Folkshytta - Norwegen

Multikulturelle Holzhütte

Der in Norwegen lebende, deutsche Künstler Stefan Schröder gibt mit der "Folkshytta" Migranten ein Stück Heimat zurück. Zumindest für die Ferienzeit.

Wer bei Stefan Schröders "Folkshytta" ("Volkshütte") an den Volkswagen und dessen Philosophie denkt, liegt durchaus richtig. Denn wie das erschwingliche Massenauto, so sollte auch die Volkshütte etwas für jedermann Erreichbares sein, zumindest in Norwegen. Dort gehört der Besitz eines kleinen Ferienhauses in den Wäldern oder am Meer und die damit verbundene Wochenendausfahrt zum nationalen Selbstverständnis.

In den Holzhütten manifestiert sich sozusagen die Seele des einstigen Holzfällervolks, auch wenn die Ausstattung mittlerweile sehr luxuriös ausfallen kann: Der Schnee wird von einem Unternehmen geräumt, und die Heizung kann bereits am Vortag der Anreise per Internet angeschaltet werden. Und außerdem existiert diese Holzfällernation so auch nicht mehr; etwa 25 Prozent der Osloer Einwohner sind Migranten.

Kunstprogramme für Ausländerintegration

Vor dieser Kulisse, und weil der gebürtige Deutsche selbst erst seit sieben Jahren in Norwegen lebt, fand Stefan Schröder das norwegische Hüttenwesen fragwürdig: "Es nur einem Teil der Bevölkerung vorbehalten. Vielleicht gefällt den Zuwanderern diese Art Kultur nicht, oder man müsste sie ihren ethnischen Vorlieben anpassen." So entwarf er als
demokratisches Angebot (und nicht ohne Augenzwinkern) seine "Folkshytta", einen Zwitterbau aus typisch norwegischem Holzhaus und islamischer Architektur, mit Verweis auf die Wurzeln großer Teile der Zuwandererpopulation.

Die Idee für das bizarre Häuschen entwickelte er bereits 2005 mit dem bekannten Unternehmen "Malmlaft", eine der zahlreichen Firmen, die so Schröder, "mit traditionellen Mitteln langweilige Hütten nach Kundenwünschen" entwerfen. Doch erst vor kurzem ergab sich die Gelegenheit, ein begehbares Modell im Maßstab 1:2 zu realisieren. Anlass
war das vom norwegischen Kultusministerium ausgerufene "Mangfoldsåret", das "Jahr der Vielfalt". Unter diesem Motto wurden landesweit Museen verpflichtet, Programme für Ausländerintegration anzubieten. Bei der "Folkshytta" griff das "Glomdal Museum" in Südnorwegen zu. Dort werden seit Jahrzehnten alte Hütten, Bauernhäuser, ländliche Möbel und sonstige Folkloregegenstände gesammelt.

Das niedliche Bauwerk macht Spaß

Nun soll das Schrödersche Hybrid Migranten Appetit auf die Traditionen ihres Gastlands machen und gleichzeitig Offenheit für das sonst misstrauisch beäugte Fremde signalisieren. Ein Glück, dass das niedliche Bauwerk wirklich Spaß macht: Im Erdgeschoß laden ein maurischer Bogen und schöne Teppiche zum Verweilen in dem schattigen Raum ein. Schröder hat tief in die Requisitenkiste arabischer und orientalischen Dekors gegriffen und legt weniger Wert auf genaue Zitate, sondern auf eine charakteristische Atmosphäre. So fällt das Licht durch farbige Glaspunkte ein, und ein geschnitztes Fenster im Mashrabiya-Stil wirft sein filigranes Muster auf seidene Kissen. Nach oben geht es über eine
hölzerne Stiege. Dort sind dann alle Stereotypen der lokalen Hüttensitten versammelt: vom liebevoll bemalten Eckschrank über den handgewebten Tischläufer bis hin zur Gemäldereproduktion mit dem beliebten röhrenden Elch.

Stefan Schröder hantiert sensibel mit den Klischees, spielt sie jedoch nirgends gegeneinander aus. Die Verknüpfung
der Welten in einem einzigen Haus bedient eine zugebenermaßen schlichte Symbolik, wird aber fröhlich von den Besuchern akzeptiert. "Sogar die junge somalische Museumskraft fühlt sich ernst genommen und verstanden",
erzählt Schröder und fügt hinzu: "Auch die nationale Volkskunst ist nicht mehr das, was sie mal war. Jemand wollte in dem arabischen Schnitzfenster norwegische Muster erkennen." Warum nicht, schließlich waren die Wikinger ja bereits gut global unterwegs.

"Folkshytta"

Termin: Ausstellungsdauer 3 Jahre, Glomdal Museum, Oslo, Norwegen
http://www.glomdal.museum.no/

Mehr zum Thema auf art-magazin.de

Mehr zum Thema im Internet