Freisteller - Deutsche Guggenheim

Nachwuchskünstler im Guggenheim-Museum

Das Deutsche Guggenheim in Berlin präsentiert die aktuellen Villa-Romana-Preisträger: Die vier jungen Künstler Dani Gal, Julia Schmidt, Asli Sungu und Clemens von Wedemeyer zeigen neue Bilder, Installationen und Videos, die im Rahmen ihres zehnmonatigen Stipendiums in dem Florentiner Künstlerhaus entstanden sind.
Nachwuchs im Guggenheim-Museum:Villa-Romana-Preisträger zeigen neue Arbeiten

Clemens von Wedemeyer / Maya Schweizer, "Metropolis, Report from China, 2004/07", Videostill

Egal was man tut – es gibt immer Leute, die es besser wissen. Diesen Umstand machte sich die Berliner Künstlerin Asli Sungu zunutze und lud "Spezialisten" dazu ein, ihr bei alltäglichen Verrichtungen, wie der Zubereitung eines Salates, dem Bügeln der Wäsche oder dem Putzen der Fenster beziehungsweise der Zähne beizuwohnen.

Dabei entstanden vier Videos, die die junge Künstlerin bei diesen Routinebeschäftigungen zeigen, begleitet durch mehr oder minder freundlich formulierte Ratschläge aus dem Off. Während hier eine sanfte Männerstimme Sungu dazu anhält, die "Zellstruktur" des Knoblauchs wegen der "ätherischen Öle" zu schonen, und ihn mit einer breiten Messerklinge lieber zu zerdrücken als zu schneiden, unterbindet dort eine ruppige Frauenstimme den Versuch, die Fenster mit Zeitungspapier nachzupolieren – das sei einfach "keine gute Idee".

Auf sehr anschauliche Weise demonstriert die Künstlerin, wie die stetige Verfeinerung in der Gegenwart selbst vor den einfachsten Dingen nicht halt macht: zeig mir, wie du deine Zähne putzt, und ich sage dir dass Du das seit 30 Jahren nicht richtig tust und obendrein endlich eine elektrische Zahnbürste brauchst! Der Grat zwischen unnützem oder grundlegendem Wissen für die Meisterung der eigenen Existenz – so suggerieren die Videos – ist dabei sehr schmal.

Die Videoinstallation mit dem Titel "Faulty" (2008) ist derzeit in der Gruppenausstellung "Freisteller" in der Berliner Guggenheim-Dependance zu sehen. Erstmals werden hier die aktuellen Stipendiaten des deutschen Künstlerhauses Villa Romana in Florenz präsentiert – neben Sungu gehören die Leipziger Malerin Julia Schmidt, der Berliner
Filmemacher Clemens von Wedemeyer und der aus Israel stammende, ebenfalls in Berlin lebende Konzeptkünstler Dani Gal zum diesjährigen Durchgang, die im Februar ihre Ateliers in der in den Hügeln von Florenz gelegenen Villa bezogen haben. Die Einrichtung des Stipendiums im Jahre 1905 macht das Programm zum ältesten deutschen Künstlerstipendium seiner Art, die Initiative geht auf den Leipziger Bildhauer und Maler Max Klinger zurück. In den vergangenen zwei Jahren wurde das Traditionshaus, welches schon Käthe Kollwitz und Max Beckmann beherbergte, einer konsequenten Verjüngungskur unterzogen: Im vergangenen September konnte die neue Leiterin Angelika Stepken das Gebäude nach einer gründlichen Sanierung wiedereröffnen.

Geschicktes Verwirrspiel mit Vorder- und Hintergründen

Mit der von Stepken kuratierten Ausstellung in der Berliner Guggenheim-Filiale wird nun die Arbeit der Stipendiaten einer erhöhten Aufmerksamkeit ausgesetzt. Dies dürfte sowohl der Deutschen Bank, die neben dem Bund zu den Romana-Hauptförderen zählt, als auch dem Künstlerhaus selbst sehr recht sein, können doch beide ihr Profil als Förderer junger und vielversprechender Künstler schärfen. Fast mustergültig sind in der überschaubaren Ausstellungshalle Unter den Linden die verschiedenen Medien zeitgenössischer Kunstproduktion versammelt.

Dani Gal etwa bespielt den akustischen Raum mit einer aus zwei Schallplattenspielern bestehenden Soundinstallation, welche die A- und B-Seite einer Vinylplatte mit historischen Aufnahmen von großen Architekten der Moderne wie Eero Saarinen, Ludwig Mies van der Rohe oder Richard Neutra zu Gehör bringt. Durch Sensoren verändert sich jedoch die Geschwindigkeit der Plattenspieler und die Lautstärke der Tonwiedergabe so, dass für die Besucher lediglich Wortfetzen zu vernehmen sind. Ähnlich wie die mäandernden Stimmen im Raum verweigern sich auch die Bilder der Leipziger Malerin Julia Schmidt einer einfachen Wahrnehmung. Durch geschicktes Verwirrspiel mit Vorder- und Hintergründen, dem Verwischen der Konturen und dem Zerlegen der Bildteile wie bei einem Puzzle bekommt ihre Malerei etwas Schleierhaftes. Leider beeinträchtigt die spröde Gesamtpräsentation die Strahlkraft der einzelnen Kunstwerke etwas.

Einzig die Videoprojektion "Die Probe" (2008) von Clemens von Wedemeyer kann sich in einer Blackbox an der hinteren Stirnseite der Halle wirklich entfalten: Hinter der Bühne einer Wahlkampfarena probt ein gerade gewählter Politiker den Machtverzicht. Bleibt zu hoffen, dass sich mit "Freisteller" eine alljährliche Villa-Romana-Präsentation in der Haupstatdt etablieren lässt.

"Freisteller. Villa Romana-Preisträger 2008"

Termin: bis 22. Juni, Deutsche Guggenheim, Berlin.
http://www.deutsche-guggenheim.de/d/ausstellungen-freisteller01.php

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