Akt Now!

Aktfotografie

Akt Now: Arnaud Lajeunie
Arnaud Lajeunie: "Maya #2", 2012 (© Arnaud Lajeunie)

AKT NOW: ARNAUD LAJEUNIE

Unsere Serie präsentiert jede Woche die besten Aktbilder internationaler Fotografen. Diesmal: Arnaud Lajeunie

Was reizt Sie an dem Thema Akt?

Ich weiß nicht, ob es mein Ziel ist, mich reizen zu lassen. Aber ich kann sagen: Der Akt macht die Dinge einfacher.

Es entstehte eine spezielle Atmosphäre, wenn jemand anfängt sich auszuziehen, während der andere angezogen bleibt und eine Kamera in der Hand hält. Meistens kenne ich die Menschen kaum, die ich fotografiere. Sie sind Freunde, aber nicht die engsten, oder Freunde von Freunden. Während der Aufnahmen entdecken wir uns gegenseitig auf eine sehr spezielle Art. Weil wir nicht intim sind, ist es leichter und verleiht uns eine offenherzige Stimmung.

Wie weit würden Sie gehen? Gibt es Tabus?

Ich gehe nicht sehr weit, ich nehme an, weil mich das nicht so sehr interessiert. Wenn ich eine Idee habe, die es erfordert, "weit" zugehen, dann gehe ich "weit". Aber dafür müssten wir entwickeln, was das genau ist: ein sehr verschwommenes Konzept, denn was den einen schockt, lässt jemand anderen kalt.

Wenn ich "weit" gehe, dann ist das eher darin, dass ich nicht so sehr darauf achte, dass meine Modelle es komfortabel haben. Sie müssen sich an die Geschichte anpassen und sie weiterentwicken. Manchmal schläft man dafür wenig, und die Temperaturen sind hart. Aber das sehe ich nicht wirklich als "weit" gehen.

Ich glaube nicht, dass es Tabus gibt. Wenn etwas von einer Idee gerechtfertigt wird, kann es getan werden.

Wann wird ein Akt zum Kunstwerk?

Wenn es ein gutes Aktbild ist. Genau so wie bei einer Landschaft, einem Porträt oder einem Katzenfoto.

Gibt es inspirierende Vorbilder?

Ich werde eine sehr naive und kindische Antwort geben, aber ich glaube, das mich fast alles inspirieren kann: von der kleinen Narbe im Nacken meines Sitznachbarn im Bus bis zu einem Lied. Und ich glaube, das gilt für alle, das ist nicht besonders.

Künstler, die mich inspierieren, gibt es viele – aber oft ist es nur eine kleine Sachen an ihnen. Zum Beispiel schätze ich William Forsythe für seine Arbeit über Improvisation, Peter Lindbergh für die Beziehung, die er zu seinen Modellen aufbaut, Roger Ballen dafür, die traditionelle Reportage aufgegeben zu haben und seine (meist erfolgreichen) Versuche, das innere Wesen seiner Modelle in künstlichen Umgebungen offen zu legen. Und auch Roman Signer für den Spaß und die Knalleffekte.

Was war der peinlichste Moment?

Den gab es nicht – oder zumindest für mich nicht. Da müsste ich die Menschen fragen, mit denen ich arbeite.

Welche Rolle spielt die Inszenierung und der Zufall in Ihren Fotografien?

Ich würde sagen, sie gehen Hand in Hand. Ich arbeite für gewöhnlich nicht an intimen Orten wie dem Zuhause oder dem Schlafzimmer. Ich gehe entweder nach draußen an Strände oder in den Wald – zwei Gegenden, die ich sehr schätze. Oder an anonyme Orte wie Studios oder große, leere Zimmer. In diesen Umgebungen fange ich an, eine Art Bühne zu bauen, mit Holzstücken, Spiegeln, Asche, Pigmenten, Tinte und so weiter. Mit ihnen tue ich mein Bestes, damit meine Modelle die ursprüngliche Geschichte neu interpretieren und nach vorne treiben. An diesem Punkt hänge ich vom Zufall ab.

Welches Projekt würdest Sie gerne einmal realisieren?

Ich habe keine wirklichen Träume, oder zumindest nicht so, wie die Frage das impliziert. Ich würde sagen, ich bin auf der Suche. Das hängt mit der vorherigen Frage zusamme, ich suche Ehrlichkeit in einer künstlichen Umgebung, durch eine Mixtur von Zufällen, Unfällen und etwas Glück.

Steckbrief:

Während ich Politikwissenschaften in Paris studiert habe, habe ich ein Erotikmagazin mitgegründet, "L'imparfaite". Unser Ziel war es, Sexualität als Raster zu nutzen, um bestimmte Muster in unserer Gesellschaft zu verstehen. In diesem Moment habe ich mich der Fotografie zugewandt. Einige meiner Arbeiten sind in Gruppenausstellungen beim 26e Festival de Mode et de Photographie in Hyères ausgestellt worden, bei FOAM in Amsterdam, in der Galerie Galerie Anne de Villepoix (Paris) oder bei der Messe Paris Photo.

Hochschule/Ausbildung:

MA in Politikwissenschaften an der Sciences-po, Paris / BA in Fotografie bei Les Gobelins Paris

Alter: 25

http://www.arnaudlajeunie.com

arnaudlajeunie@gmail.com

Kommentieren Sie diesen Artikel

0 Leserkommentare vorhanden

Abo