Plattenlabel ECM - München

Avantgarde in München

Okwui Enwezor zeigt in seiner ersten Ausstellung im Haus der Kunst das legendäre Plattenlabel ECM und die Verbindung von Jazz, Avantgarde und bildender Kunst.

Die frei schwebenden Melodiebögen des Jazzpianisten Keith Jarrett und die hypnotisch wiederkehrenden Klangmuster des Minimalisten Steve Reich; die abenteuerlustigen Improvisationen des Gitarristen Pat Metheny und die strenge Sakralmusik des Komponisten Arvo Pärt: All das gehört zur Welt von ECM.

1969 hat der Musiker und Produzent Manfred Eicher das Plattenlabel in München gegründet, der Name bedeutet "Edition of Contemporary Music". Über 1200 Alben sind seitdem herausgekommen.

Die sparsam gestalteten Plattencover in Weiß, Beige und Grau gehörten seit den siebziger Jahren in jeden kulturell gehobenen Haushalt; heute haben die ECM-Designer einen Hang zu dunkel- dramatischen Fotos entwickelt. Das Spektrum reicht von Jazz über Neue Musik bis zu traditionellen Klängen aus allen Erdteilen. Man ist offen für alles, zugleich eint die Künstler des Labels eine gewisse Ernsthaftigkeit und Eleganz. Manfred Eicher steht als Produzent für extrem nuancenreiche Aufnahmen.
Einer der größten Fans von ECM ist Okwui Enwezor, Leiter der documenta 11 und neuer Direktor des Hauses der Kunst. Als er nach München kam, lernte er Manfred Eicher persönlich kennen und beschloss, seine erste große Ausstellung ECM zu widmen. "Damit ist aber kein besonderes Signal verbunden, schon gar keines in Richtung lokaler Historie", sagt Enwezor gegenüber art. "Ich möchte damit nur zeigen, welch große Bedeutung Jazz und Avantgardemusik für die kulturelle Entwicklung hatten. In der bildenden Kunst wird immer nur John Cage als Referenz erwähnt, das ist ein Klischee geworden." Enwezor und sein Co-Kurator Markus Müller machen Verbindungen zwischen verschieden Sparten sichtbar.

Künstler wie Stan Douglas, Anri Sala und die Otolith Group umkreisen in Filmen und Installationen das Thema Klang und Raum. Fotos von Musikern, Plattencover und Dokumente erhellen die Geschichte des Labels. Und natürlich gibt es Livemusik von ECM-Künstlern. Ob bewusstes Signal oder nicht: In Manfred Eichers Plattenlabel kann München sich als Ort der internationalen Avantgarde erkennen.

ECM - Eine kulturelle Archäologie

Haus der Kunst in München
bis 10. Februar
Gegen Vorlage der artcard erhalten unsere Abonnenten ermäßigten Eintritt, der Katalog zur Ausstellung erscheint im Prestel Verlag und kostet 39,95 Euro
http://www.hausderkunst.de/index.php?id=132&tx_ttnews[tt_news]=1624