Gregor Schneider

Kunstskandal

"Ich will die Schönheit des Todes zeigen"
Gregor Schneider, "Kind (sitzend ohne Kopf), 2004 (Foto: Museum Franz Gertsch, 2008)

"ICH WILL DIE SCHÖNHEIT DES TODES ZEIGEN"

Skandal um den Künstler Gregor Schneider: Der 39-jährige will in einer Ausstellung einen Todkranken beim Sterben zeigen. Angeblich hat Schneider bereits Kontakt zu einem Kunstsammler, der sich als Ausstellungsobjekt zur Verfügung stellen würde. Politiker und Kritiker verurteilen die Idee als pervers und entmenschlicht.
// KAREN BOFINGER / DPA

Der Künstler Gregor Schneider will den intimen Moment des Todes öffentlich machen. Er plant, im Rahmen einer Ausstellung das Sterben eines Todkranken zu zeigen – oder einen frisch Verstorbenen zu präsentieren. Damit wolle er "die Schönheit des Todes zeigen", sagt Schneider. Nach eigener Aussage steht er bereits im Kontakt mit einem Kunstsammler, der sich für das Projekt zur Verfügung stellen möchte. Auch den passenden Raum dafür hat er bereits in seinem Atelier in Mönchengladbach nachgebaut: Es ist ein heller, von Mies van der Rohe entworfener Raum des Museums Haus Lange in Krefeld.

Der Direktor der Krefelder Kunstmuseen, Martin Hentschel, erfuhr von Schneiders Plan durch die Medien. In seinen Augen wäre eine solche Aktion "ein bloßes Spektakel", das mit Kunst wenig zu tun habe, sagte er der "Rheinischen Post". Härtere Worte findet der Vorsitzende des Krefelder Kunstvereins, Paul Kathstede: "Ich finde das Wort pervers für diese Idee noch zu schwach".

Der nordrhein-westfälische Kulturstaatssekretär Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff nannte Schneiders Plan eine "unausgegorene Idee", und fragt: "Muss Kunst nicht, nachdem alle Tabus gebrochen sind, sogar dazu beitragen, Tabus wieder zu errichten?" Auch die Deutsche Hospiz Stiftung warnt: "Wenn wir alle Tabus niederreißen, sind wir eine enthemmte und würdelose Gesellschaft", so Stiftungsvorstand Eugen Brysch.

Gregor Schneider sieht das anders: "Die Realität des Sterbens in deutschen Kliniken, Intensivstationen und Operationssälen ist grausam, das ist der Skandal. Der Tod und der Weg dahin ist heute Leiden. Die Auseinandersetzung mit dem Tod, wie ich sie plane, kann uns den Schrecken vor dem Tod nehmen." Bereits seit 1996 verfolge ihn die Idee, einen Sterbenden oder Toten auszustellen.

In seiner Ausstellungsvision würde der Sterbende im Mittelpunkt stehen: "Alles passiert in Absprache mit den Verwandten. Es wäre eine private Atmosphäre mit einer Besucherregelung." Der Raum schaffe die nötige Würde und den Schutz. Er selbst könne sich vorstellen, in einem privaten Bereich eines Museums zu sterben, sagt Schneider. Genau dies ist die Forderung in zahlreichen Internetforen, in denen Schneiders Plan hitzig diskutiert wird. Warum wartet der Künstler nicht bis zu seinem eigenen Sterben, um dann sich selbst zu inszenieren? Inzwischen erhielt Schneider nach eigenen Angaben zahlreiche Schmäh- und Drohbriefe. Er äußerte sich erschüttert über die Reaktionen.

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8 Leserkommentare vorhanden

Peter Hansmann

15:37

22 / 04 / 08 // 

Gregor Schneiders neue Arbeit

Die geplante Arbeit von Gregor Schneider ist wahrscheinlich viel klüger als die meisten Leute momentan vermuten. Mit Sicherheit geht es ihm nicht darum ein Spektakel zu inszinieren, sondern die Bedeutung des Lebens gerade durch den Gegensatz des Todes darzustellen. Es scheint mir, dass es sich um eine sehr bedeutsame Arbeit handelt. Peter Hansmann

Werner Hahn

10:23

23 / 04 / 08 // 

Die geplante Sterbe/Tod-Performance ist keine KUNST!

