Skulpturenparks - Stadt, Land, Fluss

Wie für den Sommer gemacht

Raus aus dem Museum, rein ins Grüne! Skulpturenparks vereinen Kunst, Natur und frische Luft. In unserer neuen Serie "Stadt, Land, Fluss" stellt art Ihnen jede Woche beeindruckende Parks weltweit vor – in der Stadt, auf dem Land oder am Wasser gelegen. Diese Woche gibt's einen Vorgeschmack in Superlativen.

Der kurioseste Skulpturenpark

Die wohl außergewöhnlichste Idee hatte der Bildhauer Jason deCaires Taylor. Er gründete 2006 den weltweit ersten Unterwasser-Skulpturengarten vor der Insel Grenada. Aus Stein gemeißelt, sind die Skulpturen dem natürlichen Zersetzungsprozess des Meerwassers ausgeliefert und erleben mit der Zeit eine Transformation: Gesichter verlieren ihre Züge, Körper ihre Formen. Vom Salz zerlöchert, von Algen überwuchert und mit Korallen besetzt, wirken die Figuren wie Überbleibsel einer vergangenen Kultur. Um die Skulpturen zu sehen, muss man jedoch nicht zwangsläufig tauchen können. So genannte "Glass-Bottom"-Boote geben die Möglichkeit, einen Blick auf deCaires Arbeiten zu werfen. Dieser widmet sich mittlerweile einem zweiten Unterwasser-Skulpturenpark vor Cancun in Mexiko.

Der älteste Skulpturenpark

Die Historiker sind sich uneinig, welcher Skulpturenpark der älteste ist. "Es hängt davon ab, mit wem man redet", stellt Cameron Cartiere vom Birkbeck College der Universität London fest. Cartiere gründete 2009 die Stiftung "The Foundation of the International Directory of Sculpture Parks and Gardens". Die dazugehörige Webseite enthält die weltweit umfangreichste Datenbank von Skulpturenparks und Gärten. Ihre eigene Forschung beschränkt sich auf den "modernen" Skulpturenpark ab 1900. Als ersten dieser Art listet sie den Parc Güell - ein beliebtes Ziel von Barcelona-Touristen. Entworfen wurde der Park zwischen 1900 und 1914 von dem spanischen Architekten Antoni Gaudí. Neben wenigen Skulpturen sind hier vorwiegend Gebäude zu finden, die jedoch durch ihre organisch-verspielten Formen und ihre Verzierungen mit bunten Mosaiksteinchen wie Kunstwerke anmuten. Die Bildhauerin Niki de Saint Phalle besuchte den Parc Güell und fühlte sich inspiriert einen eigenen zu gründen. Von 1978 bis 2002 gestaltete sie den so genannten Tarot Garten im Süden der Toskana: "Ein mytholgischer Garten zu Ehren der Götter". Auf einer Fläche von 16 Hektar sind 22 Skulpturen zu sehen, die sich auf die Figuren des traditionellen Tarot-Kartenspiels beziehen. Die monumentalen Plastiken erreichen eine Höhe von bis zu 15 Metern, sind mit Mosaiken aus Keramik oder Glas besetzt und zum Teil begehbar.

Der jüngste Skulpturenpark

Im Juli dieses Jahres eröffnete das Haus am Waldsee in Berlin seinen Skulpturenpark. 1946 gegründet, zählt es zu den ältesten Museen für zeitgenössische Kunst. Im Park rund um das in den Zwanziger Jahren erbaute Haus sind unter anderem Arbeiten von Simon Faithfull, Karl Hartung, Olav Christopher Jenssen, Victor Kégli, Wilhelm Mundt, Daniel Pflumm, Michael Sailstorfer und Francis Zeischegg zu sehen. Den Auftakt bildet eine temporäre Installation von Frank Bölter. Sein "Mauerwerk" lässt das Haus vorübergehend hinter aufgetürmten Pappziegeln verschwinden. Eine Klangarbeit, das "Meteophon", des niederländischen Komponisten William Engelen, soll das aktuelle Wetter hörbar machen. Sogar eine Minigolfanlage, gestaltet von Ina Weber, gibt es auf dem ein Hektar großen Parkgrundstück.

Der größte Skulpturenpark

Der Yorkshire Sculpture Park in England ist neben dem Storm King Art Center in New York der weltweit größte Skulpturenpark. Auf einer Fläche von ungefähr 200 Hektar werden Arbeiten von Künstlern wie der englischen Bildhauerin Barbara Hepworth oder des Amerikaners Sol LeWitt gezeigt. Doch die größte Fläche bedeutet nicht automatisch auch die äquivalente Anzahl an Skulpturen. Der Yorkshire Sculpture Park stellt aktuell etwa 40 Arbeiten aus. Der Besucher soll sich ganz und gar auf ein Exponat konzentrieren können. Überhaupt ist es schwer zu sagen, welcher Park die größte Skulpturensammlung besitzt: "Die Anzahl der Skulpturen variiert durch wechselnde Ausstellungen und Leihgaben", stellt Cartiere fest.

Der abgeschiedenste Skulpturenpark

Mit einem Abenteuer ist der Besuch des Benesse Art Site in Japan verbunden: Auf der Insel Naoshima gelegen, ist der Park nur mit einer Fähre erreichbar. Schon vom Wasser aus erblickt man eine riesige gepunktete kürbisartige Skulptur der Künstlerin Yayoi Kusama. Auf der Insel selbst sind permanente, ortsspezifische Installationen zu finden. Kunst im Einklang mit der Natur ist ein Prinzip, welches viele Skulpturenparks verfolgen. Nicht die Landschaft wird an die Skulptur angepasst, sondern die Kunst an die Umgebung. Das Art House Project sowie das Chichu Art Museum von Tadao Ando sind ebenfalls auf der Insel zu finden. Ersteres verwandelt bestehende Wohnhäuser in Kunstwerke, zweites zeigt unter anderem Arbeiten von Walter De Maria und James Turrell.

Der politischste Skulpturenpark

Der Skulpturenpark Berlin Zentrum versteht den Begriff "Skulptur" als Prozess, der auf historische und gesellschaftliche Zusammenhänge verweist. Man findet hier keine idyllische Parklandschaft vor, sondern die Grünfläche eines ehemaligen Mauerstreifens, die mal als Hundewiese, Spielplatz oder Parkplatz genutzt wurde. Zehn bis zwölf temporäre und ortspezifische Projekte werden hier im Jahr realisiert. Im Jahr der Eröffnung 2006 installierte der Künstler Philip Horst eine 300-Watt-Glühbirne über dem Gelände. Ein dazugehöriger Schalter wurde von Anwohner zu Anwohner gereicht, die dann über die Beleuchtung des untypischen "Skulpturenparks" entscheiden konnten. Angela Melitopoulus ging auf die Geschichte des ehemals bewachten Grenzstreifens ein, indem sie Bilder von der militärisch kontrollierten Geisterstadt Varoosha in Zypern und der UN-bewachten Green-Line in Nikosia auf großformatige Plakatwände zog.