Erich Reusch

Bochum



SKULPTUR VOM SOCKEL GEHOLT

Schwerpunkt einer Werkschau des deutschen Bildhauers Erich Reusch bei "Situation Kunst" in Bochum sind dynamische Arbeiten in kräftigen Farben. Der Künstler, der die Plastik bereits in den fünfziger Jahren vom Sockel holte, schafft heute Werke an der Schnittstelle von Wandbild und Raumplastik.
// PETRA BOSETTI

Manfred Schneckenburger, Kunsthistoriker und Leiter der documenta 6 und 8, brachte das Werk des deutschen Bildhauers Erich Reusch auf einen prägnanten Nenner. Reuschs "Leidenschaft gilt dem Raum als eigenständigem, formbarem, aktivierbarem Spannungsfeld". Alle Formelemente, Balken, Platten, Scheiben oder Stangen seien "lediglich Mittel, um diesen Raum zu erzeugen und anzuspannen".

"Der Raum ist das Ereignis" heißt denn auch eine Ausstellung in der "Situation Kunst", einem Teil der Kunstsammlungen der Ruhr-Universität in Bochum, die das gesamte bisherige Lebenswerk des 1925 geborenen Bildhauers vorstellt. Erich Reusch, der die Plastik bereits in den fünfziger Jahren vom Sockel holte, hat, so seine eigenen Worte, "erste dezentralisierte Skulpturen entworfen" und schuf durch die Reduzierung der Einzelformen "auf ein Minimum (Kuben, Scheiben oder Säulen) … Spannungsfelder, die durch Verdichtung oder Auflösung beträchtliche Dimensionen erreichen". Reusch will, dass seine "sockellosen Metallflächen in den Raum eindringen".

Zahlreiche seiner Großplastiken aus Eisen oder Stahl stehen in öffentlichen Räumen – allein in Bochum sind es fünf, darunter das "Wasserrelief" von 1971 am Forum der Ruhr-Universität, eine mehrteilige Plastik vor dem Bochumer Finanzamt, andere Arbeiten von Reusch stehen auf dem Münchner Olympiagelände oder vor den Stadtwerken Lüdenscheid. Die Ausstellung in der "Situation Kunst" ist chronolgisch aufgebaut – aus den fünfziger Jahren stammen etwa ein Plexiglasrelief mit Stahlelementen, aus den Sechzigern weiß bemalte Stahlreliefs und aus den Siebzigern Kohlezeichungen. Einen Schwerpunkt der Ausstellung bilden Werke jüngsten Datums: dynamische Arbeiten an der Schnittstelle von Wandbild und Raumplastik in kräftigen Farben, die von der Wand in den Raum gehen und den Boden mit einbeziehen.

Erich Reusch: Der Raum ist das Ereignis

Termin: bis 30. September. Der Katalog kostet 16 Euro.

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