Gute Aussichten - Deichtorhallen Hamburg

Rätselhafte Bildwelten und düstere Räume

In den Deichtorhallen Hamburg ist eine Ausstellung der Preisträger des Wettbewerbs "Gute Aussichten – Junge Deutsche Fotografie" zu sehen. Hierbei ist eine Tendenz zu einer genreübergreifenden Fotografie zu erkennen, in der andere Bereiche der bildenden Künste wie Malerei und Skulptur mit einbezogen sind.
Rätselhafte Bildwelten und düstere Räume:"Gute Ausichten" in den Deichtorhallen

Foto: "Philipp Dorl, ... nach Mass, Zahl und Gewicht"

Es wird skulptural, experimentell, teilweise auch dokumentarisch, mit gelegentlichen malerischen Zügen. Die Aussichten für die junge deutsche Fotografie sind: gut. Insgesamt 91 fotografische Abschlussarbeiten aus deutschen Hochschulen wurden für den Nachwuchswettbewerb "Gute Aussichten – Junge Deutsche Fotografie" eingereicht.

Die siebenköpfige Jury, zu deren Mitgliedern unter andrem Mario Lombardo, Ingo Taubhorn und Annelies Strba zählen, wählte aus den Bewerbern acht Gewinner aus. Die Arbeiten von den Preisträgern Georg Brückmann, Philipp Dorl, Sonja Kälberer, Ute Klein, Ingo Mittelstaed, Mona Mönning, Shigeru Takato und Anna Simone Wallinger sind noch bis zum 30. Mai in den Deichtorhallen zu sehen. Die Ausstellung zeigt, dass Fotografie ein vielfältiges Medium ist, das auf experimentelle Weise erprobt werden kann. Somit verabschiedet sie sich von kühlen, strengen, perfekt fotografierten Bildern und präsentiert "endgültig die Generation nach der Düsseldorfer Schule", sagt die Initiatorin von "Gute Aussichten" Josefine Raab. Besonders eine Hinwendung zu skulpturalen und malerischen Bildinhalten ist in vielen Arbeiten zu entdecken, so dass die Grenzen zwischen den Bereichen der bildenden Künste aufgehoben werden.

Fundstücke, surreale Räume und eine Container Box

Ingo Mittelstaed arrangiert Fundstücke, die er auf einer Studienreise in der Türkei sammelte, zu Stillleben und hält sie fotografisch fest. Seine Bilder faszinieren durch eigentümliche Kombinationen von unterschiedlichen Materialien wie beispielsweise Plastikfolien, Milch und dünnem, gebackenem Teig. Eine Begeisterung für das Skulpturale ist auch in den Bildern von Sonja Kälberer zu erkennen. Sie wandelt ein Zimmer mit Einbauten, Textilien und Farben um und fotografiert unterschiedliche Stadien dieses Prozesses. Möbel und vertraute Gegenstände verschwinden mehr und mehr aus den Bildern, so dass beinahe abstrakte Bilder entstehen, welche malerisch schön und zugleich abgründig, düster und unheimlich sind. "In meiner Arbeit "... nach Mass, Zahl und Gewicht" wird die Fotografie als Trans-Medium zwischen Malerei und Bewegtbild verhandelt", schreibt Philipp Dorl in seinem Arbeitskonzept und gliedert sich so auch der Tendenz zu einer genreübergreifenden Fotografie an. Er bezieht sich in seinen Bildern auf die Trompe-l'oeil-Malerei, erschafft rätselhafte Bildwelten und baut aus Pappen surreale Räume. Ein völlig anderes Konzept verfolgt Anna Simone Wallinger. Sie baute eine Container Box im Ausstellungsraum nach und zeigt in ihr Diaprojektionen von Flüchtlingen und Asylbewerbern. Diese fotografierte sie in ihrem Wohnraum in einer Containersiedlung in Berlin, wobei sie über eine längere Zeitspanne jede halbe Stunde ein Bild vom gleichen Standpunkt aus machte.

"Fotografie als ein freies, kreatives Medium"

Der Wettbewerb "Gute Aussichten – Junge deutsche Fotografie", dessen Ziel es ist Abschlussarbeiten im Zuge einer Wanderausstellung einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen, wurde im Jahr 2004 ins Leben gerufen. "Gute Aussichten"- Gründerin Raab sagt, dass die Ausstellung die "thematischen Wellen eines Jahrgangs" festhalten und die "Fotografie als ein freies, kreatives Medium, das ausprobiert werden darf", präsentieren möchte. Neben den Deichtorhallen sind die diesjährigen Stationen die Marta Herford, das Goethe-Institut in Madrid und Washington, das Haus der Fotografie in Burghausen sowie das Art Foyer der DZ Bank und die Buchmesse in Frankfurt. Somit werden die Arbeiten in renommierten Ausstellungsräumen präsentiert und "nicht in Projekträumen tief unter der Museumserde", sagt Ingo Taubhorn, Kurator des Hauses der Photografie. Die gute Prognose für junge deutsche Fotografie hat sich auch in diesem Jahr bestätigt. Ein breit gefächertes Publikum von Fotografierinteressierten und Kunststudenten feierte die Eröffnung in den Deichtorhallen. Besonders positiv fällt der Versuch der Ausstellung auf die ausgetretenen Pfade des Medium zu verlassen – eine Richtung, die weitergedacht werden kann, so dass man auf das nächste Jahr gespannt sein darf.

"Gute Aussichten - Junge deutsche Fotografie"

Termin: bis 30. Mai, Deichtorhallen, Hamburg
http://www.guteaussichten.org/index.php?id=9

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