Horst Hoheisel
Documenta Parcours #16
DOCUMENTA PARCOURS – STATION #16
Denkmäler gibt es in Europa in Hülle und Fülle. Mahnmale auch. Hinzu kommen Objekte ohne Bedeutung, die nur der Stadtverschönerung oder auch häufig der "Stadtmöblierung" dienen.
Horst Hoheisel erkannte schon in den achtziger Jahren das Problem der städtischen Objektüberflutung und entwarf für Kassel ein Negativ-Monument zum Gedenken an den 1908 errichteten und 1939 von den Nationalsozialisten zerstörten Brunnen. Vor dem Kasseler Rathaus befinden sich nur noch seine Umrisssteine aus deren Mitte seichte monotone Plätschergeräusche dringen. Der Brunnen steht Kopf und das Wasser fließt nach unten. Ein Eisengitter, konturiert durch kleine Wasserstraßen, ermöglicht Einsicht: Hoheisel errichtete nichts, sondern drehte einen stilisierten Nachbau des Brunnens inklusive seiner Wasseranlage nach Innen. Gedenken und Mahnung müssen sich keiner monumentalen Sprache bedienen, um zu funktionieren – häufig ist weniger mehr. Hoheisel wird den Brunnen jeweils am 11. eines Monats öffentlich reinigen und ihn so auch zu einem Werk der documenta 13 machen.
Horst Hoheisel (geb. 1944)
Der deutsche Künstler setzt sich in ortsspezifischen Arbeiten im Öffentlichen Raum mit dem Holocaust und dem Nationalsozialismus auseinander. Unter bewusstem Verzicht auf Monumentalität, entwickelte er gemeinsam mit Andreas Knitz neue Formen der Gedenkkultur: "Negativ-Denkmale" (Counter-Monuments). Den Aschrott-Brunnen in Kassel realisierte er 1987.
Unsere bisherigen Stationen auf der documenta 13:
#15
Marc Dion
#14
Theaster Gates
#13
Cardiff & Miller
#12 Gustav Metzger
#11 Susan Philipsz
#10 Seth Price
#09 Lara Favaretto
#08 Goshka Macuga
#07 Kader Attia
#06 Michael Rakowitz
#05 Yan Lei
#04 Etel Adnan
#03 William Kentridge
#02 Roman Ondák
#01 Omer Fast
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