Shepard Fairey - New York

Mayday in New York

Großer Besucheransturm bei der Eröffnung der Ausstellung "May Day" von Shepard Fairey. Es war zugleich der letzte große Auftritt des Galeristen Jeffrey Deitch in New York, da er als Direktor des Museum of Contemporary Art nach Los Angeles geht.
Mayday in New York:Shepard Fairey

Shepard Fairey: "Vielleicht können wir Veränderungen bewirken wie die Leute in den Porträts."

Bei Street Artist Shepard Fairey handelt es sich nicht gerade um einen Künstler, der großartige Promotion braucht, sollte man meinen. Schließlich steckt er hinter dem ikonenhaften "Hope"-Poster, das Präsident Barak Obama 2008 erfolgreich bei seiner Wahlkampagne eingesetzt hatte.

Das Institute of Contemporary Art in Boston widmete Fairey 2009 eine große Ausstellung. Und durch den Rechtstreit mit der Nachrichtenagentur Associated Press um den Gebrauch des Porträts von Obama ist der Künstler permanent in den Medien. Doch New-York-Gäste, die sich während Faireys Ausstellung im "Ace Hotel" einquartierten, bekamen einen eigenwilligen Package-Deal angeboten: Dazu gehörten ein T-Shirt mit dem Ausstellungstitel "May Day", ein signierter Print und Tickets für den Besuch der Opening-Party.

Den Aufwand hätte man sich sparen können. Die Ausstellung war allein deshalb schon ein Spektakel, weil es sich um den letzten Auftritt des schillernden Galeristen Jeffrey Deitch in New York handelte, bevor er seine Galerie Deitch Projects schließt, um als Direktor des Museum of Contemporary Art nach Los Angeles weiterzuziehen. Deitch im blass rosafarbenen Anzug ließ sich nicht weiter vom Trubel irritieren und plauderte mit prominenten Gästen wie Salman Rushdie oder Schauspieler Adrien Brody. Währenddessen fuhren die Biker draußen vor der Galerie mit ihren aufgemotzten Maschinen vor. Die Besucher standen bis zum nächsten Block Schlange, um einen Blick auf Faireys neue Arbeiten werfen zu dürfen und die ganze Szene vor der Tür erinnerte an eine große Block-Party. Der Künstler selbst war von Kamerateams umringt wie ein Rockstar.

"Wenn wir leise bleiben, gibt es keine Hoffnung."

Mit der Ausstellung "May Day", für die Jean Michel Basquiat als Poster-Boy dient, nahm sich Fairey den Feiertag des 1. Mai vor – und die Tatsache, dass Menschen in vielen Ländern am Tag der Arbeit zu politischen Demonstrationen auflaufen und sich Straßenkämpfe liefern. Natürlich ist "Mayday" außerdem das internationale Notrufsignal im Sprechfunk. Shepard porträtierte für seine Show Musiker, Künstler und politische Aktivisten, die er für ihr Engagement bewundert. Darunter Debbie Harry, der Dalai Lama, Keith Haring, Jasper Johns, Robert Rauschenberg, Yoko Ono und John Lennon oder Bob Dylon. Weil sie auf ihre Weise "revolutionär waren und sich am Rande der Kultur bewegten, um den Mainstream zu verändern", so Fairey.

Seine in Rot und Schwarz gehaltenen Bilder, auf denen er neben den Porträts mit seinem "Obey"-Aufruf ("Gehorche"), der amerikanischen Flagge oder mit dem Motiv der Tankstelle spielte, haben die gleiche plakative Kraft wie schon sein Obama-Poster. Neben der Ausstellung werden bis zum 16. Mai in einem Pop-Up-Store auf der Orchard Street in der Lower East Side Klamotten und Plakate von Faireys Hausmarke "Obey" verkauft. Außerdem haben der geschäftstüchtige Fairey und sein Team die Stadt um ein paar Wandmalereien reicher gemacht. Darunter ein Mayday-Bild mit kommunistischen Propaganda-Motiven auf der Houston Street. Ärger gab es mit der Arbeit gleich von zwei Seiten: Erst bearbeiteten andere Street Artists die Wandmalerei. Dann griff die Stadtverwaltung ein, weil anscheinend niemand eine Genehmigung für die öffentliche Arbeit eingeholt hat.

"Wenn wir leise bleiben, gibt es keine Hoffnung", hat Shepard Fairey anlässlich der Ausstellung erklärt. Denn die Post-Bush-Revolution sei leider bislang nicht wie ersehnt eingetreten. "Aber wenn wir für Lärm sorgen und unsere Idee öffentlich machen, dann können wir vielleicht Veränderungen bewirken wie die Leute in den Porträts."

"May Day"

Termin: bis 29. Mai, Deitch Projects, New York .
http://www.deitch.com/projects/index.php
info@deitch.com