Nik Nowak

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Monströse Soundmobile
Nik Nowak: "Panzer / Tank", 2011, Minidumper, Holz, Glasfaser, Lack, Lautsprecherchassis, 4000 Watt Verstärker, Audio-Geräte (Foto: Nik Nowak )

MONSTRÖSE SOUNDMOBILE

Nik Nowak baut panzerartige Fahrzeuge, die Töne abgeben und Räume besetzen – was martialisch wirkt, ist anthropologisch gemeint
// HEIKE FUHLBRÜGGE

Nik Nowak deutet bereits mit dem Titel seiner Collagen von 2011 an, was für seine Arbeiten bestimmend ist: "Warp" – das Wort stammt aus dem Musikbereich und bezeichnet Dehnungen und Ziehungen von Tönen.

Denn Musik und Skulptur verbindet der 1981 in Mainz geborene Künstler zu monströs mobilen Soundmaschinen. Die­se zum Teil überdimensionierten Fahrzeuge erinnern an Ghettoblaster der siebziger Jahre ("Mobile Booster", 2005) und an militärische Nutzfahrzeuge ("Rakete", 2010, oder "Panzer", 2011). Sie spielen mit Assoziationen an afroamerikanische Jugendkultur, die mit ihrer "Noise" den öffentlichen Straßenraum territorial besetzt hat, oder auch mit Verweisen auf eine Methode der Kriegsführung, die Klang als Kampfmittel einsetzt. Die Suche nach ähnlichen Formen schlägt sich auch in seinen der Feldforschung dienenden "Murals" nieder, in denen er collageartig Ansammlungen von unterschiedlichen Bildmaterialien zu einem Thema zusammenstellt.

Häufig mit Mischpulten und Lautsprechern ausgestattet, sind seine Objekte Hybride, denen wie in der Arbeit "Baron Bass" (2008) niedrige Basstöne entströmen oder die Nik Nowak virtuos in Musik-Performances bedient. Entgegen ihres martialisch anmutenden Auftretens ist Nowaks Kunst anthropologisch ausgerichtet. Schon den enorm langwierigen Arbeitsprozess an seinen Objekten erklärt der Künstler als "eine aktive Entsagung", die sich gegen jede rationale Nutzbarkeit stellt. Die Raum-Zeit-Krümmungen, die Nowak mit seinen Sound-Kompositionen herstellen will, sind für ihn konzentrierte Räume, in denen das gesamtchaotische Raumgebilde um uns in geordnete Klanglandschaften umdefiniert wird. Diesen Vorgang, der den Raum mit seinem Sound wie bei einem Palimpsest neu besetzt und überschreibt, bezeichnet er als "Dubbing": eine Umformung des räumlichen Gesellschaftskörpers, die an Joseph Beuys erinnert und Referenzen zu Marcel Duchamp und John Cage aufweist.

Steckbrief

Geboren: Mainz, 1981

Wohnort: Berlin

Ausbildung: Universität der Künste Berlin bei Prof. Lothar Baumgarten

Galerie: White Trash Contemporary, Hamburg

Initialzündung: Otto Dix’ Bildnis der Tänzerin Anita Berber

Höhepunkt: Erinnerungen aus der Zukunft

Tiefpunkt: Frag mich am Ende meines Lebens noch mal

Helden: Charlie Chaplin, Marcel Duchamp

Credo: Ich glaube an die Intuition

Ein Rat, der Ihnen geholfen hätte: Oft sind es die Dinge, die man nicht tut, die einen auf den richtigen Weg bringen. Tu, was du nicht lassen kannst.

Warum Künstler, nicht Banker?: Bei Künstlern fragt man sich nicht, wovon sie leben, sondern warum sie nicht sterben.

http://www.niknowak.de

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