Haegue Yang

Documenta Parcours #19



DOCUMENTA PARCOURS – STATION #19

Heutige Station unseres Parcours ist die Installation "Approaching: Choreography Engineered in Never-Past Tense" von Haegue Yang. An dieser Stelle präsentiert art Ihnen Werke und Künstler der documenta 13.
// ANGELIKA KINDERMANN

Über dem stillgelegten Gleis, das sich durch die alte Lagerhalle im Nordtrakt des ehemaligen Kasseler Hauptbahnhofes zieht, hängt eine seltsame Formation aus dunklen Jalousien. Versetzt, über- und nebeneinander sind die Aluminiumvorhänge entlang der Strecke arrangiert, als gelte es etwas Großes zu verhüllen oder die ohnehin in schummriges Licht getauchte Halle weiter abzudunkeln.

Doch plötzlich erklingt ein Surren und einige der Jalousien fahren hoch, andere öffnen zaghaft ihre Lamellen. Für einen kurzen Moment hält das gesamte Arrangement inne. Dann schnurrt an einer anderen Stelle eine Jalousie nach oben, eine weitere senkt sich wieder, Lamellen gehen auf und nieder. In Minuten-Intervallen verändert so die Großskulptur der koreanischen Künstlerin Haegue Yang ihr Aussehen.

Doch trotz des ästhetischen Reizes dieser Jalousienchoreographie und des bei jeder Bewegung sich ändernden Lichts, beschleicht den Betrachter ein unbehagliches Gefühl angesichts dieser Truppe ferngesteuerter Metallrollos. Was sollen sie bedeuten hier in dieser verlassenen Halle, in der einst Güterzüge verladen wurden? Verweisen sie auf die Transporte der Kasseler Rüstungsindustrie? Mahnen die Jalousien an die Verdunkelung während der vielen Bombenangriffe, die Kassel im Zweiten Weltkrieg eben wegen dieser Rüstungsindustrie erleiden musste? Oder geht es hier schlicht um ständige Veränderung der Form, oder eher um die verwunderliche Ausdruckskraft banaler Alltagsgegenstände wie Rollos? Yangs documenta-Arbeit gibt keine eindeutigen Antworten, sie bietet Raum für verschiedene Assoziationen – und behält doch den Zauber des Rätselhaften.

Haegue Yang

Konzept und Poesie sind gleichwertig in den komplexen Installationen, Skulpturen, architektonischen Interventionen und Videos der in Berlin lebenden Südkoreanerin (geb. 1971). Sie beschäftigt sich mit Ordnungssystemen und Normprodukten des Alltags.

Ausstellungen: 2010 Temporäre Kunsthalle, Berlin, 2009 Venedig-Biennale, 2008 Portikus, Frankfurt am Main.

Literatur: Arrivals, Verlag Walther König, 48 Euro. Wild Against Gravity, Aspen Art Press. Inaesthetics 2: Animality, Merve Verlag, 18 Euro.


Unsere bisherigen Stationen auf der documenta 13:

#18 Llyn Foulkes
#17 István Csákány
#16 Horst Hoheisel
#15 Marc Dion
#14 Theaster Gates
#13 Cardiff & Miller
#12 Gustav Metzger
#11 Susan Philipsz
#10 Seth Price
#09 Lara Favaretto
#08 Goshka Macuga
#07 Kader Attia
#06 Michael Rakowitz
#05 Yan Lei
#04 Etel Adnan
#03 William Kentridge
#02 Roman Ondák
#01 Omer Fast

Das art-Spezial zur documenta 13

Die größte Ausstellung zeitgenössischer Kunst in einzigartigen Bildern – mit Berichten, vielen Hintergrundinfos und nützlichen Tipps.

http://shop.art-magazin.de

Kommentieren Sie diesen Artikel

1 Leserkommentar vorhanden

ooo

08:59

30 / 08 / 12 // 

schon

1000mal gesehn sowas.

Abo