Andy Warhol

Humlebaek



DER FRÜHE WARHOL

200 Blätter zeigen eine unbekannte Seite des amerikanischen Pop-Künstlers: seine frühen Zeichnungen.
// CLEMENS BOMSDORF

Der Gesichtsausdruck des jungen Mannes auf dem Bild erinnert an die Porträts von Egon Schiele, ebenso die Art, in der sein Hemd Falten wirft, und die Hand mit ihren knochigen Fingern.

Doch statt sich lasziv oder verträumt dem Betrachter hinzugeben, wie es Schieles Porträtierte gerne tun, setzt dieser sich gerade einen Schuss in die Venen des linken Arms. Jetzt sind die frühen Zeichnungen Andy Warhols erstmals in einer Museumsausstellung zu sehen. "Unser Haus hat viel Warhol gezeigt und besitzt einige Werke. Ich finde das Material extrem interessant, weil es eine unbekannte Seite des großen Pop-Art-Künstlers offenbart", sagt Poul Erik Tøjner, Direktor des dänischen Museums Louisiana und Kurator der Ausstellung. Auf dem Stand des Münchner Galeristen Daniel Blau auf der Art Basel hatte er die Zeichnungen Warhols entdeckt. "Hier wird der Öffentlichkeit erstmals gezeigt, wie Warhol, bevor er bekannt wurde, gezeichnet hat, und da lässt sich ein leichter Strich erkennen und gleichzeitig Themen wie Schmerz und Oberflächlichkeit", so Tøjner. Rund 200 Arbeiten sind in der Ausstellung zu sehen. Darunter auch "Tom" (1954), ein androgyner Jüngling im Profil, der wie ein junger David Bowie von Wolfgang Joop gezeichnet wirkt. "Warhols damalige Ästhetik und die der Mode und Modefotografie oder -zeichnung liegen nah beieinander", sagt der Kurator.

Vor ein paar Jahren zeigte Louisiana Warhol und Edvard Munch in einer gemeinsamen Ausstellung. Diesmal stehen die Zeichnungen Warhols für sich alleine. Tøjner: "Warhol ist einer der wenigen Künstler, dessen Werk jedem Museumsbesucher in irgendeiner Weise ein Begriff ist. Das macht es möglich, dass sich die Leute voll auf seine Zeichnungen, die sie ja noch nie gesehen haben, konzentrieren und diese für sich entdecken können."

Andy Warhol – Frühe Zeichnungen

Humlebæk, Louisiana Museum of Modern Art, 8.1.-21.2.

Der Katalog erscheint im Hirmer Verlag, 39,90 Euro. Nächste Stationen: Haarlem, Teylers Museum, 2. Juni bis 1. September; München, Staatliche Graphische Sammlung, September bis November

http://www.louisiana.dk

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