Top 10 im April - Ausstellungstipps

Die zehn Kunst-Höhepunkte im April

art präsentiert Ihnen die zehn großen Kunst-Höhepunkte des Monats. Diesmal mit Ai Weiwei, Pierre Huyghe, David Shrigley, Paul Chan, Henri Matisse, der Landschaftsmalerei des 17. Jahrhunderts, der Unterwelt, Sigmar Polke, Marsden Hartley, Kandinsky, Malewitsch und Mondrian.

Ai Weiwei – Evidence (Berlin)

Die Werke von Ai Weiwei finden weltweit Beachtung – nur nicht in seinem Heimatland China.

Dort ist die Kunst des berühmtesten chinesischen Künstlers verboten. Denn Ais Werke sind politisch: Er fordert Redefreiheit, Gewaltenteilung, eine Mehrparteiendemokratie für China und – seitdem die Behörden seinen Reisepass eingezogen haben – Reisefreiheit. 2011 war Ai aufgrund von dubiosen Vorwürfen wie Steuerhinterziehung, Bigamie und Verbreitung von Pornografie für 81 Tage an einem unbekannten Ort eingesperrt worden. Seit seiner Haftentlassung kann er China nicht verlassen und sein Atelier wird rund um die Uhr von Kameras überwacht. Stellvertretend für sich lässt Ai seine Kunst reisen – der Berliner Martin-Gropius-Bau zeigt ab dem 3. April Ais weltweit größte Einzelausstellung. Auf über 3000 Quadratmetern sind Werke und Installationen zu sehen, die eigens für die Ausstellung entstanden sind oder noch nie in Deutschland gezeigt wurden.

Martin-Gropius-Bau, Berlin, 3. April bis 7. Juli 2014

Pierre Huyghe (Köln)

Wo hört Kunst auf und wo beginnt das Leben? Muss es eine strikte Trennung zwischen Leben und Kunst geben? Auf der documenta 13 machte der französische Künstler Pierre Huyghe das nackte, pure Leben zu seiner Kunst: ein Garten mit Gärtner, ein Bienenstock auf dem Kopf einer Skulptur, ein Hund mit pinkfarbenem Bein. In der Summe ergab dies ein kleines Ökosystem, das von Beginn an sein Eigenleben führte. Der Gärtner döste oder las ein Buch, der Hund fraß und machte sein Häufchen, die Bienen summten um ihren Bienenstock. Das Leben (und damit Tod, Zerfall, Natur und Kultur) zieht sich auch durch Huyghes erste große Ausstellung im deutschsprachigen Raum wie ein roter Faden: ein Krebs, der in der Kopie einer Brancusi-Maske haust, eine Eiskunstläuferin und auch der Hund mit pinkfarbenem Bein finden sich zwischen den 50 Arbeiten, die im Museum Ludwig gezeigt werden.

Museum Ludwig, Köln, 11. April bis 13. Juli 2014

David Shrigley. Drawing (München)

Haben Sie schon ein David-Shrigley-Tattoo? Falls ja, können Sie dem britischen Künstler über seine Website ein Foto davon zukommen lassen. Shrigley, dessen cartoonartige, minimalistische Zeichnungen sich seit den neunziger Jahren in vielen Publikationen finden, sammelt seit einiger Zeit auch die Tattoo-Fotos seiner Fangemeinde. Weniger bekannt als für sein zeichnerisches Werk ist er jedoch für seine Arbeiten jenseits des Mediums Papier. Die Münchner Pinakothek der Moderne zeigt deshalb in Shrigleys erster musealer Einzelausstellung in Deutschland auch dessen Skulpturen, Fotografien, Wandmalereien, Animationsfilme und andere, humorvolle Dinge, die er gestaltet hat.

