Gvoon - Berlin

Finderlohn: Ein Werk

Ab 18. April sind die Ergebnisse von Gvoons Kunstaktion "Ausgesetzte Bilder" in einer Berliner Ausstellung zu sehen. Seit einem Jahr verblüfft der Hamburger Künstler Gvoon alias Arthur Schmidt mit einer recht untypischen Kunstaktion: Er setzt bundesweit Bilder aus und kreiert damit eine eigenwillige Kunst-Community. Denn die Finder und neuen Besitzer der Bilder werden in einem Online-Katalog verewigt.
Kunst für alle:Der Hamburger Künstler Gvoon setzt Bilder aus

Ein Kölner Beerdigungsunternehmer präsentiert stolz sein gefundenen Bild Nr. 125

Ein Mann steigt aus einem schwarzen Auto, läuft auf ein Museum zu, hängt neben dem Eingang ein Bild auf und verschwindet schnell wieder. Nur wenig später wird das Bild von zufällig vorbeikommenden Passanten abgehängt und mitgenommen. Szenen wie diese dürften in Berlin demnächst öfter zu sehen sein. Vom 18. Bis 22. April führt der Künstler Arthur Schmidt alias Gvoon in der deutschen Hauptstadt nämlich seine Aktion "Ausgesetzte Bilder" fort.

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Strecken Teaser

Schmidt hängt unter freiem Himmel von ihm gemalte Bilder auf und hofft darauf, dass diese alsbald wieder von Kunst interessierten Passanten mitgenommen werden. "Ich wollte etwas tun, was nichts mit Geld zu tun hat. Ich bin kein Weltverbesserer, aber mit der Aktion unterliege ich nicht der Versuchung darauf hinzuarbeiten, dass die Werke verkauft werden. Jeder, der sich von einem Bild angesprochen fühlt, kann es einfach mitnehmen – kostenlos", sagt Schmidt. Der Künstler hat zuvor viel Medienkunst gemacht und unter anderem mit Holger Czukay von der Gruppe Can, die in den 1970ern den Krautrock international bekannt gemacht haben, gearbeitet.

Bilder von Schmidt in dem Format, wie er sie aussetzt, kosten üblicherweise zwischen 400 und 800 Euro. Auf das Geld verzichtet er, möchte aber er dennoch etwas im Gegenzug bekommen. Per Mail sollen die Finder Schmidt ein Foto schicken, dass sie mit dem gefundenen Werk zeigt. Seit dem Start der Aktion im Herbst 2007 in Köln gestartet, hat Schmidt bereits 240 Bilder aufgehängt, Fotos von deren Findern sind im Internet und ab 18. April in der Galerie Degenhartt in Berlin zu sehen.

Dass die von Schmidt im Dickicht der Städte verteilten Bilder von den Findern nicht wie Aussätzige behandelt werden, zeigen die Fotodokumente auf seiner Website: Da schmückt ein Kölner Beerdigungsunternehmer die Räumlichkeiten seines Unternehmens mit dem gefundenen Bild Nr. 125, der Finder von Nr. 203, das in Hamburg ausgesetzt wurde, hat das Werk zum Skifahren mitgenommen und vor einem Lift abgelichtet und Finderin Susanne Müller trägt Nr. 171 zu Pferde.

"Die Leute betreiben zum Teil einen ziemlichen Aufwand, um sich mit meinen Bildern ablichten zu lassen. Das freut mich natürlich", sagt Schmidt. Der in Hamburg lebende Künstler wird auch in den Räumen der Galerie ein Bild aussetzen. Vor allem zu Dokumentationszwecken, doch, wenn Besucher einfach zugreifen, wird er sie kaum daran hindern können.

"Gvoon: Ausgesetzte Bilder"

Termin: 19. April bis 31. Mai, Galerie Degenhartt, Berlin.
http://www.galerie-degenhartt.de/

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