Wangechi Mutu

Baden-Baden



SOLCH UNGEAHNTE TIEFEN

Die Arbeiten der jungen Kenianerin Wangechi Mutu bewegen sich zwischen Farbexplosion und Schockeffekt. Nun werden Collagen, Installationen und Videos der Künstlerin in einer großen Einzelausstellung in der Kunsthalle in Baden-Baden gezeigt.
// BARBARA HEIN

Etwas Unheimliches liegt über Wangechi Mutus Arbeiten. Selbst ihre filigran komponierten Collagen in cremigen Pastelltönen verbreiten Unbehagen. Denn irgendwo unter bunter Farbe und gekonnten Pinselstrichen lauert das Grauen.

So wie bei der an einen Hahn erinnernden Collage: Üppige Blumenblüten umrahmen einen Körper, Schwanzfedern scheinen fröhlich zu wippen, ganz oben ein leuchtender Kamm – und dann der Schockeffekt: eine braunrote Farbexplosion in der oberen Mitte des Bildes, genau an der Stelle, wo man den Hahnenkopf assoziiert. Plötzlich sieht man Blut, hört einen Schuss, fühlt den Tod. Wo eben noch Idylle war, regiert nun blanker Horror. Die Kunsthalle Baden-Baden präsentiert das Werk Wangechi Mutus, die 2010 von der Deutschen Bank zur Künstlerin des Jahres gekürt wurde, nun in einer großen Einzelausstellung mit 32 Collagen und Installationen. Die Ausstellung eröffnet eindrucksvoll mit "Exhuming Gluttony: Another Requiem". Dafür arrangiert Mutu aus Tierhäuten, tropfenden Weinflaschen und bestialischem Gestank eine beeindruckende Verschwendungs- und Überflusskritik. Mutu, die 1972 in Nairobi geboren wurde, thematisiert oft die Versehrtheit der Erde durch die Unachtsamkeit ihrer Bewohner, der Menschen.

Mittlerweile lebt Wangechi Mutu in einer der multikulturellsten Städte der Welt, in New York. Obwohl sie in ihren Arbeiten – besonders den Collagen – immer wieder durch die Wahl ihrer Szenen, Zeichen und Materialien auf Afrika verweist, sind ihre Themen globaler und gleichsam gültig für die ganze Welt. Denn es geht ihr generell um die Schutzlosigkeit und Verletzlichkeit des Menschen und vor allem des weiblichen Körpers. Trotz aller Sozialkritik fehlt den Werken allerdings das intellektuell Belehrende. Der Zugang erfolgt eher emotional über einen Sinneseindruck wie Ekel oder Schock – was letztendlich aber auch zum Nachdenken führt.

"This undreamt Descent"

Termin: bis 30. September 2012 in der Kunsthalle in Baden-Baden

http://www.kunsthalle-baden-baden.de

Kommentieren Sie diesen Artikel

0 Leserkommentare vorhanden

Abo