besitz des Metropolitan Museum in New York und des San Fransisco Museum of Modern Art befindet.

Das von Diller Scofidio + Renfro für 140 Millionen Dollar gebaute Museum, in dem Eli und Edythe Broad ihre Privatsammlung mit Künstlern wie Jeff Koons, Cindy Sherman, Andreas Gursky oder Ed Ruscha zeigen werden, reiht sich damit als großer Spieler neben den wichtigen Kunst-Institutionen des Landes ein. Der erste Talk unter Broads Museums-Motto "The Un-Private Collection" fand vor fast 2000 Gästen mit Jeff Koons und John Waters statt. Weitere Talks mit Schwergewichten wie Takashi Murakami, Eric Fischl und Steve Martin, John Currin und Kara Walker sind angesetzt. Sie alle arbeiten bis auf Sammler und Hollywood-Star Martin in New York. Was Broads Problem auf den Punkt bringt: Zwar leben in LA viele Künstler, doch viele der großen Namen sitzen auch weiterhin an der Ostküste. Und die Museen und Galerien in dem sich endlos erstreckenden Los Angeles sind vor allem dafür bekannt, dass sie so häufig leer sind.

Broads Entscheidung, sein eigenes Museum zu bauen und seine Sammlung nicht wie ursprünglich versprochen dem Los Angeles County Museum of Art zu vermachen, kam damals einer bitteren Scheidung gleich. Seitdem verfolgt der Milliardär seine Mission, Downtown LA zum Leben zu erwecken und in seiner Stadt ein Kulturzentrum zu etablieren. Der Eintritt für Broads Museum wird zum größten Teil kostenlos sein. Das spektakuläre Design von Diller Scofidio + Renfro siedelte Broad in der Nachbarschaft der von Frank Gehry gebauten Disney Hall an, dem Zuhause der LA-Philharmoniker. Schon die Disney Hall, für die Broad Geld eingesammelt hatte, bevor er sich mit Frank Gehry anlegte, sollte LA in ein Kulturzentrum verwandeln, so die damalige Hoffnung. "Sie wird für LA bedeuten, was der Eiffelturm für Paris bedeutete", erklärte der Komponist John Adams bei der Eröffnung.

Das ist mehr als zehn Jahre her. Aus den ehrgeizigen Plänen wurde nichts. Doch Eli Broad arbeitet weiter an seiner Mission. "Es ist keine Frage, dass Los Angeles die Hauptstadt der zeitgenössischen Kunst in der Welt geworden ist", hatte Broad bereits 2010 in einem Gespräch mit dem New Yorker verkündet. Kusamas Lichtermeer soll seinen Zauber dazu beitragen.

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