Richard Serra - Retrospektive in New York

Gedankenübertragung aus Stahl

Richard Serra gilt als einer der bekanntesten zeitgenösssichen Bildhauer. Tonnenschwere Stahlspiralen sind sein Markenzeichen. Weniger bekannt ist dagegen, dass der US-Künstler, dem das New Yorker Museum of Modern Art eine umfassende Retrospektive widmet, einst von Aldous Huxley unterrichtet wurde. Ein Rundgang mit überraschenden Einsichten

Keiner lässt tonnenschwere Stahlplatten so leicht aussehen, keiner formt dieses unnachgiebige Material so elegant und sinnlich wie er. Richard Serra, 68, Amerikas bekanntester lebender Bildhauer, hat sich in seiner über 40 Jahre umspannenden Karriere ganz der schweren, raumgreifenen Kunst verschrieben. Im Museum of Modern Art (MoMA) in New York sind bis zum 10. September Skulpturen aus allen Werkzyklen zu sehen, von frühen Experimenten mit Gummibändern und Bleiplatten, die wie überdimensionierte Kartenhäuser gestapelt sind, bis hin zu seiner neusten, 200 Tonnen schweren, 4,6 Meter hohen Stahlskulptur "Band", die sich wie ein riesiges, rostbraunes Schleifenband durch die Galerieräume im ersten Stock des Museums schlängelt.

Für seine MoMA-Retrospektive hat Serra drei neue, monumentale Stahlskulpturen entworfen, die die Besucher mit ihrer tonnenschweren Präsenz und den schwindelerregenden Biegungen physisch packt. Die gewichtigen Objekte wurden alle in einem deutschen Stahlwerk, bei Pickhan Heavy Fabrication in Siegen, hergestellt. Im Museumsgarten sind zwei ältere Werke, "Intersection II" (1992-93) und "Torqued Ellipse IV" (1998), zu sehen, die in ihrer rostigen Pracht einen schönen Kontrast zu den Hochhauskaskaden Manhattans bilden. Im obersten Stockwerk des Museums werden zudem 21 frühere Werke aus den Jahren 1967 bis 1986 präsentiert. Ergänzt wird die Ausstellung durch ein Filmprogramm mit Serras frühen 16-Millimeter-Filmen.

Am 6. September stellt sich der Künstler im „Gespräch mit Lynne Cooke“, Co-Kuratorin der Schau (neben Chefkurator Kynaston McShine), der Öffentlichkeit.
Dann wird er vielleicht auch über einige weniger bekannte Aspekte aus seinem Leben plaudern. Bevor Serra an der Spitzenuniversität Yale Kunst studierte, interessierte es sich für Philosophie und Literatur. In Berkley und später an der University of California in Santa Barbara, studierte er Ende der 50er Jahre englische Literatur. Zu seinen Lehrern gehörte damals der britische Schriftsteller Aldous Huxley (1894 bis 1963, „Schöne neue Welt“). „Eines Tages sagte Huxley, er wolle die Technik der Transferenz demonstrieren. Er verließ den Klassenraum, blieb etwa zehn Minuten draußen, kam wieder herein und – er meinte das ganz ernst – fragte uns, ob jemand in der Klasse seine Gedanken empfangen habe“, erzählt der Künstler in einem lesenswerten Interview im Ausstellungskatalog (Thames & Hudson). „Wenn du 18, 19 Jahre alt bist, ist Telepathie das letzte, was du als ernsthaftes Forschungsthema von einem Professor erwarten würdest.“ Auch wenn die Telepathielektion bleibenden Eindruck hinterlassen hat, zog Richard Serra der immateriellen Gedankenübertragung letztlich doch die Kommunikation mit tonnenschweren Stahl vor.

Der Himmel, das Land und der Stahl

Im November 2004 sprach Richard Serra im art-Interview ausführlich über seine Arbeit. Damals hatte er gerade "Te Tuhirangi Contour", eine 250 Meter lange Stahlskulptur in Neuseeland fertig gestellt - sein größtes Projekt, das ebenfalls in dem Siegener Stahlwalzwerk Pickham hergestellt wurde.
http://cms.pickhan.de/index.php?id=tetuhirangicontour00&L=0

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