Sammlung Rausch - Ausstellung

Aus Hartmuts Hobbystube

Der Portikus zeigt die Kunstsammlung des Ehepaares Rausch, die Hausmeister an der Frankfurter Städelschule sind
Der Portikus zeigt,:was der Hausmeister der Städelschule gesammelt hat

Leben mit und für Kunst: Hartmut und Helga Rausch in ihrer Wohnung

Es war am Tag vor Heiligabend. Hartmut Rausch war mit den Jungs unterwegs auf ein Bier. Er sei um zehn zurück, hatte der Hausmeister der Frankfurter Städelschule seiner Frau Helga versprochen. Als Hartmut Rausch im Morgengrauen schließlich nach Hause kam, hatte er einen Endschuldigungsbrief in der Tasche: „Liebe Helga, Hartmut wollte eigentlich nach Hause, aber wir haben ihn überredet, naja, du weißt ja wie das ist, es tut uns ein bisschen leid.“

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Strecken Teaser

Offensichtlich war man nicht mehr ganz nüchtern. Unterschrieben ist der Zettel von damaligen Städelschülern wie Sergej Jensen oder Martin Neumaier und „Elli“, dem Hund von Kasper König, damals Rektor der Kunsthochschule.
Seit vielen Jahren hängt der Zettel gerahmt im Flur der Hausmeisterwohnung, und man könnte ihn leicht übersehen zwischen den mehr als 350 Kunstwerken, die sich hier in den vergangenen 14 Jahren angesammelt haben. Ein hölzerner Teddybär von Thomas Zipp ist darunter und eine Baseballkappe von Paul McCarthy. Eine Fotoarbeit von Wolfgang Tillmans oder eine Pappskulptur von Michaela Meise. Georg Herold versah sein Plakat mit der Aufschrift: „Geld spielt keine Rolle – nur der Rausch zählt.“

Die Geschenke von Studenten und Professoren der Städelschule, die hier dicht an dicht an den Wänden hängen oder auf Sideboards und Fensterbänken stehen, sind jetzt erstmals komplett in einer Ausstellung im Frankfurter Portikus zu besichtigen. Alle sind eine Art Liebeserklärung und ein Stück komprimierter Geschichte der Kunstakademie, eine Sammlung, die voller Anekdoten steckt: „Mit Jason Rhoades waren wir mal beim Karaoke“, erzählt Helga Rausch. Dabei interessierten sich Rauschs, die einen Campingplatz geleitet hatten, ursprünglich gar nicht für Kunst. Auch das Hausmeisterbüro in der Schule, deutlich gekennzeichnet mit der Aufschrift „Hartmuts Hobbystube“, quillt schier über vor Kunstwerken, die sich zwischen Drucker, Telefonen, Topfpflanzen und zwei Wellensittichen drängeln. Fragt man Rausch nach seinen Lieblingsstücken, reißt er die Hände in die Luft und ruft: „Alles!“ Nur zögernd gibt er zu, dass ihm die Stücke der „alten Garde“, wie er sie nennt, doch die liebsten sind: Sebastian Stöhrer, Stefan Wieland, Thomas Zipp, Thilo Heinzmann und nicht zu vergessen die Jungs, die ihm damals den Brief für Helga mitgaben.

Hartmut Rausch ist der Mann für alle Fälle: geradlinig, zupackend, herzlich. Einer, der sich auch von Berühmtheiten wie Martin Kippenberger nicht einschüchtern ließ und sich so bei den Studenten Respekt verschaffte. Es war stets ein etwas seltsames Bild, wenn der Mann mit der Bata-Illic-Frisur, dem goldenen Sternzeichenkettchen (Löwe) und den unvermeidlichen HB-Zigaretten nach Feierabend zwischen trend- und stilbewussten jungen Kunststudenten saß, lauthals mitdiskutierte und jeden Einzelnen zum Abschied drückte. Als Rausch vor vier Jahren seinen 60. Geburtstag mit mehr als 100 Studenten und weltberühmten Künstlern feierte, trugen alle Gäste ein Fan-T-Shirt mit der Aufschrift „Rausch“.

Inzwischen habe sich die Situation verändert, erzählt Rausch ein wenig melancholisch, die jungen Städelschüler seien eher reserviert. Umso verbundener fühlen sich die Rauschs den alten Gefährten, besuchen Thomas Bayrle zum Kaffeetrinken oder fahren zur Einweihung des Hermann-Nitsch-Museums. Ende August wird Hartmut Rausch ein letztes Mal zusammen mit seinen Lieblingskünstlern seine legendäre „Golden Rausch Bar“ auf dem Frankfurter Museumsuferfest betreiben, mit der er in diesem Jahr sogar auf der „Art Basel“ eingeladen war. Wie immer wird es Bier vom Fass und Countrysongs vom Band geben, und wie immer wird Hartmut Rausch in Cowboyhut und Westernhemd gut gelaunt hinterm Tresen erscheinen. Nächstes Jahr um dieselbe Zeit ist er schon im Ruhestand.

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