Top 10 im Mai - Ausstellungstipps

Die zehn Kunst-Höhepunkte im Mai

art präsentiert Ihnen die zehn großen Kunst-Höhepunkte des Monats Mai. Diesmal mit David Bowie, Gerhard Richter, Alex Katz, Hannovers Royals, der Berliner Biennale, Erwin Wurm, Ernst Ludwig Kirchner, Gisèle Freund, Haim Steinbach und einer Hommage an die Darmstädter Künstlerkolonie
Ausstellungs-Höhepunkte im Mai:Die zehn großen Kunst-Höhepunkte des Monats

Ein lebendes Kunstwerk wurde zum Weltstar: Masayoshi Sukita zeigt "David Bowie", 1973

David Bowie (Berlin)

Was braucht man, um ein Weltstar zu werden?

Richtig: Eine gehörige Portion musikalisches Talent, ein wenig Selbstverliebtheit, eine Brise Exzentrik und jede Menge Kreativität. Lady Gaga hat's, David Bowie hat's vorgemacht!

Nun zeigt eine multimediale Retrospektive über David Bowie, die bereits als erfolgreichste Ausstellung des Victoria and Albert Museum in London Premiere feierte, in Berlin die visionäre Kraft eines der einflussreichsten Künstler der Musikgeschichte. Neben den exzentrischen Klangwelten des Trash-Pops, kann sich der Besucher auf ein buntes Spektrum der Kunst einstellen, das die Grenzen zwischen Genre, Gender, Realität und Fiktion verwischt. Rund 300 Exponate, darunter handschriftliche Texte und Zeichnungen Bowies, Originalkostüme, Fotografien, Filme, Musikvideos und Instrumente des Musikers, demonstrieren das interdisziplinäre Wechselspiel zwischen den verschiedenen Ausdrucksformen von Kunst. Die Ausstellung wirft dabei einen besonderen Blick auf Bowies Berliner Schaffensphase von 1976 bis 1978. Hier kam der Popkünstler mit den expressiven Werken der Brücke-Künstler in Kontakt, die ihn zu radikalen und äußerst avantgardistischen Persönlichkeitsentwürfen inspirierten. Jene fanden nicht nur in seiner Musik, sondern vor allem in zukunftsträchtigen Mode- und Designentwürfen ihren Ausdruck.

Martin-Gropius-Bau, Berlin, 20. Mai bis 10. August

Gerhard Richter (Basel / Riehen)

"Das ist so ein Traum von mir – dass die Bilder zum Umfeld werden, selbst Architektur werden." Dieses Zitat stammt von dem wohl bekanntesten deutschen Künstler der Gegenwart: Gerhard Richter. Mal als fotorealistisch, mal als abstrakt, aber vor allem als eines kann man das Oeuvre des gebürtigen Dresdners bezeichnen: als stilistisch und thematisch vielfältig.

In einer Überblicksschau mit Arbeiten aus allen Schaffensperioden macht die Schweizer Fondation Beyeler nun Richters selbstformulierte Traumvorstellung, das Wechselverhältnis von einzelnem Bild, Werkgruppe und Präsentationsraum, zum roten Faden der Ausstellung. In drei thematischen Gruppen wird die Bedeutung von Serie, Zyklus und Raum beleuchtet. Neben Richters fotorealistischem Zyklus "18. Otober 1977" (1988), der unter Verweis auf die Rote Armee Fraktion einen Bezug zur deutschen Geschichte herstellt, sind unter anderem seine Serie "Verkündigung nach Tizian" (1973) und sein abstraktes Gemäldeensemble "Cage" (2006) zu sehen. Bei Richter bewegt sich der Betrachter nicht nur von Werk zu Werk, sondern von Raum zu Raum. Wer Näheres erfahren möchte, dem sei, neben einem Besuch der Ausstellung, die art-Sonderausgabe zu Richters Retrospektive empfohlen, die am 16. Mai erscheint.

Fondation Beyeler, Basel / Riehen, 18. Mai bis 7. September

Alex Katz – Zeichnungen, Kartons, Gemälde (Wien)

Ganz schön "cool" kommt Alex Katz daher und das gleich im doppelten Sinne: Mit seinen großformatigen monochromen Porträts zeigt der US-amerikanische Künstler ikonengleich, aber dennoch überraschend leidenschaftslos Motive aus dem Leben der New Yorker gut situierten Freizeitgesellschaft. Die überlebensgroßen Brustbilder und Köpfe sind vereinfacht, fast schablonenartig gestaltet, der Gesichtsausdruck der dargestellten Personen aus das Wesentlichste reduziert. "Finished Drawings" werden die flächenhaften Kompositionen im Stile der Pop-Art genannt und stehen in der sogenannten "selbstreflexiven" Maltradition, für die das Zusammenspiel von Rationalität, Sinnlichkeit und Abstraktion kennzeichnend ist.

