Renaissance-Ausstellung

Peking

Schöne Kunst und basta!
Michelangelos "David-Apollo" wurde im chinesischen Staatsfernsehen ein elektronischen Feigenblatt verpasst

SCHÖNE KUNST UND BASTA!

Nach der viel diskutierten deutschen Aufklärungsschau im Chinesischen Nationalmuseum in Peking sind jetzt die Italiener dran: Sie präsentieren den Chinesen die Florentiner Renaissance. Ein Zensurfall sorgte für Aufregung.
// UTE DIEHL

Die deutschen Kulturmittler hatten versucht, den Freiheitsgedanken in Gestalt von Kunstwerken nach China zu schleusen. Die Kunst der Aufklärung brachte aber keine Aufklärung, so wie die Kunst der Renaissance keinen Humanismus bringen wird. Die Italiener versuchen mit ihrer Schau "Rinascimento a Firenze" erst gar nicht, die Idee der Menschenwürde, die ja gerade in der Renaissance an Bedeutung gewann, zu thematisieren. Sie zeigen einfach schöne Bilder und schöne Statuen. Basta. Aus den Uffizien wurden Botticellis "Verkündigung" eingeflogen und weitere 32 Tafelmalereien so berühmter Künstler wie Paolo Uccello, Raffael, Gentile da Fabriano und Filippo Lippi. Die über zwei Meter hohen Kämpfer "Herkules und Antäus" von Bartolomeo Ammanniti und Michelangelos "David-Apollo" erregten allerdings durch ihre Nacktheit Anstoß. Das chinesische Staatsfernsehen verpasste im Ausstellungsbericht den Statuen ein elektronisches Feigenblatt. Der TV-Regisseur sagt, er habe das Schamgefühl der Chinesen schonen wollen.

Das Schamgefühl der Chinesen kümmert die Italiener wenig, doch viele regen sich über die Verschickung ihrer kostbaren Werke auf. "Marmor ist zerbrechlicher als Glas. Aber vor allem die empfindlichen Malereien sollten überhaupt nicht reisen", empört sich der Kunstkritiker Tommaso Montanari, "schon mal gar nicht für Propagandazwecke". Die Präsidentin der Denkmalschutzorganisation Italia Nostra, Alessandra Mottola Molfino, protestierte gegen die Ausstellung, weil sie lediglich dem Ansehen der chinesischen Regierung diene: "Heerscharen von Beamten aus dem italienischen Kulturministerium haben die Kunstwerke begleitet und dazu kommen noch die hohen Transport-und Versicherungskosten. Reine Geldverschwendung!" Italia Nostra hat einen Protestbrief an den italienischen Staatspräsidenten verfasst, den auch renommierte Kunsthistoriker wie Salvatore Settis unterschrieben haben. Sie verlangen Auskunft über die Zahl der jährlichen Leihgaben, die durch den Transport verursachten Schäden und den kulturellen und wirtschaftlichen Nutzen von staatlichen Prestige-Unternehmen.

"Wir sollten die Verschickung von Kunstwerken nicht ablehnen", mahnt dagegen Italiens Kulturminister Lorenzo Ornaghi, "die Kunst ist ein wichtiges Instrument der Außenpolitik." Die Ausstellung der Florentiner Renaissance, die bis 30. April 2013 in Peking zu sehen ist, wird durch eine Präsentation des römischen Barock abgelöst. Denn Italien ist das erste Land, das im Nationalmuseum am Platz des Himmlischen Friedens in Peking fünf Jahre lang Ausstellungsräume bespielen kann. Als Gegenleistung stehen den Chinesen Säle im Palazzo Venezia in Rom zur Verfügung, wo zur Zeit aber nichts aus China zu sehen ist.

"Rinascimento a Firenze"

Daten: Bis 30. April 2012, Nationalmuseum Peking

http://en.chnmuseum.cn

Kommentieren Sie diesen Artikel

0 Leserkommentare vorhanden

Abo