Keine KUNST: Die Sterbe/Tod-Performance des Nosferatu vom Niederrhein Mit seinem Sterbe-„Raum-Kunstprojekt“ wolle Herr Schneider (Mönchengladbach) seinem Ruf als „unheimlichster Künstler der Gegenwart“ neue Nahrung geben, liest man. In «The Art Newspaper» hatte der Nosferatu vom Niederrhein (FAZ) geäußert: „Mein Ziel ist es, die Schönheit des Todes zu zeigen“; in einer Sterbenden-„Kunst“-Ausstellung – mit realem Sterbeakt. Der FDP-Mann Christoph Waitz, sprach in Berlin von einem “Missbrauch künstlerischer Freiheit“. Bei der Deutschen Hospiz Stiftung lösten die „Kunst“-Pläne Kopfschütteln aus: Die Kulturschaffenden in Deutschland sollten sagen: „Hier machen wir nicht mehr mit“. Als „Falschmeldung“ recherchierte die taz, dass angeblich eine Düsseldorfer Pathologin bei der „Suche nach kunstaffinen Sterbenden“ (angeblich „Kunstsammler“) helfen wollte. Schneider wolle „mit dem Moment des Todes die letzte Grenze der Kunst erobern“, meinte die SZ (Kommentator Kreye: „Das Ende der Tabus“), Zum Mediengewitter über dem linken Niederrhein gab Kollege Holger Liebs in der SZ (22.4.) ein kurzes Resümee: Schneiders Performance-Vorhaben sei gar keine KUNST! Es ist „nicht angängig, den Kunstbegriff dadurch auszuhöhlen, dass die Nichtkunst der Kunst gleichgestellt wird, und dann unter Berufung auf diese Gleichstellung auch die Freiheit der echten Kunst einzuschränken“ (Bundesverwaltungsgericht). (Mehr: www.art-and-science.de, Link „Kunstbeurteilung – Kriterien“.)

Werner Hahn

11:44

23 / 04 / 08 // 

Geplante Sterbe/Tod-Performance ist keine KUNST!

Mit seinem Sterbe-„Raum-Kunstprojekt“ wolle Herr Schneider (Mönchengladbach) seinem Ruf als „unheimlichster Künstler der Gegenwart“ neue Nahrung geben, liest man (Ruhrnachrichten). In «The Art Newspaper» hatte der Nosferatu vom Niederrhein (FAZ) geäußert: „Mein Ziel ist es, die Schönheit des Todes zu zeigen“; in einer Sterbenden-„Kunst“-Ausstellung – mit realem Sterbeakt. Der FDP-Kultur-Mann Christoph Waitz sprach in Berlin von einem “Missbrauch künstlerischer Freiheit“. Bei der Deutschen Hospiz Stiftung lösten die „Kunst“-Pläne Kopfschütteln aus: Die Kulturschaffenden in Deutschland sollten sagen: „Hier machen wir nicht mehr mit“. Als „Falschmeldung“ recherchierte die taz, dass angeblich eine Düsseldorfer Pathologin bei der „Suche nach kunstaffinen Sterbenden“ (angeblich einem „Kunstsammler“) helfen wollte. Schneider wolle „mit dem Moment des Todes die letzte Grenze der Kunst erobern“, meinte die SZ (Kommentator Kreye: „Das Ende der Tabus“). Zum Mediengewitter über dem linken Niederrhein gab Kollege Holger Liebs in der SZ (22.4.) ein kurzes Resümee: Schneiders Performance-Vorhaben sei gar keine KUNST! Es ist „nicht angängig, den Kunstbegriff dadurch auszuhöhlen, dass die Nichtkunst der Kunst gleichgestellt wird, und dann unter Berufung auf diese Gleichstellung auch die Freiheit der echten Kunst einzuschränken“ (so das Bundesverwaltungsgericht). (Mehr: www.art-and-science.de, Link „Kunstbeurteilung – Kriterien“.)