Mit 60 Werken präsentiert eine Wiener Ausstellung nun Zeichnungen, Kartons sowie eine Auswahl an Gemälden von Alex Katz. Neben seinen berühmten Porträts, führen U-Bahn-, Landschafts- und Strandskizzen aus über 50 Schaffensjahren vor Augen, dass der Künstler bereits beim "Beobachten vor dem Motiv" in malerischen Kategorien denkt. Entstanden sind Bilder mit der "coolen" Ästhetik der unmittelbaren Gegenwart.

Albertina, Wien, 28. Mai bis 28. September

Hannovers Herrscher auf Englands Thron 1714-1837 (Hannover)

"The queen is much amused", tönt es in den nächsten Wochen am englischen Hofe. Thronfolger Charles hat nämlich die Schirmherrschaft über die Hannover Royals übernommen. Klingt seltsam, ist es aber nicht:

Mit fünf Ausstellungen widmet sich die niedersächsische Landesausstellung 2014 der Personalunion – der Epoche, als die britischen Thronfolger aus Hannover kamen. Als vor knapp 300 Jahren, am 20. Oktober 1714, der einzige noch lebende Thronfolger des britischen Stuartkönigs Jakob I., der hannoversche Kurfürst Georg Ludwig, den englischen Thron bestieg, war es um das britische blaue Blut für die nächsten 123 Jahre zunächst einmal geschehen. Über fünf Generationen hinweg, von Georg I. bis Georg IV. sowie Wilhelm IV., importierten die Royals deutsches Kultur- und Gedankengut in das britische Königshaus. Kunstschätze aus aller Welt wie Gemälde, wertvolle Briefe, Urkunden, Medaillen und Möbel sind als Erbe des georgianischen Zeitalters geblieben. Im niedersächsischen Landesmuseum sowie in dem wieder aufgebauten Schloss Herrenhausen vermitteln diese ein umfassendes Bild über die Wechselwirkungen zwischen London und Hannover.

Parallelausstellungen an insgesamt fünf Standorten in Hannover und Celle, 22. Mai bis 31. August

Berlin Biennale (Berlin)

Perserteppiche, Marmorsäulen und ein Blick auf die Akropolis: Hier ist nicht die Rede vom letzten Sommerurlaub in Griechenland, sondern von Andreas Angelidakis eigentümlicher Rauminstallation "Crash Pad". Die wohnliche Ruine des norwegisch-griechischen Architekten greift die Idee der Salons im 19. Jahrhundert als Ort des kulturellen und politischen Austauschs auf und ist die erste Produktion der achten Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst.

"Crash Pad" steht thematisch ganz im Zeichen des diesjährigen Biennale-Konzepts: Die dargestellten Teppiche und Säulen haben die Modernisierung Griechenlands im 19. Jahrhunderts vorangetrieben, indem sie zum ikonografischen Element des Übergangs von osmanischer zu europäischer Tradition avancierten. So werden Themen wie Kolonialismus und Immigration, die Überschneidungen von großen historischen Zusammenhängen zum Motto von rund 50 internationalen Künstlern. Leonor Antunes Skulpturen etwa sind wie Erinnerungstonträger – in ihnen klingen Architekturen der Moderne und das Kunsthandwerk indigener Völker an. Die ethnografischen Artefakte der Berliner Biennale erzählen etwas über eine abwesende Kultur und regen die Entwicklung eines historischen Bewusstseins beim Betrachter an.

Verschiedene Museen und Ausstellungssräume in Berlin, 29. Mai bis 3. August

Erwin Wurm – One Minute Sculptures (Frankfurt am Main)

Einmal auf einem Besen fliegen, auf Orangen balancieren oder einen Stuhl mit dem Augapfel halten, Erwin Wurm ermöglicht's, doch nur für eine Minute:

Mit seinen One-Minute-Sculptures hinterfragt der österreichische Künstler den traditionellen Skulpturenbegriff und verwischt die Grenzen zwischen Performancekunst und Bildhauerei. Interaktiv soll es sein: Mithilfe von Zeichnungen oder kurzen schriftlichen Anleitungen wird der Besucher instruiert und angeregt für die Dauer von 60 Sekunden selbst zum Kunstwerk zu werden. Bereits vor dem Museum lädt ein Podest am Haupteingang ein, sich selbst auf alle Viere zu begeben und die Wartezeit einmal aus tierischer Perspektive zu überbrücken. Gewagt ist auch Erwins Konzept, die ephemeren Skulpturen direkt vor Werken der Alten Meister, der Neuzeit oder zeitgenössischen Kunst zu platzieren. Da wird ein van Eyck auch mal hüpfend, mit einem Finger im Ohr und dem anderen in der Nase betrachtet.

Städel Museum, 7. Mai bis 13. Juni

Kirchner – Das expressionistische Experiment (Hamburg)

"Swingen mit Kirchner" heißt es in Hamburg. Wie geht das, fragt sich der kunstinteressierte Tanzwütige. Ganz einfach, mit einer Swing-Party im Kunstforum zwischen den Exponaten Ernst Ludwig Kirchners. Der Mitbegründer der Künstlergruppe "Die Brücke" machte den Tanz zu einem bedeutenden Sujet in seinen Werken. Dabei interessierte er sich auf seiner Suche nach Unmittelbarkeit und Unverfälschtheit nicht für die klassische Tanzkunst, sondern für die freie, nicht normierte Form des Tanzes, wie er sie in Varietés und Tanz-Cafés erlebte.

