Olafur Eliasson

Interview

"Meine Kunst ist nicht utopisch"
Olafur Eliasson, "One way Colour Tunnel", 2007 – im Museum of Modern Art in San Francisco (Foto: I. Reeves. Courtesy: San Francisco Museum of Modern Art)

"MEINE KUNST IST NICHT UTOPISCH"

Naturphänomene sind das Material, aus dem Olafur Eliasson spektakuläre Kunstwerke entwickelt. Anlässlich der großen Retrospektive "Take Your Time" im Museum of Modern Art (MoMA) in New York sprach der dänisch-isländische Künstler mit art-Redakteur Ralf Schlüter und art-Autor Till Briegleb über seine Kunst und die Gefahren des Erfolgs.
// RALF SCHLÜTER, TILL BRIEGLEB

Hoch über den Köpfen schwebt ein riesiger runder Spiegel, in der Ecke stehen Fassadenelemente der Oper Reykjavik, in den Regalen stapeln sich geometrische Objekte. Wie eine Renaissance-Werkstatt für das technische Zeitalter wirkt das Atelier von Olafur Eliasson, 41. Hier, in einem alten Lagerschuppen gleich beim Hamburger Bahnhof in Berlin, betreibt der dänisch-isländische Erfolgskünstler eine wahre Kunstfabrik mit fast vierzig Mitarbeitern.

Herr Eliasson, Sie haben im Sommer eine große Ausstellung im MoMA in New York. Das MoMA gilt immer noch als das bedeutendste Museum für zeitgenössische Kunst. Ist es für Sie ein Unterschied, ob Sie dort ausstellen oder woanders?

Es ist sicherlich aufregend. Aber ich gehe – ganz ehrlich – mit dieser Ausstellung nicht weniger ernsthaft um, als mit jeder anderen. Und ich mache die Schau auch sicher nicht, um meine Karriere zu befördern. Ich weiß nicht mal, ob das heutige MoMA noch eine so prägende Institution ist. Auf jeden Fall ist es vermittlungstechnisch eine unglaubliche Maschine. Deswegen habe ich die Pressearbeit so gesteuert, dass ich nicht mit Modemagazinen spreche.

Warum nicht?

Es gibt eine brutale Tendenz in unserer Gesellschaft, nur noch zu fragen, wer jemand ist, und nicht, was er macht. Ich will aber, dass sich die Berichterstattung auf die Arbeit bezieht. Mit den 90 Prozent der Presse, die sich lieber mit meiner Person beschäftigt, rede ich so wenig wie möglich.

Aber müssen Sie sich nicht doch mit einem ganz anderen Status Ihrer Person befassen als vor zehn Jahren, als Sie bei der Berlin-Biennale den Ventilator aufgehängt haben und damit internationale Aufmerksamkeit erregten?

Doch, diese Auseinandersetzung ist wichtig. Aber sie prägt meine Arbeit nicht. Mit dem Nimbus des Museums umzugehen, ist schon komplizierter. Es ist schwer, mit dem ganzen Gewicht des MoMA auf seinen Schultern zeitgenössisch zu sein.

Parallel zur Ausstellung stellen Sie vier 30 bis 40 Meter hohe Wasserfälle im Süden New Yorks in den East River. Welche Bedeutung hat dieses Projekt für Sie?

Ein öffentlicher Raum wie die Wasserfläche um Manhattan, der so oft abgebildet wurde, reduziert sich auf eine zweidimensionale, repräsentative Wahrnehmung. Man sieht eher seine eigene Bild-Erinnerung als das tatsächliche Wasser. Mit den Wasserfällen versuche ich, wieder eine physische Dimension zu finden. Man sieht, wie das Wasser vom Wind getragen wird, man hört es und wird vielleicht sogar nass. So kann ich eine Beziehung herstellen zwischen dem Wasser in diesem Raum, den Menschen und der Infrastruktur.

Kommentieren Sie diesen Artikel

1 Leserkommentar vorhanden

bömann

19:51

03 / 04 / 10 // 

pferdewurst, oder was?

was soll das denn? ich dachte hier gibts pferdewurst

Abo