Roy Lichtenstein

London



DAS HANDWERK DES POP

"Comics sind Experimentierfelder der Erregung der Phantasie", befand Roy Lichtenstein und stellte in seinen Bildern den Stil über den Inhalt. Die Tate Modern widmet dem Pop-Art-Künstler, der nicht nur in der Comic- und Konsumwelt zuhause war, 15 Jahre nach seinem Tod eine große Retrospektive.
// HANS PIETSCH

Als Marcel Duchamp, der Vater der Konzeptkunst, zum ersten Mal Gemälde von Roy Lichtenstein sah, soll er gesagt haben: "Genau das hatte ich im Sinn. Genau das habe ich im Sinn." Der 1923 in New York als Sohn deutsch-jüdischer Eltern geborene Maler gilt als einer der Väter der Pop Art, doch sein Werk besitzt, mehr als das vieler seiner Pop-Kollegen, eine fast konzeptuelle Dimension. Trotzdem warnte er sein Publikum schon 1952 als ganz junger Künstler: "Sucht nicht nach Ideen!"

Die Schau in der Tate Modern mit mehr als 120 Werken, die erste große Übersichtsschau seit seinem Tod, will Lichtenstein aber nicht nur als den beim Publikum überaus beliebten Maler von Comicszenen zeigen, sondern stellt auch seine frühen, von Kuratorin Sheena Wagstaff als "beinahe Twomblyisch" bezeichneten, abstrakt-expressionistischen Werke sowie die selten gezeigten späten, monumentalen weiblichen Akte und chinesischen Landschaften vor. Dazu kommen Skulpturen aus Keramik und Messing sowie eine Auswahl seiner bisher fast unbekannten Zeichnungen und Collagen.

Lichtenstein ist jedoch vor allem bekannt als der amerikanische Pop-Maler par excellence, beginnend mit seinem ersten Pop-Gemälde "Look Mickey" (1961) und gipfelnd in monumentalen Werken wie "Whaam!" (1963, im Besitz der Tate) sowie der Serie "Artist – Studio" (1974). Seine Vorlagen sind trivial und weit gestreut – Kinderbuch-Illustrationen und Verpackungen, Comics und Werbung, Versandhauskataloge und Postkarten. Seine Gemälde auf Leinwand sehen aus, als habe eine Maschine sie hergestellt, doch sie fußen auf ausgiebigen und detaillierten Vorzeichnungen und sind alle klassisch von Hand gemalt.

Er bediente sich nicht, wie etwa Andy Warhol, der maschinellen Technik des Siebdrucks, sondern verwendete Schablonen, um seine Raster auf die Leinwand zu übertragen, die dann von ihm selbst oder von Assistenten ausgemalt wurden. Und so war der vielleicht radikalste Vertreter des Pop im Grunde ein klassischer Maler in der Nachfolge von Jean-Siméon Chardin und Nicolas Poussin, wie er in seinem Todesjahr 1997 in einem Gespräch mit dem Kritiker David Sylvester eingestand: "Beide erscheinen statisch, in Stein gemeißelt, in etwa das, was ich mit meinem Stil versuche. Künstlich."

Lichtenstein – A Retrospective

21. Februar bis 27. Mai, Tate Modern, London, Der Katalog zur Ausstellung kostet 29,99 Pfund

http://www.tate.org.uk

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