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Aktfotografie

Die besten Aktbilder internationaler Fotografen
Fred Hüning: "Ohne Titel", aus dem Buch "Die Liebe im Auge", 2012 (© Fred Hüning)

DIE BESTEN AKTBILDER INTERNATIONALER FOTOGRAFEN

Unsere Serie präsentiert jede Woche die besten Aktbilder internationaler Fotografen. Diesmal: Fred Hüning.

Was reizt Sie am Thema Akt?

Ich bin in einem völlig kunstfernen Umfeld aufgewachsen. Erst als junger Erwachsener bin ich, über mein erwachendes Interesse an Aktfotografie, schließlich auf Aktmalerei und auf Kunst im Allgemeinen gekommen.

Meine ersten fotografischen Versuche im Alter von 35 Jahren waren dann Aktaufnahmen.

Wie weit würden Sie gehen? Gibt es Tabus?

Für mich persönlich gibt es keine Tabus, und ich würde gerne auch vermehrt pornografische Bilder machen. Ich richte mich aber immer nach dem, was die von mir fotografierten Frauen zeigen oder geben möchten. Es ist mir wichtig, dass großes Vertrauen zwischen uns besteht und sie sich wohlfühlen. Ich bin überzeugt, dass ich nur so die intimen, echten, berührenden Bilder machen kann, die ich anstrebe. Ich würde auch niemals ein gelungenes Bild veröffentlichen, wenn sich das Modell darauf nicht "leiden" mag.

Wann wird ein Akt zum Kunstwerk?

Das ist die große Frage. In der zeitgenössischen künstlerischen Fotografieszene Deutschlands, in der ich mich bewege und mir einen Namen zu machen versuche, ist Aktfotografie absolut verpönt. Auf meinen Bildern sind oft nackte Menschen zu sehen. Trotzdem würde ich diese Bilder nicht als Akte bezeichnen, da ich niemals inszeniere, und die Situationen daher einfach aus dem Leben gegriffen sind. Mich interessieren einfach diese intimen Momente, in denen wir Menschen ganz natürlich nackt sind.

Wer oder was inspiriert Sie? Gibt es inspirierende Vorbilder?

Früher habe ich Helmut Newton, Jeanloup Sieff und Bettina Rheims geliebt. Seit ich selber künstlerisch arbeitete, habe ich mich immer mehr von diesen Vorbildern entfernt. Mittlerweile finde ich diese Art der inszenierten, gestellten Erotik mit ihren ganzen Fetischen (hochhackige Schuhe, lasziver Blick et cetera) völlig langweilig. Es gibt aber einige wenige zeitgenössische Künstler, die großartige, echte, intime Arbeiten machen, zum Beispiel Arno Nollen, Todd Hido, Thomas Hauser, Heji Shin und immer wieder Nan Goldin. Obwohl ich selbst völlig anders arbeite, verehre ich den Foto-Erotomanen Araki wegen seiner überbordenden Energie, Produktivität und seiner mittlerweile 450 publizierten Büchern über alle Maßen.

Gab es peinliche Momente während der Aufnahmen?

Wenn ich fotografiere gibt es nichts, was mir peinlich sein könnte. Wenn ich mit fremden Frauen arbeite und ich die von mir immer angestrebte Intimität künstlich herstellen muss, bleibt mir nichts anderes übrig, als mich für zwei Stunden mit Haut und Haaren in mein Model zu verlieben. Nach diesen zwei Stunden, urplötzlich alleine und von der Frau verlassen, lande ich dann wieder abrupt in der Realität und habe manchmal das Gefühl, mich komplett lächerlich gemacht zu haben. Aber das ist eben der Preis für gute Bilder, und ich zahle ihn gerne.

Welche Rolle spielen die Inszenierung und der Zufall in Ihren Fotografien?

Ich vermeide es zu inszenieren, beobachte lieber und warte, dass sich ein Bild ergibt.

Welches Projekt würden Sie gerne einmal realisieren?

Jahrelang hatte ich den Plan, Paare beim Sex zu fotografieren, angeregt durch großartige Filme wie "Intimacy" von Patrice Chéreau oder "9 Songs" von Michael Winterbottom. Ich war aber überzeugt, ich würde dafür niemanden finden. Als ich vor ein paar Jahren die ganzen Free-Porn-Seiten im Internet entdeckte, kam mir mein Plan auf einmal völlig altbacken vor. Stattdessen realisierte ich die ironisch kritische Found-Footage-Arbeit "private rooms" (2009), die als Buch nächstes Jahr bei "Peperoni Books" erscheinen wird. Die wunderbaren Bilder von Heji Shin für das Aufklärungsbuch "Make Love" haben mir allerdings wieder Lust gemacht, mein altes Vorhaben irgendwann doch noch zu verwirklichen.

Fred Hüning hat gerade sein selbstverlegtes Fotobuch "Die Liebe im Auge" fertiggestellt und wird es im Rahmen einer Ausstellung am 7. März 2013, ab 19 Uhr, im Photoplatz-Kabinett des Hotel Bogota Berlin (Schlüterstr. 45, 10707 Berlin) präsentieren. Das Buch ist eine Hommage an den Fotobuchklassiker "Das Auge der Liebe" (1954) von René Groebli und wurde im legendären Hotel Bogota fotografiert. Das Hotel Bogota war in den dreißiger Jahren das Fotostudio der Modefotografin YVA – mit Helmut Newton als Lehrling. Für sein neues Buchprojekt "Hotel zur Einsamkeit" darf er, dank der Unterstützung des kunstaffinen Hotelchefs, wieder im Bogota fotografieren. Dafür sucht er noch interessierte weibliche Models.

Fred Hüning

Alter: 46

Hochschule/Ausbildung: Ostkreuzschule für Fotografie bei Prof. Ute Mahler

Nächste Ausstellung: "Mother and Child" in der Londoner Photographers Gallery, Oktober 2013

Preise/Stipendien:
- Arbeitsstipendium Bildende Kunst des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg (MWFK Brandenburg), 2011
- Kunstpreis Fotografie der Lotto Brandenburg GmbH für die Arbeit "einer", 2007
- Fotopreis Kunstamt Schöneberg (Arbeitsstipendium), 2006

http://www.neunplus.com

hueningber@yahoo.com

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