Fischli & Weiss

Deichtorhallen

"Ein verschmitzter Forschergeist"
Peter Fischli / David Weiss, "Modeschau (Die Wurstserie)", 1979, Fotografie (© 2008 Peter Fischli / David Weiss)

"EIN VERSCHMITZTER FORSCHERGEIST"

"Was wartet auf uns in den Tiefen des Alls?", "Wissen die Murmeltiere, wie schön sie es haben?" und "Ist es der Sinn der Arbeit, keine Zeit mehr zu haben?" – Fragen wie diese sind die Spezialität des Schweizer Künstlerduos Peter Fischli und David Weiss.
// CAROLA GROßE-WILDE, DPA

Nach Stationen in London, Paris und Zürich zeigen die Hamburger Deichtorhallen bis zum 31. August die erste Retrospektive der vielfach ausgezeichneten Künstler in Deutschland. Zu sehen sind unter anderem ihr Film "Der Lauf der Dinge", erstmals zu sehen auf der documenta 8, die Multimedia-Installation "Arbeit der Fragen", Gewinner des Goldenen Löwen 2003, und neue Tonskulpturen aus ungebranntem Ton aus dem Jahr 2007.

"Seit ihren Anfängen 1979 gilt ihr Augenmerk dem alltäglichen, dem unscheinbar Banalen», sagte die Kuratorin Bice Curiger am Donnerstag in Hamburg. "Es ist ein verschmitzter Forschergeist, der sie treibt und der uns als stets überraschte Betrachter mitzieht in ihre entwaffnende Aufarbeitung der uns umgebenden Welt." In ihrem Werk zeigen die beiden mit Fantasie, Witz und Hintergründigkeit das Alltägliche aus überraschend neuen Perspektiven.

Mit kindlichem Entdeckergeist untersuchen sie ihre Umgebung. So drehten sie 1980 ihren ersten Film. In "Der geringste Widerstand" spazieren die beiden als Ratte und Bär verkleidet durch Berg und Tal und erklären die Welt auf ihre Weise. "Ich hasse dieses Chaos auf der Welt. Nichts funktioniert. Alles ist hoffnungslos und traurig", sagt der Bär.

In einem anderen Streifen erleben Haushaltsgegenstände eine absurde Kettenreaktion mit Explosionen und Kollisionen. Der Film "Der Lauf der Dinge" avancierte zum Publikumshit auf der Documenta 8 1987 in Kassel. Der projizierte Film wird in der Ausstellung zum ersten Mal mit dem "Making of" konfrontiert, wodurch der Betrachter einen weiteren Einblick in den unvergleichlichen Humor der beiden Künstler erhält. Gezeigt werden auch die "Wurstserie" (1979), ihr erstes gemeinsames Werk, eine Serie von zehn Fotografien, für die sie Würste und Wurstscheiben mit Abfällen zu unterschiedlichen Situationen des Alltags arrangierten – wie ein Teppichlager, ein Verkehrsunfall oder eine Modenschau.

Mit Hilfe von kleinen, von Hand modellierten Tonfiguren aus ungebranntem Ton versuchen sie in "Plötzlich diese Übersicht" ein Skulptur-Pendant zu ihrer systematischen Lektüre des Universums zu schaffen – von "Der erste Fisch beschliesst an Land zu gehen" bis zu "Moderne Siedlung". Dabei halten die beiden alltägliche Situationen fest, die mit dem erwähnten Kulturereignis nur entfernt zu tun haben. So formen Fischli und Weiss zum Thema Rolling Stones zwei Tonmännchen mit dem Titel: "Mick Jagger und Brian Jones befriedigt auf dem Heimweg, nachdem sie 'I Can't Get No Satisfaction' komponiert haben". Und unter der Skulptur eines Mädchens, das in seiner Kammer schläft, heißt es: "Anna O beim Träumen des Traumes, der von Freud als erster gedeutet wurde".

"Peter Fischli & David Weiss. Fragen & Blumen"

Termin: bis 31. August, Deichtorhallen, Hamburg. Ein Katalog herausgegeben von Bice Curiger, Peter Fischli und David Weiss begleitet die Ausstellung: 352 S., 29 Euro.

http://www.deichtorhallen.de

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