Andy Warhol

New York



GIGANTISCHER WARHOL-EINTOPF

Das Warhol als einer der einflussreichsten Künstler unserer Zeit gilt, ist nichts Neues. In der Blockbuster Show "Regarding Warhol: Fitiy Years, Sixty Artists" zeigt das Metropolitan Museum of Art in New York Warhols Einfluss auf Künstlerkollegen und schlägt so einen neuen Ausstellungskurs in Richtung zeitgenössischer Kunst ein
// CLAUDIA BODIN

Die Kunst hat Andy Warhol viel zu verdanken. Seine Marilyns, Suppendosen und Coca-Cola-Flaschen hängen in den Museen dieser Welt, Werke wie "Eight Elvises" oder "Green Car Crash" erzielten bei den Auktionen Rekordergebnisse in zwei- und dreistelliger Millionenhöhe.

Er machte den amerikanischen Lifestyle mit seinen Wertvorstellungen und Idolen, der Konsumgläubigkeit, den Prominenten, den Massenmedien und die menschliche Sensationslust zum Thema seiner Kunst. Er demontierte das Bild des Kunstgenies, indem er eine komplette Factory für sich produzieren ließ. Dass Warhol als einer der wichtigsten Künstler des 20. Jahrhundert gilt, wird niemanden mehr überraschen.

Wenig Überraschungen bietet auch die Blockbuster-Show "Regarding Warhol: Fifty Years, Sixty Artists", mit der das Metropolitan Museum of Art seinen neuen Kurs in Richtung zeitgenössische Kunst einschlägt und zu der auch ein Konzert von Patti Smith zu Ehren des Künstlers gehört – gesponsert wird die Veranstaltung von der Campbell Soup Company. Die Ausstellung verspricht Warhols Einfluss auf die Welt der Kunst zu erforschen. "Es handelt sich viel mehr um einen Dialog zwischen den Künstlern", so Gastkurator Mark Rosenthal. "Andy Warhol war sicher nicht der Erste, der bestimmte Dinge in der Kunst machte, aber er popularisierte sie." Spannender ist der Katalog zur Show, in dem sich Kollegen zu Warhol äußern. Ed Ruscha sieht in Warhol einen Künstler, der für alles stand und gleichzeitig für nichts. Julian Schnabel befindet, dass alles, was er in den vergangenen 20 Jahren an Kunst gesehen hat, bereits von Warhol gemacht wurde: "Er ist ein Gigant."

Oft wirkt das Konzept vorhersehbar oder gewollt

Manchmal funktioniert die Idee mit den Dialogen wie im Fall von Warhols Empire-State-Building-Epos in Slow Motion neben Bruce Naumans Film "Mapping the Studio I (Fat Chance John Cage)", in dem der Künstler über einen Zeitraum von 42 Nächten sein Atelier aufnahm. Oder in dem Ausstellungsraum, den sich eine Arbeit von Jean-Michel Basquiat, die einen von einem qualvollen Leben gezeichneten Schädel zeigt, mit Warhols elektrischen Stühlen und Unfällen ("Orange Disaster #5") und Cady Nolands ausgeschnittener Figur des mutmaßlichen Kennedy-Attentäters Lee Harvey Oswald teilt. Doch in vielen Fällen wie Gerhard Richters Frauenbildern "Evelyn (Blau)", "Helga Matura" oder Warhols Mao, der neben Porträts von Künstlern wie Cindy Sherman, Hiroshi Sugimoto und Luc Tuymans hängt, wirkt das Konzept vorhersehbar oder gewollt. Zu den schönsten kleinen Überraschungen zählt ein Foto von Wolfgang Tillmans: John Waters sitzt auf einer Couch, neben sich ein Kissen, das seine Mutter bestickt hat – mit dem Warhol-Motiv des elektrischen Stuhls.

Meister des Kommerzes

Die Ausstellung mit 100 Arbeiten von 59 Künstlern und rund 50 Warhols, darunter die berühmten Brillo-Boxen, Elvis und eine Silver Liz, könnte ein Publikumserfolg werden. An Originalität fehlt es ihr jedoch. All diejenigen, die es nicht weiter überrascht, dass Takashi Murakami als Japans Warhol gilt oder dass Warhol mit seinen Filmen vorgeführt hat, was wir heute unter Reality TV verstehen, werden die Ausstellung als nettes Unerhaltungsprogramm an sich vorüberziehen lassen. Über weite Strecken wirkt es, als ob das Museum nach einem Aufhänger gesucht hat, um möglichst viele Blockbuster unter einem Dach zu vereinigen. Zu Themen wie dem Tod, Katastrophen, Prominentenkult oder Konsumkritik lässt sich einiges an Künstlern unterbringen. Da findet Tom Sachs alberne Chanel-Kettensäge ihren Platz neben Jeff Koons berühmten Staubsaugern, Ed Ruschas brennender Tankstelle, Damiens Hirsts Medizinkabinett und Hans Haackes genialer "Helmsboro Country" Zigarettenschachtel, mit der er die scheinheilige Zigarettenindustrie, die ultrakonservative Politik in Amerika und Homophobie kommentiert.

Die Ausstellung endet mit Takashi Murakami neben Jeff Koons und führt über einen mit silbernen Ballons und Kuh-Motiv-Tapete ausgestatteten Raum – die Wiederauflage einer Ausstellung, die Andy Warhol 1966 bei Leo Castelli hatte – in einen Museumsshop. Wo über Skateboards mit Marilyn-Motiv, Kaffeetassen und Jackie-Kennedy-Poster alles Mögliche an Warhol-Ware im Angebot ist. Auch Suppenhersteller Campbell will den Warhol-Boom nicht verpassen und bringt Tomatensuppendosen mit einem Etikett heraus, dass an das berühmte Suppendosenbild des Künstlers erinnert. Der Pop-Art-King und Meister des Kommerz hat es ja damals schon gesagt: "Gut im Geschäft zu sein ist die faszinierendste Art der Kunst."

Regarding Warhol: Sixty Artists, Fifty Years

Die Ausstellung ist bis zum 31. Dezember 2012 im Metropolitan Museum of Art in New York zu sehen.

http://www.metmuseum.org

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