1. Ruhrbiennale - Duisburg

Träume und Traumata

In der Duisburger Liebfrauenkirche zeigt ein privater Verein die zentrale Ausstellung der Ruhrbiennale "Aqua Futurbana" – im Kulturhauptstadtjahr, aber ohne öffentliche Fördermittel
Privatinitiative:Ausstellung zur Zukunft der Lebensräume

"Aqua Futurbana" in der Duisburger Liebfrauenkirche: im Vordergrund die Installation "Luftreserve für Immigranten" von Klaus Berends

Wer schon mal auf der Kanareninsel Fuerteventura Urlaub gemacht hat, kennt die Situation: Häufig knattern Polizeihubschrauber über das Meer, jagen Schnellboote über das Wasser – wieder wurde ein kleines Boot mit afrikanischen Boatpeople aufgebracht und an den Strand geschleppt. Die meist hölzernen Boote mit ihren für die Urlauber fremdartigen Schriftzeichen verrotten dann dort. Der deutsche Künstler Klaus Berends, der auf Fuerteventura und in Berlin lebt und arbeitet, hat ein solches Boot nach Deutschland gebracht.

Gefüllt mit prallen Schläuchen von LKW-Reifen und einem Alu-Notfallkoffer, der unter anderem eine Kopie des Kyotoer Protokolls zum Klimaschutz enthält, steht es nun als Installation "Luftreserve für Immigranten" in der Duisburger Liebfrauenkirche. Überreste von Booten sind auch das Material, mit dem der Inder Suboth Kerkar arbeitet: Diese archaischen Skulpturen werden gemeinsam mit Fotografien gezeigt. In denen hat er dokumentiert, wie sich unter seiner Regie indische Fischer am Strand zu faszinierenden lebenden Bildern gruppiert haben.

Hier, in der Liebfrauenkirche, ist die zentrale Ausstellung "Aqua Futurama" der ersten Ruhrbiennale zu sehen. Diese findet zwar im Kulturhauptstadtjahr statt, wurde aber, wie viele freie und alternative Projekte, nicht aus den Kulturhauptstadt-Mitteln gefördert. Der private Duisburger Kunst- und Kulturverein AortA hat diese erste Biennale ins Leben gerufen und organisiert, in der 49 Künstler aus zwölf Ländern "Wirklichkeits- und Möglichkeitssinn sozial-kultureller Identität im Kontext globaler Gegebenheiten" hinterfragen – "Die Normalität der Widersprüche, die Zukunft der Lebensräume in den Zeiten des Klimawandels und der Umweltkatastrophe: kurz, die Träume und Traumata der zivilisatorischen Wildnis", wie es im Programm heißt.

Die teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler stammen aus China, Finnland, Frankreich, Indien, Italien, Korea, Österreich, Russland, der Schweiz, Tschechien, den USA und Deutschland. Zur Ruhrbiennale gehört ein umfangreiches Rahmenprogramm (siehe Website).

1. Ruhrbiennale

Termin der Zentralausstellung "Aqua Futurbana": bis 31. Oktober. Katalog: Verlag Phoenix-Shanti, 30 Euro
http://www.ruhrbiennale.de/
info@ruhrbiennale.de