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DIE FÜNF AUSSTELLUNGSTIPPS DER WOCHE

Jede Woche präsentieren wir Kunst, die Sie nicht verpassen dürfen. Diesmal mit einem Mann, der sein Erbrecht für Bücher verkaufte, Schultüten als Beinersatz und klassischen Gesichtern.
// DIANA GREINER
Zürich: Schlangen und Traumata

Laut der Legende verkaufte Aby Warburg (1866 bis 1929) sein Erstgeborenenrecht mit 13 Jahren an seinen ein Jahr jüngeren Bruder Max gegen das Versprechen, ihm alle Bücher kaufen zu müssen, die er wolle.

Tatsächlich wurde Max Teilhaber der Familienbank und finanzierte die teure Bücherleidenschaft seines Bruders Aby, der sich als Kunsthistoriker und Kulturwissenschaftler einen Namen machte. In der Ausstellung "The Law of the Unknown Neighbor" im Migros Museum in Zürich widmet sich der amerikanische Künstler Stephen G. Rhodes in seinen multimedialen Installationen Leben und Werk Aby Warburgs. Eine Station stellen Warburgs Aufenthalt in der Nervenheilanstalt Bellevue und sein "Schlangenritual"-Vortrag 1923 vor Mitpatienten und Ärzten dar. Rhodes greift dabei Verdrängung und Trauma als innere Prozesse und eine Art "nichtlineare Geschichtsschreibung" auf.

Die Ausstellung "Stephen G. Rhodes – The Law of the Unknown Neighbor" ist vom 9. Februar bis zum 21. April im Migros Museum für Gegenwartskunst in Zürich zu sehen. Die Eröffnung findet am 8. Februar um 18 Uhr statt.

Nürnberg: Schultüten und Ironie

Henning Bohls Kunst zeugt von Humor und Ironie. So sind in seiner Ausstellung in der Kunsthalle Nürnberg etwa Skulpturen zu sehen, die Tischen gleichen, aber deren Beine aus Schultüten bestehen, die mit Keilrahmen aus Holz zusammengehalten werden und über die sich eine nach oben gekrümmte Holzfaserplatte befindet. Auch wenn diese Skulpturen Tischen ähneln – ohne Tischplatte und belastbare Beine erfüllen sie den Zweck eines Tisches nicht. Generell hinterfragt Bohl gerne die Funktion von Alltagsgegenständen und nimmt sich auch in seinen Collagen, Zeichnungen und großformatigen Papierschnitten nicht zu ernst. Zeitgleich zeigt die Kunsthalle die Ausstellung "Goodbye Old Paint" mit Bildern von Ulrich Pester. Der Titel verweist einerseits auf den Humor des Künstlers und andererseits darauf, dass er sich und seine Kunst immer wieder neu erfindet.

Die Ausstellungen "Henning Bohl" und "Ulrich Pester – Goodbye Old Paint" sind vom 7. Februar bis zum 31. März in der Kunsthalle Nürnberg zu sehen.

Bielefeld: Vergessen und Identität

Dass fiktive Begebenheiten in den Medien gerne als real verpackt werden, wissen wir nicht erst seit Doku-Soaps und Scripted-Reality. Dass es auch umgekehrt funktionieren kann, belegt die pakistanische Künstlerin Maryam Jafri, deren Arbeiten sich in Video, Fotografie, Text und Performance mit der Realität in Wirtschaft, Geschichte und Geografie beschäftigen und sie fiktionalisieren. Vorab recherchiert sie Geschichten von Menschen und Objekten verschiedener Zeit- und Kulturräume, die sie miteinander verwebt. Neben Maryam Jafris Ausstellung "Backdrop" zeigt der Bielefelder Kunstverein in "Kannibalen" Videos, Fotografien und Zeichnungen des französisch-guyanischen Künstlers Mathieu Kleyebe Abonnenc. Archiv- und Dokumentarmaterial in seine Arbeiten einbeziehend untersucht er die Auswirkungen der (Ent-)Kolonialisierung auf kulturelle Identität und globale Beziehungen sowie das kollektive Vergessen.

Die Ausstellungen "Maryam Jafri – Backdrop" und "Mathieu Kleyebe Abonnenc – Kannibalen" sind vom 9. Februar bis zum 28. April im Bielefelder Kunstverein zu sehen.

Cottbus: Kopf an Kopf

Ob Rembrandt, Tizian oder Caravaggio – die Einzel- und Gruppenporträts der Künstler des 16. und 17. Jahrhunderts folgen ästhetischen Konventionen, die Michael Clegg und Martin Guttmann in ihren großformatigen Fotografien aufgreifen. Das Kunstmuseum Dieselkraftwerk Cottbus zeigt die Porträts im Stile der klassischen Malerei des irisch-israelischen Künstlerduos, das sich 1980 beim Studium an der School of Visual Arts in New York kennenlernte. Als Erweiterung ist die Ausstellung "Kopf an Kopf" zu sehen, die 150 Porträts aus Malerei und Fotografie der Sammlung des Dieselkraftwerks vereint – insbesondere Werke aus der DDR. Vertreten in der Ausstellung sind etwa Carl Lohse, Clemens Gröszer, Alexander Rodtschenko und Thomas Florschuetz.

Die Ausstellung "Clegg & Guttmann: Porträts – Modalitäten und Variationen" ist vom 8. Februar bis zum 28. April und "Kopf an Kopf – Porträts aus der Sammlung des dkw." vom 8. Februar bis zum 31. März im Kunstmuseum Dieselkraftwerk Cottbus zu sehen.

Kiel: "ars viva"-Preis

Georg Baselitz, Anna Oppermann, Mischa Kuball, Keren Cytter – unter den Gewinnern des "ars viva"-Nachwuchspreises für Bildende Kunst findet man einige große Namen. Seit 1953 wird der Preis vom Kulturkreis der deutschen Wirtschaft verliehen. Die Arbeiten der Künstler müssen unter einem Suchbegriff stehen. In diesem Jahr "Systeme", wobei die thematische Zuordnung freisteht. Die Kunsthalle Kiel zeigt die Arbeiten der Gewinner, die den Begriff in Video, Installation, Skulptur oder Fotografie aufgreifen: So widmet sich der Neuseeländer Simon Denny den verschiedenen Kanälen des Fernsehens, der Niederländer Melvin Moti der Informationsaufnahme und -verarbeitung des menschlichen Gehirns und das türkischstämmige Künstlerduo Günyol & Kunt der Identitätsbildung in gesellschaftlichen und politischen Systemen.

Die Ausstellung "ars viva-Preis 2012/2013 – Systeme" ist vom 9. Februar bis zum 12. Mai in der Kunsthalle Kiel zu sehen.

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