Manifesto Collage - Berlin

In der "zu-Guttenberg-Galaxis

Die Berlinische Galerie widmet ein Wochenende der Collage. Am 25. Februar 2011 findet das Symposium "Manifesto Collage" statt mit berühmten Kunstexperten wie Prof. Dr. Werner Spies und Prof. Dr. Horst Bredekamp. Die Ausstellung zeigt ihre weltweit berühmte Dada-Sammlung mit Collagen von Hanna Höch, Raoul Hausmann und George Grosz zudem wichtige Werke von Fluxus-Künstlern und Neo-Dadaisten bis hin zu aktuellen Arbeiten von der amerikanischen Künstlerin Martha Rosler und dem jungen Künstler Oliver Laric.

Meist ruhen sie unbemerkt in ihrer facettierten Schönheit in großen, kühlen Schubladen. Und wenn sie dann wirklich einmal für einige Zeit ans Licht kommen, werden sie danach zum eigenen Schutz wieder über mehrere Jahre hinweg in das Verlies ihres dunklen Grafikschrank zurück verbannt. Collagen auf und aus Papier sind in der Regel höchst fragile Machwerke.

Aus Anlass eines Symposiums über die Collage in der Berlinischen Galerie kann man nun einige der ausgemachten Pretiosen des Museums bis einschließlich Sonntag bewundern. Hannah Höchs in politische Bildnachrichten gesplitterte "Dada-Rundschau" von 1919 ist darunter, aber auch im grotesken Zeitgeist Collagiertes von Kurt Schwitters und Raoul Hausmann. Am Vorabend zu der "Manifesto Collage" nahm die Berlinische Galerie in der illustren Runde von Experten und Syposiumsteilnehmern wie Werner Spies oder Martha Rosler die konservatorisch heikelsten Raritäten in dem Depot unter die Lupe. Ein aus allen Nähten platzendes Adressbuch (1917-78) von Hannah Höch etwa, das exemplarisch die manische Sammelgier der Dada-Lady beleuchtet. Werner Spies' Name ist kurioserweise auch darin verzeichnet. Erst bekommt der legendäre Kunsthistoriker angesichts dieser Info große Augen, dann erinnert er sich an den persönlichen Austausch: "Stimmt, das war 1977, als ich die große Schau 'Paris-Berlin' vorbereitet habe."

Das unter anderen mit Horst Bredekamp berühmt besetzte Symposium zur Collage ist in der Berlinischen Galerie an genau dem richtigen Hort gelandet. Denn hier lagern weltweit bekannte Schätze der Collagenkunst, neben dem Höch-Nachlass beispielsweise auch der von Hausmann. Ralf Burmeister, dortiger Leiter der Künstlerarchive, erzählt, wie hungrig sich eigens angereiste Gäste etwa aus den USA die Originale vorführen lassen. Anfragen von deutschen Studenten der Kunstgeschichte gingen hingegen gegen null. Die Berliner Sammlerin Christiane zu Salm hat das Symposium samt Rahmenprogramm finanziell ermöglicht. Nicht zuletzt deshalb, weil das Montageprinzip durch verschiedene Medien der in ihrer Sammlung vertreten Künstler mäandert, wie sie erklärte: "Es war immer mein Traum, zum jetzigen Zeitpunkt ein Manifest für die Collage zu veranstalten, weil mich Bedeutung und Begriff interessiert, vor allem in der heutigen, immer komplexer werdenden Zeit." Christiane zu Salm fragte weiter nach dem Wesen der Collage: "Was war eine Collage zu Dadas Zeiten? Welche Bedeutung hatte sie damals und hat sie heute? Was ist eine Collage im digitalen Zeitalter – und was nicht? Ist die Collage nicht längst zum Signum unserer Zeit geworden – weit über die Kunst hinaus? Collagieren wir nicht unsere Lebensstile genauso wie in der Kunst? Wenn aber alles eine Collage ist, dann ist gleichzeitig auch nichts eine Collage."

Zu Salms Sammlung gehören auch die über das Wochenende präsentierten Eye Catcher von Martha Rosler. Die Pionierin einer feministischen Kunst spitzte ihre sozialkritischen Inhalte in Fotocollagen launig zu. Das Collagieren schließt über die heute rasant zu bereisenden Datenautobahnen natürlich neue Techniken und Fragen auf. Es ist in einer extrem diversifizierten Gesellschaft ein legitimes spielerisches Werkzeug, sich die Welt immer neu anzueignen. Nicht erst seit dem Plagiatsskandal um die Doktorarbeit Karl-Theodor zu Guttenberg beginnt man über nicht gekennzeichnete Fremdeinschübe von Zitaten in Text-, Bild- und Musikform neu zu debattieren. Stichpunkt Sampling! "Postmoderne Eliten jedoch versinken in den durch digitale Netze unendlich gewordenen Quellen, um an ihnen zu wachsen und die Grenzen des eigenen Wissens zu überwinden", schrieb Ulf Poschardt unlängst in der Welt. Zum Abschluss des Symposiums wird denn auch Martha Rosler mit dem jungen Künstler Oliver Laric über den veränderten Authentizitätsbegriff diskutieren (18–20 Uhr). Laric dekonstruiert in einer fortlaufenden Serie von Videoarbeiten die Idee des Originals bis zur vollkommenen Auflösung.

Manifesto Collage

Die umfangreiche Ausstellung ist am 25. Februar 2011 von 10-20 Uhr zu besichtigen
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