Radar

Marius Babias

Marius Babias über Silke Wagner
Silke Wagner, "When Saturday Comes", 2006, Nürnberg (Courtesy Galerie Wilma Tolksdorf Frankfurt / Berlin)

MARIUS BABIAS ÜBER SILKE WAGNER

Für unsere Serie "Radar" fragen wir jede Woche Sammler, Kuratoren, Galeristen, Dozenten und Kritiker nach ihrem aktuellen Lieblingskünstler. Diesmal: Marius Babias, 46, Kurator, Autor und Direktor des Neuen Berliner Kunstvereins, über die deutsche Künstlerin Silke Wagner.
// MARIUS BABIAS

Meine erste Ausstellung als Direktor des Neuen Berliner Kunstvereins im Sommer 2008 ist die der Künstlerin Silke Wagner (Jahrgang 1968), die die Ausstellungs- und Nutzungsräume in neuer Struktur präsentiert. Es sollen dauerhaft flexible Nutzungszonen entstehen, die sowohl die Grundversorgung mit Ausstellungen sicherstellen, als auch Aspekte der Kunstvermittlung und der öffentlichen Nutzung aktivieren sollen.

Silke Wagner arbeitet in und mit der Öffentlichkeit: Wagners Arbeiten erschließen einen neuen Bereich jenseits der angestammten künstlerischen Medien und Aktionsfelder, sie schaffen Angebote für Kommunikation und Interaktion und schließen die Kunst an gesellschaftliche Entwicklungen an. Wagner stellte unter anderem im Kunstmuseum Wolfsburg aus und nahm an "Skulptur Projekten Münster 2007" teil. Die Künstlerin wird von der Galerie Wilma Tolksdorf (Frankfurt/Main und Berlin) vertreten. Das umfangreiche Projekt im Neuen Berliner Kunstverein ist Silke Wagners erste umfassende Einzelpräsentation in einer deutschen Institution.

Ich verfolge Silke Wagners Werdegang seit mehr als zehn Jahren. Von 1997 bis 2000 unterrichtete ich als Gastprofessor an der Frankfurter Städelschule, wo Silke Wagner bei Professor Bayerle studierte. Sie besuchte regelmäßig meine Seminare und Sprechstunden. Seitdem lud ich sie zu einigen Ausstellungen ein, unter anderem im Salzburger Kunstverein (2001), in der Generali Foundation Wien (2005) und im Centre Culturel Suisse Paris (2007). Die bislang umfangreichste Zusammenarbeit ergab sich 2001 in der Kokerei Zollverein | Zeitgenössische Kunst und Kritik in Essen, die ich gemeinsam mit Florian Waldvogel von 2001 bis 2003 leitete.

Silke Wagners Bürgersteig-Projekt für die Kokerei Zollverein war Teil eines Projekts, das die Künstlerin an weiteren Orten realisiert hatte. Sie erwarb einen Kleinbus, den sie antifaschistischen und antirassistischen Gruppen vor Ort zur Verfügung stellte. Die Kontaktaufnahme und die gemeinsame Diskussion über die Verwendung des Wagens wurden Teil des künstlerischen Prozesses. Gemeinsam mit der Künstlerin wurden eine Dokumentationsausstellung sowie eine Reihe von Aktionen und Vorträgen in der Innenstadt Essens und in der Kokerei Zollverein entwickelt und durchgeführt. Bürgersteig ist die wohl meistzitierte "politische" Arbeit in Deutschland der letzten Jahre und gilt als stilbildend.

Mit der Ausstellung im Neuen Berliner Kunstverein vom Juli bis August 2008 rückt Silke Wagner entscheidend nach vorne als eine der substanziellsten Vertreterinnen ihrer Generation.

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