Otto Mueller

Duisburg



STILIST MIT ENGEM REPERTOIRE

Das Lehmbruck-Museum zeigt Otto Muellers symbolistisches Bild "Lukretia" als Wegbereiter der expressionistischen Brücke: ein zweifelhafter Versuch, den Maler in ein anderes Licht zu rücken.
// MICHAEL KOHLER, DUISBURG

Als die jungen Brücke-Künstler noch nach Anregungen suchten, ließen sie sich beinahe auf alles ein, was ihnen nicht wilhelminisch schien.

Trotzdem ist es erstaunlich, was die Kuratoren dieser Otto-Mueller-Schau herausgefunden haben wollen. Nach ihren Recherchen begeisterten sich die Brücke-Gründer Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel und Karl Schmidt-Rottluff für ein 1903 entstandenes Gemälde von Mueller (1874 bis 1930), auf dem er die sich selbst erdolchende "Lukretia" im Stil des Symbolismus verewigt hatte. Obwohl von dieser erschreckend tugendhaften Femme fatale kein gerader Weg zum Expressionismus führt, wurde Mueller in Ehren in die Brücke-Gemeinschaft aufgenommen und wandelte sich dort zum Maler pflanzenhafter Frauen und modernistischer Zigeunerbilder.

Das angebliche Erweckungserlebnis durch den Anblick von "Lukretia" ist das formal stärkste Argument, mit dem das Werk des wahlweise als "Zigeuner-Mueller" gepriesenen oder abqualifizierten Malers im Duisburger Lehmbruck-Museum umgewertet werden soll. Auch Wilhelm Lehmbruck, den Namensgeber des Museums, ziehen die Kuratoren als Jünger der länglichen Mueller-Mädchen heran, was die These nicht viel stärker macht. Weder durch den Augenschein noch durch die Katalogtexte wird man von Muellers Rolle als großem Brückenbauer der Kunstgeschichte überzeugt. Stattdessen erscheint dieser in der umfangreichen und sehenswerten Schau als der herausragende Stilist mit engem Repertoire.

Neben der romantisch stilisierten Heimatlosigkeit der Roma hatte der Maler eine zweite Leidenschaft: junge nackte Frauen, die er mit eckigen Kurven in eine andächtige Natur setzte. Es sind diese in sich ruhenden Akte und ja, auch die stille Poesie der Zigeunerbilder, die für Muellers Bedeutung sprechen. Beredter jedenfalls als die Argumente der Kuratoren.

Einfach. Eigen. Einzig: Otto Mueller

Duisburg, Lehmbruck-Museum Bis 24.2. Der dreibändige Katalog kostet im Schuber 35 Euro, die einzelnen Bände sind für je 15 Euro erhältlich

http://www.duisburg.de

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