Jay DeFeo

New York



EIN KRAFTAKT FÜR DIE KUNST

Sie wurde im Zentrum der Beatnik-Szene, die Kunst, Poesie und Musik verband, zur Kultfigur der amerikanischen Nachkriegskunst. Das Whitney Museum in New York widmet der amerikanischen Künstlerin Jay DeFeo nun eine Retrospektive.
// CLAUDIA BODIN

Mit ihrem Meisterwerk "Die Rose" wurde Jay DeFeo zur Legende. Acht Jahre hatte der Star der Beatnik-Clique aus San Francisco an dem Bild gearbeitet, bis es die gewaltige Größe von drei mal zweieinhalb Metern, ein Gewicht von mehr als einer Tonne angenommen hatte und es mit Krusten von weißer und grauer Farbe, die sich sternförmig von der Oberfläche erheben, eher Skulptur als Gemälde war.

Die verschiedenen Stadien des Werks galten für die Künstlerin als eigenwertige Arbeiten, denen sie vorübergehend auch eigene Namen ("Deathrose") gab. Die Arbeit befindet sich im Besitz des New Yorker Whitney Museums, das der 1989 im Alter von 60 Jahren gestorbenen Künstlerin nach erster Station in DeFeos Wahlheimat San Francisco eine große Retrospektive widmet.

Natürlich ist "Die Rose" das Zentrum der 150 Arbeiten umfassenden Ausstellung. Die Werke aus den Jahren von 1951 bis 1989 – darunter Fotografien, Collagen, oft in Schwarz und Weiß gehaltene Gemälde und Zeichnungen, auf denen sie mit Themen wie Spiritualismus, dem Körper und Erotik spielte, sowie Schmuck, mit dem sie sich zu Beginn ihrer Karriere Geld verdiente –, wurden wie Planeten um die Sonne gruppiert.

Whitney-Kuratorin Dana Miller orientierte sich an einem Diagramm, das DeFeo gefertigt hatte, um den Beziehungen zwischen ihren Arbeiten auf den Grund zu gehen. "Ich glaube, dass ich, während ich mit einer neuen Arbeit beschäftigt bin, mehr als andere Künstler eine Art Bewusstsein von allem, was ich jemals gemacht habe, aufrecht erhalte", schrieb DeFeo. Doch die monumentale "Rose" die durch das Fenster per Gabelstapler aus dem Atelier der Künstlerin abstransportiert werden musste, überschattet alle anderen Werke. DeFeo war als eine von nur zwei Künstlerinnen 1959 bei der Gruppenshow "Sixteen Americans" im Museum of Modern Art dabei und wurde von zwei damals führenden Westküsten-Galerien, Dilexi in San Francisco und Ferus in L.A., vertreten. Ihren Arbeitsprozess, in dem es oftmals darum ging, ein Bild aufzubauen, zu demontieren und neu zu konstruieren, beschrieb DeFeo mit der Erfahrung, an einer Felsspalte zu hängen. Es brauchte wohl einen Kraftakt wie "Die Rose", um dieses Gefühl zu überwinden.

Jay DeFeo – A Retrospective

bis 2. Juni, Whitney Museum of American Art, New York, Der Katalog zur Ausstellung kostet 38,98 US-Dollar, im Buchhandel 65 US-Dollar

http://whitney.org

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1 Leserkommentar vorhanden

matthias

22:04

06 / 03 / 13 // 

meinung

war vor ein paar tagen vor ort, schreckliche ausstellung.

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