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DIE FÜNF AUSSTELLUNGSTIPPS DER WOCHE

Jede Woche präsentieren wir Kunst, die Sie nicht verpassen dürfen. Diesmal mit Totentänzen, Skulpturen der Gegenwart und einer Stadt der Frauen.
// DIANA GREINER
Goslar: Who is Who

Die Liste der Preisträger des Goslarer Kaiserrings – ein in Gold eingefasster Aquamarin mit von unten eingraviertem Bildnis Kaiser Heinrich IV – liest sich wie das "Who is Who" der Kunstszene.

Erster Preisträger war 1975 der englische Bildhauer Henry Moore, auf ihn folgten Größen wie Max Ernst oder Gerhard Richter und 2010 David Lynch, dessen fantastischer Wahnsinn sich nicht nur in seinen Filmen, sondern auch in seinen Bildern wiederfindet. Das Mönchehaus Museum Goslar zeigt seine Sammlung der "Glanzstücke moderner Kunst – Werke der Goslarer Kaiserringträger" und stellt die Künstler vor. Mit dabei Nam June Paiks Bildschirmroboter, der Einstein nachempfunden ist, Boltanskis "Fliegende Schuhe", die von der Decke hängen, und Baldessaris sterbender Hirsch der Serie "Double Play", der von einem Hund angefallen wird.

Die Ausstellung "Glanzstücke moderner Kunst – Werke der Goslarer Kaiserringträger (1975-2013)" ist bis zum 28. April im Mönchehaus Museum am Rosentor in Goslar zu sehen.

Mannheim: Die Stadt der Frauen

40 Jahre lang fotografierte Miroslav Tichý fast täglich die Frauen seiner tschechischen Heimatstadt – einige Jahre lang über 100 Fotos am Tag. Junge, alte, dünne, dicke, große, kleine Frauen – Tichýs Grundsatz war, die Realität darzustellen. Die Frauen auf seinen Bildern nehmen keine Posen ein, wissen oftmals nichts von den Aufnahmen, gehen alltäglichen Beschäftigungen nach und bewegen sich natürlich. Verschwommen, unscharf, von ihm selbst entwickelt und auf Papier geklebt, manchmal mit einem bunten aufgezeichneten Rahmen versehen, entsprechen seine Fotografien nicht dem Standard. Genauso wenig passt Tichý, der 2011 im Alter von 85 Jahren starb, nicht in das Bild des gängigen Fotografen. In Lumpen gekleidet und mit selbst gebastelten Kameras ausgestattet lebte er nach seinem Kunststudium unter der strengen Beobachtung der Kommunisten erst gezwungenerweise in Armut und später freiwillig. Zephyr zeigt 140 Fotografien des asketischen Malers und Fotografen.

Die Ausstellung "Miroslav Tichý – Die Stadt der Frauen" ist vom 24. Februar bis zum 26. Mai im Zephyr – Raum für Fotografie in Mannheim zu sehen.

Düsseldorf: Große und kleine Wesen und Dinge

Die Bildhauer von Düsseldorfs Kunstakademie haben alte Pfade verlassen, neue eingeschlagen und bekannte verändert. Prominentester Vertreter dürfte Joseph Beuys sein, doch auch Ewald Matarés urtümlich anmutende Tierfiguren und weibliche Büsten, Katharina Fritschs riesige Mäuse und knallgelbe Madonnen und Tony Craggs organische Skulpturen und durchsiebte Kreaturen sind ein Begriff in der Kunstszene. Ob realitätsentfremdet, fantasievoll, schlicht oder originell – die für die Ausstellung im K20 ausgewählten Werke von 53 Bildhauern der Düsseldorfer Schule von 1945 bis heute werden ihrem Ruf gerecht.

Die Ausstellung "Die Bildhauer. Kunstakademie Düsseldorf, 1945 bis heute" ist bis zum 28. Juli im K20 Grabbeplatz der Kunstsammlung Nordrhein Westfalen zu sehen.

Bergisch Gladbach: Totentanz

Der Tod ist ein guter Tänzer, so scheint es, betrachtet man die "Totentänze", die sich in der christlichen Kunst gegen Ende des 14. Jahrhunderts herausbildeten. Doch werden nicht nur junge Frauen vom skelettartigen oder verwesten Tod zum Tanz verführt oder versuchen Männer auf einem Schlachtfeld gegen ihn anzukämpfen, auch wiegt der Tod Kinder in den Schlaf, steht hinter Menschen, die ihn noch nicht erahnen, oder begleitet Alte, die ihn bereits im Gesicht tragen. Die Grafiken aus fünf Jahrhunderten, die die Ausstellung "Pas de deux ins Jenseits" in der Villa Zanders vereint, zeigen die unterschiedlichen Arten, ihm zu begegnen, und verdeutlichen, dass der Tod vor keinem Stand und keinem Alter Halt macht – keiner ist vor ihm gefeit.

Die Ausstellung "Pas de deux ins Jenseits – Totentänze vom 16. bis 20. Jahrhundert aus der Sammlung Fritz Roth, Bergisch Gladbach" ist vom 24. Februar bis zum 16. Juni in der Städtischen Galerie Villa Zanders in Bergisch Gladbach zu sehen.

Berlin: Anti Anti

Politischer Widerstand kennt viele Formen – einige nutzen Gewalt, andere predigen Frieden, manche bedürfen einer einzelnen Person als Symbolträger, andere benötigen Menschenmassen, um etwas zu bewegen. Die Ausstellung "Resistance" beschäftigt sich mit der Formensprache, den Vermittlungsebenen sowie der Ikonisierung und Manipulation des politischen Widerstands. Lies Maculans Fotoarbeiten etwa zeigen Fälle von der Macht des Einzelnen und der Ohnmacht der Massen. Stefan Roloffs Videoinstallation indessen führt den Besucher in ein Zelt, das aus alten Stoffresten zusammengesetzt die Geschichte von Flüchtlingen erzählt. Und Deborah Sengls Diptychen zeigen Menschen mit Tierköpfen, die einander Gewalt zufügen oder als stiller Beobachter mit einer Kamera agieren. Zudem offenbart sie das allgegenwärtige Markenbewusstsein, das mit ökonomisch-psychologischer Machtausübung zu tun hat.

Die Ausstellung "Resistance – Lies Maculan, Stefan Roloff, Deborah Sengl" ist vom 23. Februar bis zum 13. April in der Galerie Deschler in Berlin zu sehen. Die Eröffnung findet am 22. Februar um 19 Uhr statt.

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