12 Rooms

Essen



KUNSTKÖRPER

Ab Freitag schafft ein zehntägiges "Live Art"-Projekt Räume für intime Begegnungen. Zwölf White Cubes im Museum Folkwang werden von Hochkarätern wie John Baldessari, Damien Hirst oder Tino Sehgal bespielt.
// MIRJA ROSENAU

Eigentlich leben die zwölf Räume im Museum Folkwang davon, dass der Besucher nicht weiß, was ihn hinter der nächsten Tür erwartet. So viel sei trotzdem verraten: In jedem ist mindestens ein menschlicher Körper präsent. Präsentiert werden "Körperskulpturen": Anders als flüchtige Performances sind sie im Rahmen der zehn(!)tägigen Ausstellungsdauer während der Museumsöffnungszeiten ständig zu sehen.

Die Kriegsveteranen etwa, die der spanische Provokationskünstler Santiago Sierra beschäftigt, arbeiten ebenso in Schichten wie die Frauen, die Marina Abramovic’ für die Wiederaufführung von "Luminosity" (1997) nackt und mit gespreizten Armen und Beinen auf einen an der Wand befestigten Fahrradsattel aufbockt.

In den einheitlich fünf mal fünf Meter großen und nach außen gleich aussehenden White Cubes sollen Situationen von inti-mer Privatheit und "Unmittelbarkeit" zwischen Besuchern und Performern entstehen: In Joan Jonas’ "Mirror Check", einer zweiten Wiederaufnahme, scannt eine junge Frau ihren Körper wie bereits 1970 noch einmal Stück für Stück mit dem Handspiegel. Die brasilianische Künstlerin Laura Lima hat die Decke des von ihr bespielten Zimmers auf Kniehöhe abgehängt: Um wie in ein Mauseloch hineinlugen zu können, muss man sich auf den Fußboden bücken.

Das Konzept für das "Live Art"-Projekt haben sich die beiden Superkuratoren Hans Ulrich Obrist (Serpentine Gallery) und Klaus Biesenbach (MoMA PS1) für das Manchester International Festival ausgedacht, wo es 2011 als "11 Rooms" Premiere feierte. Die Anzahl der Räume leitet sich von der Jahreszahl des jeweiligen Ereignisses ab, es sind weitere Stationen mit zusätzlichen Teilnehmern geplant. In Manchester mit eher ortsbezogenen Arbeiten vertretenene Künstler wie Lucy Raven oder Simon Fujiwara haben für Essen neue Beiträge konzipiert. Erstmals dabei ist hier Damien Hirst, der – eine Arbeit von 1992 – gleich frisierte und identisch angezogene eineiige Zwillinge vor zwei nur auf den ersten Blick gleich aussehenden "Spot Paintings" setzt.

An anderer Stelle halten sich Darsteller mit augenscheinlich migrantischem Hinter­grund in einem prekären Zustand der Schwebe: Sie nehmen Körperhaltungen ein, in denen sie eigentlich sofort zu Boden fallen müssten. Sind sie übermenschlich durchtrainiert? Halten sie Magneten oder unsichtbare Fäden? Das wird hier nicht verraten. Wer ihnen auf die Schliche kommen will, sollte Xu Zhens Raum betreten.

12 Rooms

Termin: 17. August bis 26. August 2012 im Museum Folkwang in Essen

http://www.museum-folkwang.de

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