Daniel Birnbaum

Interview

"Die Biennale sollte ihre Freiheit nutzen"
Daniel Birnbaum, der nächste Chefkurator der Kunstbiennale in Venedig (Foto: Wolfgang Tillmans)

"DIE BIENNALE SOLLTE IHRE FREIHEIT NUTZEN"

Der Frankfurter Kurator und Rektor der Städelschule, Daniel Birnbaum, wurde zum neuen Direktor der Kunstbiennale in Venedig 2009 gewählt. art sprach mit ihm über die Rolle der Biennale, seinen Vorgänger Robert Storr – und seine Pläne für Venedig.
// SANDRA DANICKE

Herr Birnbaum, wie hat Ihnen die Biennale-Ausstellung 2007 gefallen?

Ich erinnere mich mit Freude an die Bilder von Sigmar Polke. Und an Franz West, natürlich. Nach einem Jahr bleiben ja hauptsächlich individuelle Eindrücke hängen. Zum Schluss geht es um die einzelnen Künstler und um Kunstwerke die man nicht vergisst, und davon gab es einiges. O ja, Sophie Calle im Französischen Pavillion!

Das sind sehr etablierte Künstler. Werden Sie weniger gesicherte Positionen zeigen als Ihr Vorgänger?

Ehrlich gesagt, bekannt oder unbekannt ist mir ziemlich egal. Ich möchte nicht etablierte Künstler vermeiden. Könnte ich Francis Picabia überzeugen eine neue Arbeit für die Biennale zu machen – warum nicht? Wird aber nicht leicht. Es geht mir hauptsächlich darum, dass ich die produktive Möglichkeiten der Biennale betonen will. Auf jeden Fall wäre es spannend, dort Sachen zu zeigen, die man sonst nicht so oft sehen kann. Vielleicht sogar Werke die vor Ort entstanden sind.

Zum Beispiel?

Ich weiß es noch nicht. Das Konzept ist noch recht offen, und ein Team gibt es auch noch nicht. Die Berufung ist doch erst ein paar Tage her. Ich weiß nur soviel: Die Ausstellung muss nicht beeindruckend sein im Sinne von Prestige und Status. Aber sie sollte präzise sein und eine Sichtweise auf die Kunst und auf die Welt überzeugend vermitteln.

Waren Sie denn überrascht, dass man Sie ausgewählt hat?

Es war schon eine Überraschung, dass es wirklich dazu kam. Aber man hatte mich natürlich vorher gefragt, ob ich als Kandidat zur Verfügung stehe. Ich weiß immer noch nicht so genau, wie da der Entscheidungsprozess abläuft.

Warum glauben Sie hat sich die Stiftung gerade für Sie entschieden?

Ich glaube, man hat das Gefühl, dass die Biennale gerne ein bisschen was riskieren soll und ein Ort des Experiments sein soll – was immer das heißen mag.

Von Ihnen ist demnach keine Ausstellung zu erwarten, die man auch in einem Museum zeigen könnte.

Es gibt in Venedig eine Guggenheim Foundation, es gibt die Sammlung von François Pinault, dem mächtigsten Privatsammler der Welt. Es wäre irgendwie unnötig, wenn man denen mit einer Ausstellung Konkurrenz machen wollte. Es gibt Sachen, die Pinault viel besser machen kann und die man lieber ihm überlässt. Andererseits sollte die Biennale die Freiheit nützen, dass sie unabhängig von den vom Markt diktierten Hierarchien arbeiten kann. Für mich persönlich ist das sowieso das Interessantere. Ich war ja nie Museumsdirektor, auch wenn ich viel für große Museen gearbeitet habe, wie zum Beispiel das Pariser Centre Pompidou. Ich hatte auch nie etwas mit dem Kunstmarkt zu tun und wäre wahrscheinlich ein furchtbar schlechter Verkäufer.

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