Gustave Courbet

Paris

Der Ursprung der Welt
Das neu entdeckte Porträt (oben) könnte die Frau zeigen, deren Torso auf einem der bekanntesten Werke Gustave Courbets zu sehen ist: "L'Origine du Monde (Der Ursprung der Welt)", 1866, Öl auf Leinwand (Foto: dpa)

DER URSPRUNG DER WELT

Der Courbet-Experte Jean-Jacques Fernier will das Porträt eines Frauenkopfs, der zum skandalumwitterten Gemälde "L'Origine du Monde (Der Ursprung der Welt)" gehört, gefunden haben.
// DPA/ART

Der Courbet-Experte Jean-Jacques Fernier hat anscheinend den passenden Kopf zur entblößten Scham des berühmten Gemäldes "Der Ursprung der Welt" ("L´Origine du monde") von Gustave Courbet (1819 bis 1877) gefunden. "Der Ursprung der Welt" ist eine der bekanntesten Darstellungen des weiblichen Geschlechts. In der Wochenzeitung "Paris Match" erklärte Jean-Jacques Fernier, Autor des Werkverzeichnisses, das Bild sei in zwei Teile geschnitten worden. Laboranalysen bewiesen, dass das von ihm gefundene Porträt den Kopf der Frau zeige, der zu dem skandalträchtigen Gemälde passe, das im Musée d'Orsay hängt. Farbwerte, Format und Signatur seien identisch.

Wie "Paris Match" mitteilte, soll das Bild rund 40 Millionen Euro wert sein. Das Porträt, das von einem Sammler für 1400 Euro in einem Pariser Antiquitätengeschäft gekauft wurde, soll Joanna Hifferman, Model und Muse des amerikanischen Malers James Abbott McNeill Whistler, darstellen. Der Sammler, dessen Name "Paris Match" nicht verrät, brachte das Werk zu Fernier. Es zeigt das Gesicht einer braunhaarigen Frau mit leicht geöffneten Lippen. Das Pariser Orsay-Museum hat sich zu der Theorie bisher nicht geäußert. Fernier geht davon aus, dass Courbet das Gesicht abgeschnitten habe, um sein Modell zu schützen. Courbet malte den "Ursprung der Welt" im Jahr 1866. Der erste Besitzer des Kunstwerkes, der türkische Diplomat Khalil Bey, versteckte den Akt hinter einem Vorhang. Nur ausgewählten Gäste durften einen Blick auf den Akt werfen.

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1 Leserkommentar vorhanden

Joachim Hauschild-Brutillot

22:43

11 / 02 / 13 // 

Die Courbet-Affäre

Hat art keinen Korrespondenten mehr in Paris? Das Musée d'Orsay hat schon letzten Freitag der Darstellung von Paris Match offiziell widersprochen, die Zeitungen Le Figaro und Le Monde ebenfalls, diese unter der ziemlich witzigen Überschrift "le poid des mots, le choc du faux" (da Gewicht der Worte, der Schock des Falschen), die den Werbespruch von Paris Match paraphrasiert,"le poid des mots, le choc des photos". Außerdem: Jean-Jacques Fernier ist nicht der Verfasser des Werkverzeichnisses von Courbet, das war sein Vater Robert, er ist vielmehr Mitverfasser einer Publikation über den späten Courbet.Inzwischen hat auch das Musée Courbet in Ornans der Darstellung in Paris Match widersprochen. Philippe Dagen, der Kritiker von Le Monde, hält alles für eine "plaisanterie", einen Jux. Letzte Frage: Hat art niemanden, der auch nur ein bißchen französisch spricht?

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