Matthew Darbyshire

Starter

Rosige Aussichten
Matthew Darbyshire: "Palac" 2009, Installationsansicht bei der Tate Triennial, London 2009 (Courtesy Herald St, London)

ROSIGE AUSSICHTEN

In seinen bonbonbunten Rauminstallationen verbindet der britische Künstler Matthew Darbyshire klassisches Design mit ironischer Gesellschaftskritik.
// HANS PIETSCH

Matthew Darbyshire baut Räume, deren oft grelle Bonbonfarbigkeit den Augen wehtut.

Seine ironischen Statements treffen den Nagel auf den Kopf, sie machen anschaulich, dass wir in unserer von Konsum und Entertainment geprägten Gesellschaft nie die uns versprochene Wahl haben, und dass die uns ständig vorgegaukelte rosige Zukunft nicht eintrifft. Darbyshire studierte Bildhauerei an der Slade School of Fine Art bei Phyllida Barlow, die einer ganzen Generation von Künstlern den Weg wies.

Als er wegen einer Rückenverletzung ein Jahr im Bett verbringen musste, verlagerte er seine Aufmerksamkeit auf das zeitgenössische Design. Die Installation "Blades House" in der Londoner Produzentengalerie Gasworks gab 2008 seinem neu gefundenen Inter­esse Form. Seine auf einem realen Grundriss basierende Sozialwohnung stattete er mit Möbeln von Arne Jacobsen, einem iPod und Grafiken von Takashi Murakami aus, als habe sich ein schicker Yuppie im ehemaligen Zuhause eines Sozialhilfeempfängers eingenistet. In der von Margaret Thatcher angestrebten klassenlosen Gesellschaft von Hausbesitzern, so sagte er mit seiner Arbeit, verdrängt lediglich eine Klasse die andere.

Seine Schau "T Rooms" in der Galerie des Kulturzentrums Tramway in Glasgow drehte diese Idee weiter, und auf der Tate-Triennale in London rekonstruierte er 2009 Innenräume von Warschaus Kulturpalast und des Kunstzentrums The Public in Mittelengland. Beide Institutionen, die eine mit ihrer kommunistischen Ideologie, die andere mit ihren interaktiven Computerspielen, gibt es so heute nicht mehr. Sie machen deutlich, so glaubt der Künstler, dass sich Kultur nicht verordnen lässt. Vor zwei Jahren wickelte er seine Ostlondoner Galerie Herald St in ein 15 Meter langes Spruchband ein, auf dem er den armen Stadtbezirken, in denen die Olympischen Spiele 2012 stattfinden würden, "einen aufregenden urbanen Lebensstil" sowie "einen Zufluchtsort für die Sinne" versprach. "Alles muss heute spektakulär und denkwürdig sein", sagt der Künstler.

Steckbrief

Geboren: Cambridge, England, 1977.

Wohnort: Rochester, England.

Ausbildung: Slade School of Fine Art, London; Royal Academy Schools, London.

Galerie: Herald St, London.

Initialzündung: Sich mit den falschen Leuten einlassen.

Höhepunkt: Meine "T Rooms"-Ausstellung/Kollaboration Anfang des Jahres im Tramway, Glasgow.

Tiefpunkt: Ein unverdienter Verriss der oben genannten Schau von einem bitteren Niemand – völlig irrelevant und hat trotzdem geschmerzt.

Helden: Martin Kippenberger, Robert Gober, Marcel Broodthaers, Hans-Peter Feldmann und einige geliebte Menschen, die hoffentlich wissen, dass sie gemeint sind.

Credo: Was auch immer funktioniert.

Ein Rat, der ihnen geholfen hätte: Versuch’s nicht.

Warum Künstler, nicht Banker?: Weil ich sonst schon hinter Gittern wäre.

http://www.saatchi-gallery.co.uk

Kommentieren Sie diesen Artikel

0 Leserkommentare vorhanden

Abo