Pinakothek der Moderne, München, 11. April bis 10. August 2014

Paul Chan – Selected Works (Münchenstein bei Basel)

Der US-amerikanische Künstler Paul Chan (* 1973 in Hong Kong) dachte immer, er würde mit seinem eBook-Verlag "Badlands Unlimited" Bücher produzieren, nicht zerstören – bis zu einem kleinen Zwischenfall auf einer New Yorker Buchmesse. Vor dem Stand seines Verlags stritten sich zwei Frauen, eine davon war der Meinung, dass digitale Bücher die Printmedien zerstören würden. So kam Chan auf die Idee für seine Serie "Volumes" (2012), die aus mehr als 1000 "zerstörten" Büchern besteht. Hierfür riss Chan die Seiten aus den Büchern und verwendete nur deren Deckel, die er mit Rechtecken in verschiedenen Grautönen übermalte. Rund die Hälfte davon war auf der documenta 13 ausgestellt. Das Münchensteiner Schaulager widmet Chans Arbeiten – darunter Skulpturen, Zeichnungen, Installationen, Projektionen, Animationen, Schriften und interventionistischen Guerilla-Aktionen – eine große Einzelschau. Zum ersten Mal werden alle Buchdeckel aus der Reihe "Volumes" ausgestellt.

Schaulager, Münchenstein bei Basel, 12. April bis 19. Oktober 2014

Henri Matisse: The Cut-Outs (London)

Der französische Maler, Bildhauer und Grafiker Henri Matisse (1869 bis 1954) erkrankte zu Beginn der vierziger Jahre an Krebs und sah bereits sein Ende kommen. Vor einem schweren operativen Eingriff verabschiedete er sich deshalb bereits von Freunden und Verwandten. Zu seiner eignen Überraschung blieb ihm jedoch noch mehr als ein Jahrzehnt. Obwohl Matisse schwere Krankheit ihn in seiner Arbeit stark einschränkte, lies er die Zeit nicht ungenutzt und fand einen Weg, sich weiterhin künstlerisch auszudrücken: Er entdeckte das Medium des Scherenschnitts für sich. Hierfür zerschnitt er monochrom eingefärbte Papierbögen und schob die ausgeschnittenen Formen so lange hin und her, bis ihm die Komposition zusagte. Die Bilder, die hierbei entstanden, strotzen vor Spontanität, Farbe und bilden das letzte Kapitel von Matisses Schaffens. Mit dem Scherenschnitt fand er endlich das, wonach er gesucht hatte: Die Einfachheit der Form. Die Londoner Tate Modern zeigt ab dem 17. April 150 von Matisses Scherenschnitten.

Tate Modern, London, 17. April bis 7. September 2014

Mapping Spaces. Netzwerke des Wissens in der Landschaftsmalerei des 17. Jahrhunderts (Karlsruhe)

Die Welt ist von einem Netzwerk von rund 30 GPS-Satelliten umspannt – so können jederzeit nicht nur detailgetreue Landschaftsaufnahmen gemacht, sondern auch Karten erstellt werden, die bis auf wenige Zentimeter genau sind. Wie jedoch wurde die Landschaft vermessen und dokumentiert, bevor es Satellitensysteme gab? Bereits im 17. Jahrhundert gab es hierfür Netzwerke des Wissens: Geodäten, Mathematiker, Instrumentenbauer und auch Maler schlossen sich zusammen, um maßstabsgerechte Landschaftsdarstellungen zu ermöglichen. Mit "Mapping Spaces" zeigt das Karlsruher Museum für Neue Kunst, wie dieses Netzwerk die niederländische Landschaftsmalerei des 17. Jahrhunderts verändert hat. Unter den 220 Exponaten befinden sich neben Gemälden auch Messinstrumente, Zeichengeräte, Bücher, Karten und Globen.

ZKM Karlsruhe, Museum für Neue Kunst, 12. April bis 13. Juli 2014

Unter der Erde. Von Kafka bis Kippenberger (Düsseldorf)

Die Unterwelt, ob als Utopie eines unterirdischen Lebensraums oder Dystopie der Hölle, wurde Ende des 19. Jahrhunderts zum Thema vieler literarischer Werke. Später fand das Unterirdische auch zunehmend Einzug in künstlerische Arbeiten. Mit der Ausstellung "Unter der Erde" zeigt die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen ab dem 5. April, wie Künstler bis heute die Welt unter der Erde, einen Ort, der sowohl für Schutz als auch Gefahr stehen kann, verarbeiten. Zeichnungen, Skulpturen, Objekte und begehbare Installationen sollen das Thema erfahrbar machen – eine Reise durch Eingänge und Übergänge, Bunker, das menschliche Bewusstsein, fiktive und reale Räume. Unter den teilnehmenden Künstlern sind Martin Kippenberger, Gregor Schneider, Jeff Wall, Christoph Büchel und Peter Fischli.

Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Standort K21 Ständehaus, Düsseldorf, 5. April bis 10. August 2014, die Ausstellung ist Teil der Quadriennale Düsseldorf 2014

Alibis: Sigmar Polke 1963 – 2010 (New York)

Mit "Alibis" bekommt der deutsche Maler und Fotograf Sigmar Polker (1941 bis 2010) seine erste umfassende Ausstellung. Das New Yorker MoMA zeigt über 300 Arbeiten aus allen seinen künstlerischen Disziplinen: Malerei, Fotografie, Film, Zeichnen, Druck und Skulptur. Gemeinsam mit Gerhard Richter und Konrad Fischer gründete Polke in den sechziger Jahren die Vereinigung "Kapitalistischer Realismus" – das ironische Gegenstück zum "Sozialistischen Realismus." Die drei Künstler, damals Studenten an der Düsseldorfer Kunstakademie, produzierten unter dem Titel Werke, die das Gesellschaftssystem des Kapitalismus als konsumorientiert und oberflächlich entblößten.

Museum of Modern Art, New York, 19. April bis 3. August 2014

Marsden Hartley – Die deutschen Bilder 1913 – 1915 (Berlin)

Der US-amerikanische Künstler Marsden Hartley (1877 bis 1943) zählt in den USA zu den berühmtesten Malern der Moderne, in Deutschland ist er hingegen nahezu unbekannt. Dabei lebte er von 1913 bis 1915 in Europa und malte seine markantesten Werke in Berlin, wo er im Kreis der Sturm-Galerie von Herwarth Waldens verkehrte. Die Neue Nationalgalerie zeigt ab dem 5. April ebendiese Werke – mit ihrer Fülle an leuchtenden Farben und abstrakten Elementen bilden sie dichte Erzählungen. Die Motive der Berliner Werke Hartleys sind geprägt vom Ersten Weltkrieg. Motive wie Flaggen, Standarten, militärische Insignien und das Eiserne Kreuz tauchen in ihnen immer wieder auf, so zum Beispiel im "Bildnis eines deutschen Offiziers", für das er seinen Freund, den preußischen Offizier Karl von Freybourg, auf abstrakte Art porträtierte.

Neue Nationalgalerie, Berlin, 5. April bis 29. Juni 2014

Kandinsky, Malewitsch, Mondrian – Der weiße Abgrund der Unendlichkeit (Düsseldorf)

Werke der drei Zeitgenossen Kasimir Malewitsch (1879 bis 1935), Piet Mondrian (1872 bis 1944) und Wassily Kandinsky (1866 bis 1944) fanden bereits mehrmals den Weg in die gleichen Ausstellungsräume. Die drei Avantgarde-Pioniere gehören zu einer Kunstbewegung, die sich Anfang des 20. Jahrhunderts von der Abbildung der Realität in der Kunst verabschiedete. Die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen versammelt ab dem 5. April einige der Hauptwerke von Malewitsch, Mondrian und Kandinsky unter einem ganz neuen Aspekt: der Farbe Weiß. Denn diese spielt bei allen dreien eine wichtige Rolle: Für Malewitsch bildete sie den Hintergrund, das Nichts und die Leere, für Kandinsky symbolisierte sie eine Welt, in der alle Farben verschwunden sind, und für Mondrian war sie Teil seiner Suche nach der universellen Harmonie.

Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Standort K20 Grabbeplatz, Düsseldorf, 5. April bis 6. Juli 2014, die Ausstellung ist Teil der Quadriennale Düsseldorf 2014