Mit Schwerpunkt auf seine druckgrafischen Arbeiten, darunter Akte, Badende, Tanz- und Straßenszenen in der Großstadt Berlin, zeigt eine Ausstellung Kirchners "expressionistisches Experiment" nun einmal anders. Der Künstler experimentierte in seinen Holz- und Linolschnitten, Litografien und Radierungen mit lange vernachlässigten Techniken und schuf damit ausdrucksstarke Werke in variierender Farbigkeit. Der Tanzabend findet am 27. August statt.

Bucerius Kunstforum, 29. Mai bis 7. September

Gisèle Freund - Fotografische Szenen & Porträts (Berlin)

"Bitte lächeln Frida!", schallte es hinter der Kamera hervor. Gisèle Freund hat sie wirklich alle vor die Linse bekommen: Ob Frida Kahlo, James Joyce, Virginia Wolf, Anna Seghers, Simone de Beauvoir oder Paul Valéry, Porträts der ganz großen Namen der Kulturgeschichte gehen auf ihr Konto, und das auch noch in Farbe.

Als frühe Feministin und selbsternannte Fotojournalistin begab sich "die kleine, schwatzhafte Person", wie sie Walter Benjamin einst nannte, auf dokumentarische Suche nach Szenen aus Lebens- und Arbeitswelt der großen Literaten ihrer Zeit. Während mehrerer London-Aufenthalte sowie im Pariser Exil, in das sie flüchtete, nachdem die überzeugte Linke nach der Machtergreifung Hitlers Folteropfer der Nazis fotografiert hatte, entstanden die einzigartigen Personenaufnahmen in Farbe, für die sie in den siebziger Jahren berühmt wurde. Nach digitaler Neubearbeitung zeigen die zu Storyboards verdichteten Porträts nun ihre ursprüngliche, lebendige Farbigkeit in einer Berliner Ausstellung.

Akademie der Künste, 23. Mai bis 10. August

Haim Steinbach (Zürich)

Wenn Klos zu Brunnen und Artischocken zu Briefbeschwerern werden, stellt man sich die Frage: Ist das noch Kunst? Haim Steinbach, US-amerikanischer Künstler aus Israel, sagt "ja".

Mit seinen bunten Ding-Altären – sorgfältig hergestellten Ausstellungsdisplays, auf denen er entliehene oder gekaufte Gebrauchsgegenstände platziert – reiht er sich ganz in die Riege der Duchamp'schen Readymade-Aktivisten ein. Bereits Ende der 1970er Jahre hatte Marcel Duchamp eine neue Kunstform etabliert, indem er als Zeitvertreib und nicht ohne eine gewisse Ironie, alltägliche Objekte durch ausgefallene Titel oder Positionierungen zu skulpturalen Kunstwerken adelte. Als einer der bekanntesten amerikanischen Vertreter dieser Traditionslinie, entwickelt Haim Steinbach großformatige Regalarrangements, auf denen er verschiedene Alltagsobjekte so drapiert, dass ihnen eine neue Bedeutung zukommt. Die Kunsthalle Zürich gibt seinen Installationen in einer Ausstellung nun Raum zur Entfaltung.

Kunsthalle Zürich, 24. Mai bis 17. August

Dem Licht entgegen – Die Künstlerkolonie-Ausstellung 1914 (Darmstadt)

Musik, Tanz, Architektur, Malerei, Skulptur, Textilien und vieles mehr war am 16. Mai 1914 auf der Darmstädter Mathildenhöhe zu sehen, zu hören und zu erleben. Ruhe vor dem Sturm könnte man es nennen, denn der erste Weltkrieg stand unmittelbar bevor. Die letzte historische Großausstellung nach 1901, 1904 und 1908 mit Werken unter anderem von Albin Müller, Bernhard Hoetger, Elizabeth Duncan und Arnold Mendelssohn war als krönender Abschluss der wegweisenden Kultur- und Wirtschaftsförderung des hessischen Großherzogs Ernst Ludwig im Zeichen der Lebensreform eröffnet worden.

100 Jahre später und auf den Tag genau zeigt eine Jubiläumsschau zur Ausstellung der Künstlerkolonie Darmstadt das heutige Bild der Mathildenhöhe als Ort der Architektur sowie der angewandten und freien Künste. Viele der ikonischen Elemente wie Friedrich Wilhelm Kleukens' Mosaik "Kuss" oder Albin Müllers "Schwanentempel" sind als Erbstücke der historischen Schau zu sehen. Gemälde, Zeichnungen, Schmuck und Fotografien aus der städtischen Kunstsammlung Darmstadt zeugen vom Optimismus der Moderne, der in der Künstlerkolonie bis zum Ausbruch des Krieges herrschte.

Mathildenhöhe, 17. Mai bis 14. September