Francis Picabia

Kunsthalle Krems



PARFORCERITT DURCH ALLE STILE

Die Kunsthalle Krems präsentiert die erste Retrospektive von Francis Picabia in Österreich und damit einen der Ausstellungshöhepunkte im August. Gezeigt werden 180 Werke aus allen Schaffensphasen des großen Erneuerers und Provokateurs.
// PETRA BOSETTI

Er wolle "solche Bilder malen, die hoffentlich nie als '…istisch' klassifiziert werden, sondern ganz einfach Francis-Picabia-Bilder sind", schrieb der französische Maler (1879 bis 1953). Er wolle "die schönstmögliche schwachsinnige Malerei”, die das "in den Museen lässt, was die Konservatoren dort vergraben haben”.

Die Kunstgeschichte tat ihm den Gefallen nicht. Seine Werke schmücken die großen Museen der Welt, und auch "...ismen" hat man ihm angehängt. Er wurde vor allem zur Avantgarde um Dada gezählt (Picabia: "Dada seinerseits will nichts, nichts, nichts, es tut etwas, damit das Publikum sagt: ,Wir verstehen nichts, nichts, nichts‘."). Auch rechnete man ihn den Kubisten zu (Picabia: "Der Kubismus stellt die Ideenknappheit dar. Sie haben die Gemälde der Primitiven kubiert, die Negerskulpturen kubiert, die Geigen kubiert ..."). In allen diesen Stilen, sogar im Impressionismus und im Surrealismus war Picabia tatsächlich kurz zu Hause – aber verwarf sie genauso schnell, wie er sich Neuem zuwandte. Manche Kritiker und Kunsthistoriker verziehen ihm den permanenten Stilwechsel nicht, für andere war er gerade deshalb "Erneuerer, Provokateur," so Hans-Peter Wipplinger, Direktor der Kunsthalle Krems, ein "Pionier der Postmoderne". Wipplinger hat mit 180 Arbeiten aus allen Werkphasen die erste Retrospektive des Künstlers in Österreich organisiert – und hat dazu im Katalog ein ebenso vergnügliches wie aufschlussreiches fiktives Interview mit dem Künstler geführt. Dazu stand ihm ein außerordentlich reicher Fundus an schriftlichen Äußerungen des Künstlers zur Verfügung, denn Picabia hat etwa in Schriften wie seinem "Manifest des guten Geschmacks" oder im "Dada Manifest" ebenso skurrile wie kluge Gedanken ausführlich zu Papier gebracht.

Die Ausstellung verfolgt Picabias atemberaubenden Parforceritt durch die Moderne: Die älteste Arbeit ist eine Flussszene von 1909 in klaren, leuchtenden Farben ganz im Stil der Schule von Barbizon. Prägnante Stationen sind etwa die "Transparenzen" der dreißiger Jahre, zarte, einander mehrschichtig überlagernde Motive. Schließlich in den vierziger Jahren eine Umkehr zur realistischen Malerei: Modelle für seine glatten Frauenakte fand er in Männermagazinen – in ihrer an Kitsch grenzenden Übersteigerung entfalten sie eine Art subtil-hintersinnige Ironie. Am Lebensabend schlug Picabia noch einmal die Volte zur abstrakten Malerei: Das letzte Bild der Ausstellung, "Doppelsonne" (1950), zeigt Punkte in einem diffusen Liniengespinst.

Francis Picabia. Retrospektive

Die Ausstellung "Francis Picabia. Retrospektive" ist bis zum 4. November 2012 in der Kunsthalle Krems zu sehen.

Der Katalog erschien im Verlag Walther König und ist für 29,80 Euro erhätlich.

http://www.kunsthalle.at

Kommentieren Sie diesen Artikel

0 Leserkommentare vorhanden

Abo