Eckhard C. (Leben ist mehr)

02:13

24 / 04 / 08 // 

Öffentliches Sterben unter dem Deckmantel „Kunst“ –

oder "Kunst als Markt der Aufmerksamkeitsökonomie" Welchen Kick braucht der Mensch wohl heute noch, während er sich am Tod und Leid anderer Menschen ergötzt? „Der über Leichen geht - Gunther von Hagens und seine >Körperwelten< ist ein treffender Buchtitel von Torsten Peuker und Christian Schulz von 2004 zu „Körperwelten“, dem Titel einer seit 1996 bestehenden Wanderausstellung plastinierter, überwiegend menschlicher Körper. Die Ausstellung ist auf Grund der Exponate umstritten. In Deutschland wurden teilweise nicht alle Werke gezeigt. Initiator der Ausstellung ist der Anatom Gunther von Hagens. Sicherlich gibt es mittlerweile perversere Abartigkeiten, als die dem Künstlerhirn des „unheimlichsten Künstlers der Gegenwart“ Gregor Schneider 1996 entsprungene Idee des geplanten öffentlichen Spektakels der öffentlichen Zurschaustellung eines Menschen, der eines natürlichen Todes stirbt oder einer sterblichen Hülle eines soeben verstorbenen Mitmenschen. Schneider will es von Gunther von Hagens nachmachen. Gaffer bei Körperwelten. Gaffer bei täglichen Unfällen mit Toten auf der Autobahn. Nun soll es wieder etwas zu Gaffen geben. Gaffer bei dem öffentlichen Spektakel der Zurschaustellung eines Menschen, der eines natürlichen Todes stirbt oder einer Leiche, einer sterblichen Hülle eines soeben verstorbenen Menschen. Öffentlicher Todeskampf im Museum. Gregor Schneider will nach seinen Aussagen damit die Schönheit des Todes zeigen und will in seinem Werk alle bisher gekannten Grenzen überschreiten. Der Tod tritt bei Gregor Schneider in Echtzeit ins Leben, die allerdings gleichzeitig die Würde des Sterbenden in Frage stellt. Die Würde des Menschen ist unantastbar (Artikel 1 GG). Jeder Mensch weiß, dass das Leben unweigerlich irgendwann mit seinem irdischen Tod verbunden ist und endet. Schneider ist wohl tatsächlich davon überzeugt, dass den Menschen mit dem öffentlichen Tod im Museum, jedoch "in einer privaten Atmosphäre mit Besuchsregelung" der

Eckhard C. (Leben ist mehr)

02:15

24 / 04 / 08 // 

Öffentliches Sterben unter dem Deckmantel „Kunst“ –

oder "Kunst als Markt der Aufmerksamkeitsökonomie" (Teil 2) ... Schrecken vor dem Tod genommen wird. Die Idee von Schneider ist nichts weiter als der Versuch einer Provokation in einer bereits seit Jahren enthemmten und würdelosen Gesellschaft mit einer Vielzahl von Voyeuren. Diese geplante geschmacklose Aktion, die dem Künstler in erster Linie dazu dienen soll, um damit lange und gut leben zu können, hat nichts mit einer Ausdrucksform der Schönen Künste gemeinsam. Schneider will nicht in die Schlagzeilen, nein, er ist schon mittendrin und will mit seinem „Werk“, dieser „ultimativen Performance“ selbst mitgestalten und an Popularität gewinnen. Ethische und christliche Werte werden von Schneider verachtet und mit Füßen getreten und der Tod, die Endlichkeit des irdischen Lebens und Seins, würde mit dem geplanten öffentlichen Spektakel der Zurschaustellung eines Menschen, der eines natürlichen Todes stirbt oder einer Leiche eines soeben verstorbenen Menschen, nichts weiter als zu einer Bühnennummer verkommen. Schneider sollte in die Schranken gewiesen werden. Gregor Schneider und allen Menschen sei angeraten, sich vor dem irdischen Tod lieber mit dem Leben nach dem Tode und mit der Unsterblichkeit der Seele zu beschäftigen. Vergessen wir Gregor Schneider, den vielleicht z. Zt. „schrecklichsten Künstler der Gegenwart“ und boykottieren wir ihn. Wollen wir uns hinbegeben in das Wort der Bibel und dem HERRN JESUS CHRISTUS begegnen und neue Perspektiven gewinnen für das Leben und den Tod. Nur sein Wort ist stärker als der Tod. Nur sein Wort kann uns im Todesdunkel tragen und halten. Denn wer heimkehrt zum Herrn, bleibt in der Gemeinschaft der Gottesfamilie und ist uns nur vorausgegangen. Wohl uns, wenn wir von unseren Entschlafenen sagen können, sie sind zum HERRN gegangen.

