Asiatische Krippen - In Trier

An der Krippe wacht das Yak

Im Bischöflichen Dom- und Diözesanmuseum in Trier sind 17 Krippen, meist aus der Sammlung Oda und Hans Strauß, zu sehen, die von asiatischen Laienkünstlern gefertigt worden sind
Folkloristisch:Wie Asiaten die Weihnachtsgeschichte darstellen

Krippe mit Stall aus Kathmandu, der Hauptstadt von Nepal, gefertigt aus Recyclingholzmasse mit Wachs und Maisstroh

Krippe, Maria und Josef, die heiligen drei Könige – alles da! Aber neben der Krippe hockt ein Yak, und dieser zottelige Grunzochse kommt im Himalaya, nicht aber im Heiligen Land vor. Die Tracht der Menschen verrät es: Diese Krippe stammt aus Nepal.

Bei der Weihnachtskrippe handelt es sich um die Handarbeit einer Frauengruppe aus der Hauptstadt Kathmandu, die sich für die arme Landbevölkerung Nepals einsetzt. Maria ist in traditioneller nepalesischer Kleidung mit Ohrringen dargestellt. Die heiligen drei Könige sollen ein buddhistischer Mönch, ein Hindu- und ein Sherpapriester sein.

17 Krippen aus dem asiatischen Raum sind derzeit unter dem Titel "Jesus ein Gesicht geben" im Bischöflichen Dom- und Diözesanmuseum in Trier zu sehen. Es sind hauptsächlich Leihgaben von Oda und Hans Strauß aus Trier. Das "Wie" habe ihn interessiert, sagt Museumsleiter Markus Groß-Morgen, denn: "Die Frage ist, inwieweit sich das europäische Bild der Krippendarstellungen durchschlägt und wie die asiatische Kultur eingebracht wird."

Dass Abbildungen von Christi Geburt historisch nicht genau sind, ist keine Spezialität asiatische Länder. Auch die Alten Meister in Europa pflegten die dargestellten Personen in die Gewänder ihrer eigenen Zeit zu kleiden. Als "kulturellen Kompromiss" bezeichnete Oda Strauß die verschiedenen asiatischen Elemente, die in die Krippenszenen eingearbeitet worden sind.

Auch in den verwendeten Materialien schlägt das asiatische Element durch. Die Figuren einer kambodschanischen Krippengruppe bestehen aus "Tigerhandholz", das helle Holz einer Lianenart, die sich um andere Bäume windet und in Laos und Kambodscha heimisch ist. Die Szene wurde von einer Gruppe von 13 körperbehinderten buddhistischen Künstlern hergestellt. In vielen asiatischen Ländern wird Spielzeug, werden aber auch Touristensouvenirs aus Recyling-Material gefertigt – Getränkedosen, Plastikflaschen zum Beispiel. Eine Krippe von den Philippinen besteht aus recyceltem Zeitungspapier. Für die meist buddhistischen Laienkünstler ist der Krippenbau die Möglichkeit, etwas zum kargen Einkommen hinzuzuverdienen. So wurde eine Krippe des Gurungvolkes aus dem zentralen Bergland Nepals im Rahmen eines Frauenprojektes hergestellt, das unterprivilegierten Frauen erlaubt, sich ein kleines Einkommen zu verschaffen.

Trier: "Jesus ein Gesicht geben"

22. November bis 30. Januar
http://www.bistum-trier.de/museum/