Akt Now!

Aktfotografie

Akt Now: Osmyn Oree
Die Nacktheit der Personen vor seiner Kamera spielt für Osmyn Oree eher eine Nebenrolle, ihn interessieren ihre Emotionen und Geschichten. Osmyn Oree: "The Power of Nothing" (© Osmyn Oree)

AKT NOW: OSMYN OREE

Unsere Serie präsentiert jede Woche die besten Aktbilder internationaler Fotografen. Diesmal: Osmyn Oree

Was reizt Sie an dem Thema Akt?

Die Nacktheit reizt mich nicht mehr an meiner Arbeit. Was mich reizt, ist die Person vor mir und die Herausforderung, der ich gegenüberstehe, wenn ich sie fotografiere.

Die Nacktheit in meinem Werk ist beinahe nebensächlich und besitzt doch eine Priorität, weil ich möchte, dass sie stark, aber geschmackvoll ist. Als ich zum ersten Mal Nackte fotografierte, fühlte ich, dass sie schön sind. Ich wollte auch meine voreingenommene Sicht auf das Nackte in der Fotografie ändern und die Nacktheit als Ausgangspunkt nutzen, um eine "rohe" Wahrnehmung für die Person zu erzeugen, die ich fotografiere. In den fünf Jahren haben sich meine Ziele in der Aktfotografie verändert, und ich sehe keinen nackten Körper mehr vor mir. Ich sehe eine Geschichte und eine Herausforderung, ein Gefühl oder irgendetwas Mächtiges, das die Menschen dazu bringt, über das nachzudenken, was sie sehen.

Wie weit würden Sie gehen? Gibt es Tabus?

Ich gehe nur soweit, dass das Model und ich uns damit noch wohlfühlen. Es gibt gewisse Dinge, die ich immer sicherstellen will, wenn ich fotografiere. Diese Strategie hilft mir als Künstler und als Person zu wachsen. Ich bin weder darauf aus, mit meiner Arbeit zu schockieren, noch will ich einen erotischen oder sexy Blickwinkel. Ich will, dass alles natürlich und ruhig ist, beinah gelassen. Ich würde nicht sagen, dass ich aus meiner Komfortzone nicht herausgehen könnte, aber wenn es meine Beziehung mit dem Model gefährdete und das, was meine Arbeit repräsentiert, täte ich es nicht.

Wann wird ein Akt zum Kunstwerk?

Ich glaube, dass jede Aktfotografie Kunst sein kann, solange sie eine Aussagekraft hat und die Person, die sie gemacht hat, sich mit ihr stark fühlt. Oft ist Nacktheit in der Fotografie nur sexuell und es ist nur eine hübsche Frau in High-Heels oder Make-up. Derartige Fotografien sind meiner Meinung nach lediglich für das Vergnügen und haben keinen künstlerischen Wert. Ich halte diese Art der Fotografie nicht für Kunst. Du musst ein Ziel vor Augen haben, wenn du jemanden bittest sich auszuziehen und ihn fotografieren zu dürfen.

Gibt es inspirierende Vorbilder?

Es gibt viele Dinge, die mich inspirieren! Meine Freunde, meine Familie, wo ich wohne, um nur einige der Dinge zu nennen. Inspiration kann in allem gefunden werden und in meiner Fotografie wieder zu Bewusstsein kommen. Ob es nun kleine Dinge sind wie das, was jemand mit den Händen macht, wenn er auf mich wartet, oder die Art und Weise, wie das Licht jemanden ins Gesicht fällt, während er posiert. Ich suche immer nach Dingen, die mich und meine Fotografie besser machen, als sie sind. Mona Kuhn ist eine große Inspiration für mich, ihre Arbeit ist makellos. Sehr einfach in der Technik, aber sie trifft damit den Punkt. Die pulsierenden Farben, die beruhigenden Töne, das liebe ich daran. Was mich an ihrer Arbeit fesselt, ist, dass ich die Nacktheit erst auf den zweiten Blick wahrnehme und das Bild zuerst. Es ist etwas, von dem ich hoffe, es in meiner eigenen Arbeit, in zukünftigen Projekten, zustandezubringen.

Was war der peinlichste Moment?

Was erleben Fotografen nicht für peinliche und lustige Momente? Ich fotografierte in der Öffentlichkeit und in Parks und da gab es viele Dinge, die bei vielen Fotos passierten. Ich wäre dreimal fast von einem Zug überfahren worden. Ich musste einmal vor den Parkwächtern flüchten. Ich wurde von Passanten bei Aktshootings erwischt, und viele Leute können damit nicht gut umgehen. Oh, einmal wurde ich sogar von Kindern erwischt, die einen Tagesausflug mit ihrer Betreuerin machten. Nur ein paar der „aufregenden“ Momente, die ich beim Fotografieren erlebte.

Welche Rolle spielen die Inszenierung und der Zufall in Ihren Fotografien?

Etwas zu inszenieren ist kein Faktor meiner Arbeit mehr. Ich war nach Posen und Bildern aus, die ich online gesehen hatte oder Arbeiten, die jemand anderes gemacht hatte. Ich habe mir den Aufbau ganzer Shootings danach diktieren lassen. Inzwischen lasse ich das Model für gewöhnlich einfach entspannen und sich alles zusammenfügen. Für das, was ich mit meiner Arbeit erreichen will, finde ich es viel besser, mit der Person zu reden und ihre natürlichen Bewegungen in den Posen zum Vorschein kommen zu lassen. Das ist ein Grund, weshalb ich lieber mit Freunden und Personen, die mir nahe stehen, arbeite, anstatt Models zu engagieren. Leute, die normaler Weise nicht modeln, sind für mich viel interessanter und posieren nicht so, wie es die Models tun. Sie brauchen mehr Einweisungen, was für mich okay ist, aber sie verstehen auch, dass es eine Zusammenarbeit zwischen mir und ihnen ist, die ein Stück Kunst erzeugt.

Welches Projekt würden Sie gerne einmal realisieren?

Ich arbeite gerade an einem Bündel neuer Ideen für Projekte. Zwei Ideen beinhalten ein Aktporträt von mir selbst, im einen Fall von mir selbst aufgenommen, im anderen Fall als Model für andere, die mich nackt fotografieren. Ich würde Künstler wollen, die Übung im Fotografieren haben und welche, die sie nicht haben. Daraus soll das Projekt erblühen. Das Projekt würde sich mehr auf meine Erfahrung vor einer Vielzahl von Leuten zu modeln fokussieren. Und auf die Interpretation der Vorstellungen anderer Künstler für das Nackte und wie sie mich fotografieren. Abgesehen von diesen beiden Unternehmen will ich meine Arbeit fortsetzen, aktuell eine Serie nackter Männer und Frauen unter dem Titel "Exposed" ("Entblößt") und "Sensitive“ ("Empfindsam").

Steckbrief:

Hochschule/ Ausbildung:
Pennsylvania College of Art and Design, 2012

Alter: 24

Webseite:
osmynjoree.tumblr.com

http://www.osmynjoree.com

osmynoreephotography@gmail.com

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1 Leserkommentar vorhanden

opp

10:33

08 / 01 / 13 // 

miserabel

Ich staune, was hier für eine miserabel Arbeit vorgestellt wird. Das ist schon eine Zumutung. An diesen Fotos stimmt eines, der Dilettantismus!

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