Klara Hobza

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Kämpferin gegen Effizienz
Klara Hobza: "Jedi Master", 2011, Video, 2:50 Minuten (Courtesy Galerie für Landschaftskunst, Hamburg und Soy Capitán, Berlin VG Bildkunst)

KÄMPFERIN GEGEN EFFIZIENZ

Eine ganze Vogelpopulation umsiedeln? Von der Nordsee bis zum Schwarzen Meer tauchen? Klara Hobza stemmt gern übergroße Aufgaben.
// DANIEL BOESE

Als Klara Hobza von ihrem Tauchlehrer, dem türkischen Kampftaucher Namik Ekin, lernte, wie man unter Wasser eine Banane isst, war das noch lustig.

Schließlich bereitete sich Hobza darauf vor, lange abzutauchen: einmal quer durch Europa. Von der Nordsee durch Rhein, Main, Main-Donau-Kanal und Donau bis zum Schwarzen Meer. Aber als sie nach drei Jahren Training im Frühjahr 2012 in der Mündung des Rheins ihre Serie von Tauchgängen begann, da war der Spaß schnell vorbei: Hobza kam einer Schiffsschraube so nahe, dass sie um ihr Leben fürchtete. Sie hatte mit der Wassergewalt gerechnet, nun überraschte sie die Maschinenkraft. In ihrer ersten Ausstellung nach dem Tauchgang präsentierte sie die Arbeit "Der totale Horror" mit 73 Aufnahmen aus ihrer Unterwasser-Kopfkamera, die die mangelnde Sicht im Brackwasser zeigen.

Bis über die Grenze des Möglichen zu gehen, ist Hobzas künstlerische Methode. Als sie in New York lebte, versuchte sie 60 Stare im Central Park einzufangen, um sie zurück nach Europa zu schicken. Denn 1890 hatten Vogelliebhaber alle Vögel, die von Shakespeare erwähnt werden, in die USA gebracht, und seitdem hat der Star sich als Plage ausgebreitet. Nur aufgebrachte Tierschützer konnten Hobza in dieser Mission bremsen. Beim Morsen war sie erfolgreicher: Zwar brauchte sie Jahre, um den Code zu lernen und ihre Anlage bis auf 30000 Watt hochzurüsten, aber dann begannen Nachbarn aus ihren Schlafzimmern zurückzumorsen – Hobza hatte eine antiquierte Kommunikationstechnik ins Leben zurückgebracht. Als sie 2009 zurück nach Deutschland zog, wollte sie ihr Atelier selbst verschiffen. Sie setzte Feuerwehrleute und Hippies in Bewegung, um ein mit dem Inventar beladenes Floß über den East River bis zum Containerhafen nach New Jersey zu schleppen. In Hamburg zog sie es dann mit einem Kajak durch das Fleet bis zu ihrer Galerie in einem alten Speicher. Es ist die Zähigkeit und die Entschlossenheit, mit der sie sich in vermeintlich Absurdes stürzt, die den Reiz von Hobzas Arbeiten ausmachen. Sie hat den Atem für Langzeitprojekte: Für das Durchtauchen von Europa hat sie 30 Jahre eingeplant.

Klara Hobza eröffnet an diesem Sonntag im Skulpturenmuseum Glaskasten Marl eine Ausstellung namens "Salvaging Morse Code", Laufzeit 3. März – 12. Mai 2013, Eröffnung: Sonntag, 3. März, 12.30 Uhr

Steckbrief

Geboren: Pilsen, Tschechoslowakei, 1975.

Wohnort: Berlin.

Ausbildung: Akademie der Bildenden Künste München; Columbia University, New York; Rogue Film School, Los Angeles.

Galerie: Soy Capitán, Berlin; Galerie für Landschaftskunst, Hamburg.

Initialzündung: Florenz-Reise mit 14 Jahren, da ist es passiert, und es war um mich geschehen.

Höhepunkt: 2031.

Tiefpunkt: 2058.

Helden: Werner Herzog.

Credo: Mal sehen, wie weit ich damit komme. Und: Jetzt erst recht.

Ein Rat, der Ihnen geholfen hätte: An Rat gab es keinen Mangel. Irgendwann war mir nicht mehr zu helfen.

Warum Künstler, nicht Banker?: Angeborener Widerstand gegen Effizienz.

http://www.klarahobza.com

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