Helene Schjerfbeck

Helsinki



FRAU MIT FORSCHENDEM BLICK

Das Ateneum in Helsinki ehrt die finnische Malerin Helene Schjerfbeck (1862 bis 1946) mit der größten jemals gezeigen Werkschau
// PETRA BOSETTI

In ihrer Heimat Finnland gilt sie als eine der wichtigsten und meistgeehrten Künstlerpersönlichkeiten: Helene Schjerfbeck, die auf einfühlsame, bisweilen auch erschütternde Weise menschliche Seelenzustände darstellen konnte.

Außerhalb Skandinaviens war sie lange Zeit eher unbekannt. Erst als sie 2007 in der Hamburger Kunsthalle eine viel beachtete Ausstellung hatte, die danach noch in Den Haag und Paris zu sehen war, öffnete sich Blick auch außerhalb Skandinaviens für die enormen Qualitäten dieser Frau, die sich vor allem mit der eigenen Physiognomie und den eigenen Seelenzuständen befasst hat. Zum 150. Geburtstag ehrt nun das Museum Ateneum in Helsinki diese Ausnahmekünstlerin mit der größten Werkschau, die es jemals gegeben hat. Über 300 Werke aus allen Werkphasen kamen zusammen – von berühmten Gemälden wie "Die Genesende", für das sie 1889 auf der Weltausstellung in Paris mit einer Bronzemedaille ausgezeichnet wurde, bis zu ihren von El Greco inspirierten Gemälden, die nun zum ersten Mal zusammen mit zwei Werken des spanischen Meisters gezeigt werden.

Bilder vom eigenen Verfall

Helene Schjerfbeck hatte bereits als Mädchen gemalt und gezeichnet. Da sie in jungen Jahren eine schwere Hüftverletzung erlitten hatte, deren schmerzhafte Folgen sie ein Leben lang begleiteten, war sie in allen Dingen wohl ernsthafter als ihre Altersgenossinnen. In der Beschäftigung mit dem eigenen Gesicht hielt sie denn auch die Spuren des Alters mit gnadenloser Deutlichkeit fest – in jungen Jahren blickt sie dem Besucher noch mit wachem, selbstbewusstem Blick entgegen. Mit zunehmendem Alter wird dieser Blick forschender, skeptischer, ihre Züge verhärten sich zunehmend, und ihre malerischen Mittel hat sie immer stärker reduziert. Letzte Zeichnungen bestehen nur noch aus kargen Kürzeln, die das Verlöschen eines Menschen in unfassbar eindringlicher Weise bildhaft werden lassen.

Helene Schjerfbeck

Termin: bis 14. Oktober 2012; zur Ausstellung erscheint ein Katalog in finnischer, schwedischer und englischer Sprache, er kostet 47,50 Euro

http://www.ateneum.fi

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