K. H. Hödicke

Berlin



DAS WUNDER VON BERLIN

Das Materialbild "Krone des Geschmacks" war fast 50 Jahre lang verschollen – rechtzeitig zu einer Hödicke-Ausstellung kam es unerwartet wieder zum Vorschein.
// PETRA BOSETTI

Fröhliche Pärchen warben in den sechziger Jahren mit dem Slogan "Krone des Geschmacks" für Glimmstengel der Marke "Simon Arzt" aus dem Hause BAT, so benannt nach dem jüdischen Zigarettenfabrikanten (1814 bis 1910), der sich im ägyptischen Port Said niedergelassen hatte. Das gut gelaunte Paar ist auch ein Motiv in einem zentralen Werk der Berliner Kunstgeschichte: der "Krone des Geschmacks".

1963 hatte K. H. Hödicke eine Floatglasscheibe auf beiden Seite mit Acrylfarben und Filzstiften bearbeitet und zerkratzt, die "Krone"-Werbung und ein Illustriertenfoto von Audrey Hepburn als Eliza Doolittle hineincollagiert – eine Reminiszenz an Marcel Duchamps "Das große Glas". Dieses 75 x 100 Zentimeter messende Bild verschwand dann aus der Kunstszene, niemand wusste, wohin, der Künstler selbst hielt die "Krönung" für verloren. Erst jetzt, fast 50 Jahre nach seiner Entstehung, ist das Werk im Zuge der Vorbereitungen zu einer Hödicke-Retrospektive wieder aufgetaucht.

Ein zentrales Stück Berliner Kunstgeschichte

"Wundersamerweise", wie die Ausstellungmacher der Berlinischen Galerie betonen. Ein Mitarbeiter des Hauses hatte eigentlich nur Abbildungen des wichtigen Werks besorgen wollen und war dabei auf einen ehemaligen Kollegen Hödickes gestoßen. Der hatte in den sechziger Jahren das Werk des Künstlers fotografisch dokumentiert, die "Krönung des Geschmacks" war die ganze Zeit unentdeckt in seinem Besitz gewesen. Für die Ausstellung neu gerahmt, kann nun erstmals das zentrale Stück der Berliner Kunstgeschichte erneut dem Publikum zugänglich gemacht werden.

Hödicke, 1938 in Nürnberg geboren und seit 1959 Wahlberliner, ist gattungsübergreifend in zahlreichen Medien zu Hause. Er arbeitet mit ganz traditionellen Farben, aber benutzt auch Fundstücke vom Ziegelstein über Knochen bis zu Flaschenöffnern oder Streichholzschachteln, die er zu ebenso poetischen wie humorvollen Materialbildern zusammenfügt. Der Berlinischen Galerie gehört eine stattliche Kollektion von Gemälden, Skulpturen, Objekten und Grafiken, die den Grundstock für die erste Retrospektive seit 20 Jahren bilden.

K. H. Hödicke – Malerei, Skulptur, Film

Termin: 22. Februar bis 27. Mai. Katalog: 29,90 Euro

http://www.berlinischegalerie.de

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1 Leserkommentar vorhanden

DJ

07:31

05 / 03 / 13 // 

Kunstraub an der Küppersmühle - Bauzaun

Knapp 1 Jahr ist es her, dass eine Gruppe unbekannter Künstler an dem Museum Küppersmühle in Duisburg ihre Spuren hinterließen. http://www.lokalkompass.de/duisburg/kultur/kunstraub-an-der-kueppersmuehle-bauzaun-d255881.html

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