Albert Keller

08:34

24 / 04 / 08 // 

Unheimlich...

...ist an Herrn Schneider nur sein Umgang mit dem Begriff "Kunst". Ansonsten ist der Mann einfach nur überbewertet, wie so viele zeitgenössische "Künstler". Diese Überbewertung scheint in Deutschland relativ weit verbreitet zu sein...

Werner Hahn

18:03

24 / 04 / 08 // 

ARS MORIENDI, Big-Brother-Nichtkunst und „Kunst“-Narren

Das Todes-„Kunstraum“-Projekt gepaart mit „Geltungsdrang“ des religiösen „Künstlers“ ist Skandal-„Kunst“: Die lebhafte Erörterung über „Sterben als Kunstwerk“ sollte zu einer sachlichen, ernsten und ehrlichen Diskussion über das Thema Sterben & Tod führen. „ARS MORIENDI“ meint seit der Antike (Platon, Seneca) ein „im Angesicht des Todes“ bewusst gestaltetes Leben („ars vivendi“). Einen Sterbenden oder Toten im Museum zu präsentieren - das ist nicht KUNST (sagen die meisten), sondern ein Schau-Event, der Nervenkitzel bedient. Leben im Angesicht des Todes, Vorbereitung auf einen guten Tod – das wird bereits im 15. JH in Sterbebüchern („Ars bene moriendi“) diskutiert. Eitle Ruhmsucht könnte als Versuchung des Teufels ausgelegt werden. Das Thema „ARS MORIENDI“ ist heute rund um Euthanasie-Debatte, Intensivpflege im Krankenhaus und Sterbebegleitung (Hospizbewegung) wieder aktuell. Horror & Spektakel der Nicht- und Anti-Kunst-Szene sind gefragt evtl. zur documenta 13. Kunst-Markt-Schreierische Objekte wie Damien Hirsts diamantenbesetzter Totenschädel, G. von Hagens Objekte etc. sollten wir vergessen. Schneiders Ansinnen zum Sterben-Tod-Nichtkunst-Projekt narrt die Medien-Welt! Sterben/Tod ohne „Kunst“-Geschrei diskutieren!

Werner Hahn

09:52

28 / 04 / 08 // 

Kunst darf NICHT alles: ZDF-aspekte-Irrtum

In seinem „Kulturmagazin“ stellte ZDF-aspekte-Macher Herles (Redaktionsleiter) die Frage: „Ist der Tod im Museum Kunst oder nicht vielmehr der Tod der Kunst?“ Der am 26.4. ausgestrahlte Beitrag verweist auf den „Leichnam von Italiens Lieblingsheiligem Padre Pio im Glassarg“, Papst Johannes Paul II. qualvolles Siechen in der Öffentlichkeit, die Hinrichtung von Saddam Hussein, Polit-Mumien etc. Schneiders Ansinnen zum Sterben-Tod-Nichtkunst-Projekt wurde durch billige Kommentare des Anti-Künstlers vorgestellt, ohne das Thema „Tod der Kunst“ zu diskutieren. Wieder wurde der Voyeurismus von „Kunst“-Narren in der Medien-Welt bedient! Dass sich seriöse Kunstkritiker in Feuilletons (SZ, FAZ, FR, TAZ, ZEIT, NZZ …) gegen Schneiders Vorhaben aussprachen, scheint "Kultur"-Mann Herles, der uns schon Kochen/Essen Adrias als „Kunst“ zur documenta 12 verkauft hat (cicero.de), nicht wahrnehmen zu wollen. Missbrauch der Kunstfreiheit, Mord an der Kunst! Nicht- und Antikunst geht hier über Leichen.