Richard Serra - Kunsthaus Bregenz

Schwarz ist eine Eigenart

Während im Pariser Grand Palais die gewaltigen, tonnenschweren Stahlgiganten des Amerikaners Richard Serra das Publikum begeistern, zeigt das Kunsthaus im österreichischen Bregenz den Bildhauer von einer ganz anderen, intimeren Seite: "Drawings – Work Comes Out of Work" heißt der nicht eben griffige Titel einer sinnlichen Ausstellung, die ihn als Zeichner vorstellt.

In einer "historisch einmaligen Ausstellung", wie das Kunsthaus stolz für sich reklamiert, werden 60 überwiegend großformatige Zeichnungen Serras gezeigt – zentrale Werkgruppen aus Privatsammlungen und Museen in Europa und den USA sowie von Serra speziell für die Ausstellung in Bregenz produzierte Arbeiten.

Es sind insgesamt sechs Werkgruppen aus fast 20 Jahren, ausgestellt auf vier Stockwerken. Dazu gehören die großformatigen "Diptychs" von 1989 und die Serie "Weight and Measure" von 1994, die Serien "Rounds" aus den Jahren 1996/97 und "out-of-rounds" von 1999, sowie die neuen Arbeiten "Solids" (2007/08) und "Forged Drawing" (2008).

Die Blätter erinnern an die Arbeiten mit dunklem Blei und schwarzem Gummi, mit denen Serra seit den sechziger Jahren experimentiert hat, denn auch in seinen Zeichnungen, in denen er verschiedene Techniken anwendet, ist die vorherrschende Grundfarbe Schwarz. "Schwarz ist eine Eigenart, keine Eigenschaft. Als Gewicht verstanden, ist Schwarz schwerer, schafft ein größeres Volumen und lässt sich in einem Feld auf die Fläche komprimieren. Es ist mit Schmieden vergleichbar", sagt der Künstler dazu.

Richard Serras Zeichenmaterial ist der so genannte Paintstick, eine wachsartige Ölkreide, die in feste Stiftform gepresst ist. Serra schmilzt mehrere Stifte zu großen Pigmentklötzen zusammen, was ihm den großflächigen, dichten Auftrag des Materials ermöglicht. Er trägt die für das Zeichnen erwärmte oder geschmolzene Farbe entweder direkt mit großen Armbewegungen auf das Papier auf oder benutzt als Zwischenträger ein Fliegengitter, durch das er die Farbe streicht.

Bei den neuesten Arbeiten geht er noch weiter. "Die geschmolzenen Paintsticks werden auf eine harte Oberfläche am Boden gegossen. Manchmal, aber nicht immer, kommt ein Stück Fenstergitter auf die flüssige Paintstickmasse", beschreibt Serra dieses Verfahren. "Das Papier wird entweder auf das Gitter oder direkt auf die flüssige Masse gelegt. Die Vorderseite des Papiers nimmt die Markierung auf. Ich sehe die Zeichnung erst, wenn das Papier vom Boden abgezogen und umgedreht oder das Gitter abgehoben wird."

"Drawings – Work Comes Out of Work"

Termin: 14. Juni bis 14. September, Kunsthaus Bregenz. Katalog: 58 Euro
http://www.kunsthaus-bregenz.at/