Body and Soul - MKG Hamburg

Mit Leib und Seele

Nach dem Umbau meldet sich das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe mit der Ausstellung "Body and Soul" zurück. In den neuen Räumen finden Exponate zu Menschenbildern verschiedener Kulturen aus den letzten vier Jahrtausenden Platz.
Menschenbilder aus vier Jahrtausenden:"Body and Soul" im MKG Hamburg

Blick in die Ausstellung "Body and Soul" im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe

Wie zwei Musen stehen sie da. Mit schlanken kantigen Körpern, expressiven Gesten und einer erotischen Aura. Einst als Plastiken für den Eingang einer Nervenheilanstalt konzipiert, empfangen die zwei überlebensgroßen Frauenakte von Richard Luksch nun die Besucher im renovierten Ostflügel des Hamburger Museums für Kunst und Gewerbe (MKG).

Sie bilden den Anfang des Rundgangs zur Ausstellung "Body and Soul" und versinnbildlichen den Frauentyp der Neuzeit, der vielmehr die seelischen und körperlichen Spannungen zum Ausdruck bringt, statt rein idealisierter Schönheit. Und damit ist man schon direkt bei der Thematik der Ausstellung: Was ist der Mensch? Was macht den Menschen aus? Was treibt ihn an?

Das Hamburger MKG versucht diese Fragen mit Hilfe seiner reichen Kunstsammlung spielerisch zu beantworten und den Besucher auf eine Zeitreise in die letzten 4000 Jahre zu entführen. Unter dem lockeren Titel "Body and Soul" steckt die Idee, den Bestand des Museums gesammelt zu zeigen und den Besuchern Lust auf künftige Besuche im MKG zu machen. Dies mag durch das renovierte und eindrucksvolle Foyer auch gelingen. Dafür, dass die Ausstellung aber als Gesamtüberblick der letzten vier Jahrtausende verschiedenster Kulturen angepriesen wird, enttäuscht sie und ist durch die wenigen Exponate und den kleinen Ausstellungsraum doch eher überschaubar. Die Werke sind den chronologischen und nach Kulturkreisen geordneten Sammlungen des MKG entnommen und fügen sich neu zu einem thematischen Parcours rund um das Bild des Menschen zusammen. Aus den Sammlungen Antike, China, Islam, europäisches Handwerk, Grafik, Fotografie und Mode zeigen die Exponate Kunst nicht nur in ihrer klassischen Form, sondern vielmehr auch in ihrem Eindringen in die Alltäglichkeit des Lebens – als kunstvolle Gebrauchsgegenstände und Zierobjekte.

"Die drei Grazien" vs. "Three Dahomey Girls"

Die zirka 100 Exponate sind unter acht Hauptthemen zusammengefasst: Geburt, Leidenschaft, Schönheit, Spiel, Kampf, Individualität, Verehrung und Tod. Oft sind die Grenzen nicht klar zu ziehen, vielmehr durchdringt der eine Bereich den anderen, was auch an der offenen Anordnung in der Ausstellung deutlich wird.

Das Menschsein beginnt mit der Geburt und die Menschheit mit Adam und Eva. "Wenn Eva nicht nach dem verbotenen Apfel gegriffen hätte, müssten wir heute nicht um unser Leben kämpfen, keine Ängste leiden, aber wir könnten nicht spielen, unsere Götter nicht verehren und nicht trauern um unsere Vorfahren", lautet ein Ausschnitt aus dem Pressetext des Museums. Durch die Geburt beginnt der endliche Kreislauf von Leben und Tod. Der Wunsch nach Kindern, das weibliche Fruchtbarkeitssymbol sowie der Mutter-Kind-Topos sind in allen Kulturen verankert und künstlerisch dokumentiert; ebenso wie die Leidenschaft als unbezwingbarer Trieb und die Schönheit. Als sehr abstrakter und subjektiver Begriff galt die Schönheit in vielen Kulturen über lange Zeit hinweg als rein körperlicher Aspekt, in der Moderne hat sich dieses Bild gewandelt. Was heute interessiert, ist unabhängig von der äußeren Gestalt. Ins Zentrum rückt der Geist und die Seele des Menschen, seine innere Schönheit. Das immer wieder kehrende Bild der drei Grazien in anmutiger Haltung gilt als Inbegriff der weiblichen Wohlgestalt: "Die drei Grazien" nach antikem Vorbild von Christian Gottfried Jüchtzer aus feinstem Biskuitporzellan aus dem Jahr 1785 stehen im Ausstellungsraum den "Three Dahomey Girls" von Irving Penn gegenüber. Statt der makellosen reinen Oberfläche des Porzellans sind die Dahomey Girls in der Fotografie bewusst samt ihrer vernarbten Haut und der traditionellen Tätowierung dargestellt.
Die Abteilungen Spiel und Kampf gehen ineinander über, beide Elemente sind allen Völkern und Zeiten immanent. Über die kunstvolle Auseinandersetzung mit Individualität und die Verehrung von politischen und religiösen Idolen gelangt man am Ende, dem Tod, an. Jeder Tod birgt die Idee eines Fortlebens in sich und die unterschiedlichen Kulturen gehen auf vielfache Weise damit um. Damit schließt sich nicht nur der Lebenskreis, sondern ebenso der Ausstellungsrundgang.

"Diese Sammelausstellung passt gut zu uns"

Man kehrt zurück zu den überdimensionalen Frauenleibern am Eingang, dort, wo sich das Christuskind als Symbol der Geburt mit Osiris, dem Herrscher des Totenreichs, kreuzt und vereint. Die acht abgehandelten Themen des Menschseins sind sicher nicht vollständig und lassen relevante Aspekte wie Familie oder Arbeit außen vor. Die Kuratorin hat versucht, "das Ernste wie das Kreative des Menschen" herauszustellen und ist stolz auf das, was sie in Zusammenarbeit mit den anderen Kuratoren geschaffen hat: "Diese Sammelausstellung passt gut zu uns".

"Body and Soul" soll auch jene Besucher ansprechen, die nicht so viel mit Kunst anfangen können. "Man muss sich nicht alles haargenau angucken. Bei solchen Ausstellungen ist es das Schöne, dass man als Besucher mitdenkt. Es gibt keine gültige Interpretation, für die ich fünf Jahre studiert haben muss", erklärt Schulze. Und Recht hat sie. Statt der Überflutung mit kunst- und kulturgeschichtlichen Fakten ist der Rundgang vielmehr ein unterhaltsames Erlebnis, eine Spurensuche und Entdeckungsreise von Gemeinsamkeiten und Unterschieden in der Auffassung von Körper und Seele. Aber auch nicht mehr.

"Body and Soul. Menschenbilder aus vier Jahrtausenden"

Termin: bis 19. September, Museum für Kunst und Gewerbe, Hamburg. Katalog: 20 Euro
http://www.mkg-hamburg.de/mkg.php/de/sonderausstellungen/aktuell/detail/~S658/