Thomas Schroeren

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Genial versponnen
Thomas Schroeren: "Teach you some manners", 2008, Holz, Farbe, Lack, Stoff, Glas, Acrylglas, Gips, Muscheln, Haare, Schwamm, Bitumen, Papier, Glühbirnen, Kabe, 210 x 350 x 350 cm, Installationsansicht Open Space/Art Cologne 2008 mit Galerie Sandra Bürgel, Privatsammlung DEVOTOART

GENIAL VERSPONNEN

Der Städelschulabsolvent Thomas Schroeren collagiert entlegene Materialien und Themen zu einem mystisch-apokalyptischen Privatkosmos zusammen
// BIRGIT SONNA

Unter der Dusche an der Frankfurter Städelschule, als Thomas Schroeren das ölfarbenverschmutzte Wasser an seinem Körper herunterrinnen sah, sei ihm klar geworden, dass Malerei nicht das einzig selig machende Medium für ihn sein könne.

Der Meisterschüler von Christa Näher wandte sich von da an einer kurios vertrackten Objektkunst zu. Er arrangierte Schaufensterpuppen in theatralischen Stellagen zu Märtyrern im Koordinatenkreuz von Psycho, Sadomaso, Comic und Gothic, veredelte in ökonomisch mageren Zeiten abgewrackte Allibert-Schränke mit Verbundglassplittern zu modernistischen Reliquienschreinen. Oder er verflocht aus Papier, Latex und Stoff das illuminierte Andachtsbild eines kantigen Smileys, aus dessen Augenhöhlen just Porträtfotos des Künstlers hervorstechen. Schroeren neigt zu mystifizierenden Verklärungen seiner von Gesellschaftsüberdruss gesättigten Kunst – nicht unbedingt zu Ungunsten seiner Eingebungen.

Tatsächlich malt er auch wieder gelegentlich, baut seinen Bildern allerdings oft zur Verankerung im Trash unserer Zeit bühnenartige Gesimse. Wenn er auf Papier und hinter Acrylglas unter dem Einsatz von Ölfarben und Gold abstrakt lodernde Weltenlandschaften aufscheinen lässt, blitzt in seinem apokalyptisch überstrahlten Privatkosmos hier und da der Hoffnungsschimmer von Transzendenz hindurch. Das Lakonische, sein subversiver Wortwitz, verhindert allerdings das Abrutschen in zu esoterische Gefilde. "Jecker Jesuit" (2012), ein aus Stoff gewickeltes Kruzifix im Holzrahmengeviert, wirkt wie eine gerissene Alternative zu Martin Kippenbergers berühmtem gekreuzigten Frosch. Schroeren ist auf dem besten Weg, zu der herausragenden Riege von Deutschlands genial versponnenen Künstlerpropheten aufzusteigen. Den nötigen störrischen Charakter dazu hat er auch: "Man muss sich hierzulande schon eine gewisse Mühe geben, um sensibel zu bleiben", seufzt der Künstler.

Steckbrief

Geboren: 1981, Herborn (Hessen).

Wohnort: Berlin.

Ausbildung: Städelschule, Frankfurt am Main.

Galerie:Sandra Bürgel, Berlin; Christine Mayer, München.

Initialzündung: Originär.

Höhepunkt: Familiär.

Tiefpunkt: Rudimentär.

Helden: Fife Symington, Louis Hardin, Mark Hollis, CAN, Michelangelo Buonarroti.

Credo: Man nimmt das Leben leicht, ist aufgeschlossen für Neues, die Stimmung ist heiter und kommunikativ.

Ein Rat, der Ihnen geholfen hätte: Steig bei der Jungen Union Kreisverband Siegen-Wittgenstein ein und mach an der OSO dein Abitur.

Warum Künstler, nicht Banker?: Warum nicht gleich Telegrafenmast beim Militär?

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