Takashi Murakami
Interview
"ICH BIN EIN MARKETING-KÜNSTLER"
Murakamis lachende Blumengesichter bevölkern die Wände. Der Künstler ließ Tapeten mit seinen Motiven bedrucken, die als verrückt überfrachteter Hintergrund für seine Bilder dienen. Plüschtiere und Actionfiguren füllen Glasvitrinen. Murakamis Alter Ego Mr. DOB, eine Mischung aus Micky Maus und Manga-Figur, blickt die Besucher mit leerem Lächeln an.
Die lebensgroße, von Porno-Comics inspirierte Skulptur "My Lonesome Cowboy" (1998) lässt den Samen spritzen, das weibliche Gegenstück "Hiropon" (1997) sprengt mit absurden Brüsten ihr Bikini-Oberteil. Teil der Ausstellung ist wie bereits im Museum of Contemporary Art in Los Angeles ein perfekt ausgeleuchteter Louis-Vuitton-Laden, in dem von Murakami designte Handtaschen für 1 400 Dollar, Schlüsselanhänger und Monogramm-Bildchen des Taschenherstellers auf Tarnfarbenstoff in limitierter Auflage (6 000 bis 10 000 Dollar) verkauft werden.
Die Kooperation mit Murakami brachte dem Luxuslabel Einnahmen in Höhe von mehreren Hundert Millionen Dollar. Weil in Japan kein Unterschied zwischen hoher Kunst und Kommerz gemacht wird, hat der Künstler die Aufregung über die Zusammenarbeit nie verstanden. Auch die starke Kritik am Vuitton-Laden im Museum oder an seinen auf Masse produzierten Murakami-Kuscheltieren, Monopoly-Spielen und den mit seinen Motiven bedruckten T-Shirts kann er nicht nachvollziehen. Auf diese Weise mache er Kunst, die für jedermann zugänglich ist, rechtfertigt der Japaner. Schließlich sind seine Skulpturen wie Mr. Pointy mit der Stachelhaube erst für Preise von 1,5 Millionen Dollar zu haben. Immerhin würde ihn das viele Geld, das er mit seiner Kunst verdient, durchaus beschämen, kokettierte Takashi Murakami bei der glamourösen Party zur Eröffnung der Ausstellung, bei der sein Freund Kanye West rappte und bei der Prominenz wie Julian Schnabel, Modedesigner Marc Jacobs und Vuitton-Boss Bernard Arnault aufliefen.
Murakami lud art zum Studiobesuch im wenig glanzvollen Long Island City ein. Sein Kunstunternehmen mit dem Namen "Kaikai Kiki", was übersetzt "elegant und bizarr" heißt, befindet sich im New Yorker Stadtteil Queens. Allein 35 Mitarbeiter kümmern sich hier um die Vermarktung seines Namens, um Presse, Finanzen und Planung. Bis zu 20 künstlerische Assistenten und Fachleute für Computeranimation helfen bei der Produktion der Arbeiten, die der Meister nur noch zum Teil selbst am Computer entwirft und komplett von seinen Mitabeitern ausführen lässt. Speziell geschulte Künstler legen mit Pinsel und Farbe letzte Hand bei den riesigen Siebdrucken an, um feinste Linien nachzuziehen. Murakami, der in New York vom Powerhouse Gagosian Gallery vertreten wird, reist alle zwei Monate in Queens an. Der Künstler gönnt sich dann kein schickes Hotelzimmer in Manhattan, sondern nächtigt hinter einer Schiebetür mitten im Büro. Als "Completist" bezeichnet die "Kaikai Kiki"-Crew ihren Chef scherzhaft. Ein Perfektionist, der stets die komplette Kontrolle über seine Kunst-Factory haben will.
